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Grenzverlauf ist umstritten

In Vorarlberg gibt es Grenzen, die gar keine sind. Die Ortsgemeinde St. Margrethen kennt deshalb die Fläche ihres Landes nicht genau, obschon es klar begrenzt im Grundbuch eingetragen ist.
Gert Bruderer

ST. MARGRETHEN/HÖCHST. Ortsgemeindepräsident Rolf Künzler wirkt halb belustigt. Die Sache ist ernst, aber nicht schlimm, vor allem ist sie kurios. Im Amtsbericht ist von Schwierigkeiten und einer weitgehend fehlenden amtlichen Vermessung die Rede.

Grenzverlauf umstritten

Die Ortsgemeinde St. Margrethen besitzt im Vorarlbergischen Höchst in zwei Gegenden Boden. Das kleinere Grundstück, knapp fünf Hektaren, ist durch Strasse, Graben und ÖBB-Bahnlinie unmissverständlich begrenzt und bereitet deshalb kein Problem.

Die anderen knapp 13 Hektaren im Gebiet Rümpleren zwingen hingegen zu einer Klärung. Der Grenzverlauf ist umstritten, die Berufung der Ortsgemeinde auf den Grundbucheintrag zwecklos.

Künzler sagt, die Vermessungen auf dem Katasterplan stammten zum Teil aus der Zeit von Maria Theresia. Sie seien unverbindlich.

Ortsverwaltung war erstaunt

Manfred Schneider, ein in der Gegend lebender Landwirt, lächelt, auf die Königin von Ungarn angesprochen. «Ja, genau», sagt Schneider, in ihre Zeit reiche die Grenzziehung zurück, also über 200 Jahre.

Den Ortsverwaltungsrat hat das erstaunt. «Wir hatten stets gedacht, wenn eine Fläche im Grundbuch eingetragen ist, dann stimmt alles bis auf den letzten Quadratmeter», sagt der Präsident.

«Ersessenes» Land

Mit den grossen Maschinen werde Landwirtschaftsland «gern über die angestammten Grenzen» hinweg bearbeitet, heisst es im Amtsbericht der Ortsgemeinde. Geschehe dies widerspruchslos über Jahrzehnte hinweg, «kann im Extremfall die nicht rechtzeitig zurückverlangte Fläche sozusagen ersessen werden». Das heisst, sie wird dem Eigentum des expansiven Nachbarn zugeschlagen.

Erstmals im vorletzten Jahr wurde die Ortsgemeinde auf Unregelmässigkeiten bei der Grenzbewirtschaftung hingewiesen. Verhandlungen mit einem Anstösser hätten sich als «sehr langwierig» erwiesen und würden noch dauern, heisst es im Amtsbericht.

Es geht um ein paar Aren

Die umstrittene Fläche ist etwa so gross wie eine kleinere Parzelle für ein Einfamilienhaus. Weil Landwirtschaftsland nicht teuer ist, geht es um einen Wert von wenigen tausend Franken. Manfred Schneider, der selbst mit der Sache nichts zu tun hat, schätzt den Quadratmeterpreis im Riet bei Höchst auf zehn bis fünfzehn Euro.

Angesichts der insgesamt nicht allzu hohen Summe hielte Künzler es für unverhältnismässig, eine private Firma mit der Vermessung des Landes und der Ausarbeitung eines Vorschlags zu betrauen.

So würde zwar ein Prozess eingeleitet, der den Eintrag festgelegter Grenzen in einen rechtsverbindlichen Grenzkataster brächte.

Doch das wäre teuer – und mit einer Augenscheinverhandlung verknüpft, an der alle Anstösser beteiligt wären.

Gütliche Einigung als Ziel

Derzeit ist die Ortsgemeinde in Kontakt mit den zwei Schweizer Pächtern ihres Landes im Rümpleren, den benachbarten Vorarlberger Bauern sowie den Behörden. Das Ziel sei die Bereinigung und die Festlegung verbindlicher Grenzen, sagt der Ortsgemeindepräsident.

Rolf Künzler hofft, dass sich mit den Beteiligten ein Konsens finden lässt.

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