Grandiose Aufholjagd der Gators

UNIHOCKEY. Die Rheintal Gators Widnau haben die Halbfinals der 1.-Liga-Playoffs erreicht. Im zweiten Spiel besiegten sie den UHC Herisau mit 12:8 (1:6, 5:2, 6:0). Dabei schafften die Gäste das Kunststück, einen 0:6-Rückstand aufzuholen.

Yves Solenthaler
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Gators-Angreifer Klemens Kühnis (Nr. 10) beschäftigt die Herisauer Gegenspieler. Dank einer grossen Willensleistung ziehen Kühnis & Co. in die Playoff-Halbfinals ein. (Bild: Yves Solenthaler)

Gators-Angreifer Klemens Kühnis (Nr. 10) beschäftigt die Herisauer Gegenspieler. Dank einer grossen Willensleistung ziehen Kühnis & Co. in die Playoff-Halbfinals ein. (Bild: Yves Solenthaler)

Der Start ins zweite Playoff-Spiel gegen Herisau – im ersten hatten die Rheintaler 9:8 gewonnen – misslang den Gästen gründlich. Die Gators hatten dem wuchtigen Spiel der Herisauer nichts entgegenzusetzen. Sie liessen Konter zu, gewährten den Gastgebern viel Platz beim Schiessen und räumten im Slot vor dem eigenen Tor vor allem nicht auf. Schon nach 6:04 Minuten lag Herisau 3:0 vorne, bis zur 18. Minute verdoppelten sie das Skore. Der Anschlusstreffer von Andi Rutz kurz darauf schien nicht mehr als Kosmetik zu sein.

Denn das Resultat entsprach auch in dieser Höhe den im ersten Drittel gezeigten Leistungen.

Misslungenes Startdrittel

Trainer Markus Hutter berichtete nach der Partie, dass er und die Spieler noch an die Wende geglaubt hätten. Der spätere dreifache Torschütze Arbnor Papaj gab indessen zu, dass die Stimmung in der Kabine nach diesem Startdrittel sehr bedrückt gewesen sei. Auch die Zuschauer, die im Herisauer Sportzentrum für eine tolle Stimmung sorgten, stellten sich schon darauf ein, dass man sich am nächsten Tag in Widnau zum dritten und entscheidenden Spiel der Playoff-Serie treffen wird.

Zu Beginn des Mitteldrittels wirkten die Rheintaler zwar wacher als im Startabschnitt. Auf eine Wende deutete zunächst aber wenig hin. Die Treffer von Kevin Studach und Klemens Kühnis beantworteten die Ausserrhoder jeweils umgehend mit der Wiederherstellung des Fünf-Tore-Vorsprungs.

Zwei Schlüsselmomente ereigneten sich ungefähr in der Spielmitte: Zuerst wechselten die Gators Torhüter Tino Marugg für Sandro Breu ein. Der Nachwuchs-Nationalgoalie hatte nicht seinen besten Tag erwischt, wurde allerdings gerade im ersten Drittel auch von seinen Vorderleuten schmählich im Stich gelassen. Und vor dem 8:4 durch Arbnor Papaj – er war von Kühnis freigespielt worden – hatte der Herisauer Trainer Roman Bischof ein Foul eines Rheintalers gesehen. Für seine heftige Beschwerde wurde er von den Schiedsrichtern auf die Tribüne geschickt. Die Gators nutzten die vielen Strafen der Gastgeber und ihre aufkommende Nervosität zu zwei weiteren Toren – das 5:8 erzielte Cedric Siegrist, das 6:8 war ein Eigentor eines Herisauers, nachdem er von Papaj angeschossen worden war.

Rückkehr im Mitteldrittel

«Im zweiten Drittel haben wir gezeigt, dass wir dagegenhalten können», freute sich Trainer Hutter. Er hatte nach dem Startdrittel die Linien umgestellt, vor allem das Zusammenspiel der zwei offensiv gefährlichsten Krokodile – Kühnis und Arbnor Papaj – wirkte sich positiv aus. «Das ist das, was ich als Trainer machen kann – und auch machen muss, wenn ich meine Aufgabe ernst nehme», sagte Hutter.

Die Herisauer kamen ab der Spielmitte nur noch vereinzelt zu Chancen, die allesamt von Marugg zunichte gemacht wurden. Der eingewechselte Goalie avancierte zum Matchwinner, denn er musste sich bis zum Schluss nie geschlagen geben. Aber Marugg lobte vor allem seine Vorderleute: «Wir haben eine grossartige Moral bewiesen.»

Klare Sache im letzten Drittel

Im letzten Abschnitt waren die Herisauer ähnlich unterlegen wie die Gators zu Beginn des Spiels. Erneut war es Arbnor Papaj, der die Hoffnungen der Gäste wieder mit Leben füllte: Sein souverän verwandelter Penalty zum 7:8 «gab uns die Gewissheit, dass wir das Spiel drehen können», wie es Hutter sagte. Während die Herisauer zunehmend Mühe bekundeten, die eigenen Nerven im Griff zu halten, gingen die Gators mit zwei Toren in Unterzahl gar 9:8 in Führung. Das war die Entscheidung, die letzten drei Tore zum 12:8 waren Zugabe.

Nach dem Match bejubelten die Rheintaler ausgelassen den Halbfinaleinzug. Sie haben sich die grosse Freude nach dieser grandiosen Aufholjagd wahrlich verdient.

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