Grosse Ziele in der Ferne

MOUNTAINBIKE. Simon Vitzthum (20-jährig) und Noah Blöchlinger (19) versuchen, in der U23 international Fuss zu fassen. Vitzthum schaffte die WM-Quali. Den Blick haben beide Bischibiker in die Zukunft gerichtet.

Yves Solenthaler
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Die Bischibiker Noah Blöchlinger (links) und Simon Vitzthum sind dabei, sich als U23-Fahrer zu etablieren. (Bild: Yves Solenthaler)

Die Bischibiker Noah Blöchlinger (links) und Simon Vitzthum sind dabei, sich als U23-Fahrer zu etablieren. (Bild: Yves Solenthaler)

Statt wie bei den Nachwuchskategorien nur zwei, sind in der U23 plötzlich vier Jahrgänge in einer Kategorie eingeteilt. Die Strecken werden länger, und vor allem wird die Leistungsdichte grösser. Zudem kommen die Heranwachsenden in der Schweiz in ein Alter, in dem beruflich und schulisch wichtige Weichenstellungen anstehen. Selbst der spätere U23-Weltmeister Thomas Litscher hatte die WM-Quali in seinem ersten U23-Jahr nicht geschafft.

Enorme Leistungsdichte

«Wenn ich bei den Junioren zum Beispiel der Fünftbeste war, fiel die Klassierung fast immer zwischen 3 und 7 aus», sagt Simon Vitzthum aus Rheineck, «in der U23 verliere ich sofort zehn Positionen, wenn es nur mal ein bisschen weniger läuft.» Erst recht, weil U23-Fahrer die meisten Rennen (ausser Weltcup und Titelkämpfe) in der Elite bestreiten müssen.

Oder eher: Sie dürfen in den Eliterennen starten. Noah Blöchlinger aus Heiden, wie Vitzthum vom Team Bischibikes-kopierpapier.ch, musste sich letzte Saison bei den Amateuren & Masters noch die Befähigung dafür holen. «Die erste U23-Saison war wie erwartet hart», resümiert er. Wegen seiner (inzwischen bestandenen) Lehrabschlussprüfung als Koch und einem einmonatigen Abstecher beim Militär hat er erst jetzt – wo die Saison eigentlich vorbei ist – zu seiner Topform gefunden.

Simon Vitzthum ist ein Jahr älter und somit weiter. Er hat im Frühling in Portugal seinen ersten UCI-Punkt geholt, «später gab es da mal 5, dort mal 10 – das zeigt mir, dass es aufwärts geht.» Der Rheinecker hat, obschon (noch) nicht Mitglied der Nationalmannschaft, die Weltcup-Saison mit Swiss Cycling bestritten. Mit einem 25. Rang in Kanada hat er die Selektionsrichtlinien für die WM erfüllt, im zweiten Nordamerika-Rennen in den USA kugelte er sich bei einem Sturz aber die Schulter aus, dennoch bilanziert er: «Der teure Nordamerika-Trip hat sich gelohnt, weil ich mir dabei das WM-Ticket sicherte.»

Letzter Starter im Weltcup

Blöchlinger war nur beim Weltcup in Lenzerheide dabei, fuhr «mit der Nummer 123, als Allerletzter des Felds, auf Rang 54». Die Nordamerika-Reise hätte er bestreiten können, entschied sich aber wegen der Kosten dagegen. Blöchlinger sagt von sich: «Wenn ich am Start stehe, möchte ich immer gewinnen.» Dennoch war er mit dem Abschneiden in Lenzerheide zufrieden – vom Start bis ins Ziel hat er 70 Ränge gutgemacht.

Auch das gehört zur Entwicklung: Sich mit Klassierungen abfinden, die wenig verheissungsvoll aussehen. Vitzthum studiert die Ranglisten genau, schaut wie er im Vergleich mit den Fahrern seines Jahrgangs dasteht: «Wenn ich 8 Minuten Rückstand habe – aber die Hälfte davon schon nach der ersten Runde, in der hinten viel Verkehr herrscht – fuhr ich ja nicht wirklich 8 Minuten langsamer als der Sieger.» Etwa so verlief auch Vitzthums WM-Rennen in Andorra. Er beendete es von Startplatz 88 aus auf Rang 29. «Ich schätze die WM als mein stärkstes Rennen der Saison ein, besser als den 25. Platz in Kanada, weil bei Übersee-Weltcups jeweils einige Fahrer fehlen.»

Nächste Saison sehen Simon Vitzthum und Noah Blöchlinger den nächsten Schritt vor. Der Rheinecker möchte sich weiter verbessern, EM- und WM-Quali schaffen. Der Häädler hofft auf regelmässige Weltcup-Einsätze, und schliesslich auch die WM-Qualifikation.

Blöchlingers Fokus ist ins Bündnerland gerichtet: Sein grosses Ziel ist mit der Weltcup-Strecke in Lenzerheide verbunden. Dort finden 2018 die Weltmeisterschaften statt – in Blöchlingers letztem Jahr als U23-Fahrer. Darauf arbeitet er schon jetzt hin. Weil er Lenzerheide für eine «Fully-Strecke» hält, wird er 2016 auf ein vorne und hinten gefedertes Bike («Full Suspension») umsteigen.

Lenzerheide und Profikarriere

Vitzthum besucht derzeit die Berufsmittelschule (BMS) im Abend-Unterricht. Dazu arbeitet er im Stundenlohn als Mechaniker im Laden seines Teamchefs Christof Bischof in Rorschach: «Das Programm verlangt schon Disziplin, aber das bin ich gewohnt. Ideal ist, dass ich den Arbeitsumfang bei Bischibikes weitgehend selbst bestimmen kann.» Während der Dauer der BMS will er so fortfahren. «Aber mein Ziel ist es schon, mal vom Sport leben zu können.»

Vitzthum weiss, dass das schwierig ist: «Aber es ist sehr wahrscheinlich, dass ich es zumindest versuchen werde.» Das Risiko sei ja sehr überschaubar: «Nach der BMS habe ich eine gute Ausbildung in der Tasche – und finanziell über die Runden zu kommen, ist einfacher, weil ich bei den Eltern wohnen kann.»