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Granatsplitter landeten im Städtli

Die Gedenktafel beim Hotel Hecht in Rheineck war Auslöser dieser Serie. Die Recherche hat Interessantes ergeben, dank Zeitzeugen, Dokumenten und Büchern. Die Bombardierung der deutschen Hafenstadt Friedrichshafen war auch im Rheintal spürbar.
Kurt Latzer

Als 1938 entlang des Alten Rheins die ersten Bunker entstanden, wurde Hans Schwendener in Rheineck geboren. Sein Vater Rudolf leistete Dienst als Zöllner und Grenzwächter, wie ab dem 1. Februar 1940 auch Leonhard Grässli. Beide, Hans als Kind und Leonhard als gut 50-Jähriger, erlebten jene Nächte, in denen auch auf Schweizer Seite die Erde bebte. Immer wieder griffen alliierte Bomberstaffeln deutsche Städte am Bodenseeufer an.

Am 28. April 1944 um Mit­ternacht beschreibt Leonhard Grässli in seinem Buch «Grenzwächter und Zöllner – Erlebtes 1893 – 1974» den heftigsten Bombenangriff am Ufer des Schwäbischen Meeres. «Wie ein grosser Hornissenschwarm nach und von Friedrichshafen, hin und zurück», schreibt Grässli.

Erinnerung an Stanniol, nicht an Granateinschläge

Hans Schwendener kann sich zwar an die vielen grossen Flugzeuge erinnern, die über das Appenzellerland her geflogen kamen, nicht aber an die Granaten, die im Städtli einschlugen. Auch die Stanniolstreifen, die die Bomberbesatzungen abwarfen, um das Radar der deutschen Flie­gerabwehr zu täuschen, blieben Schwendener in Erinnerung.

Im Buch des Grenzwächters ist zu lesen, die Erde in Rheineck habe gebebt, die Fenster des Zollhauses geklirrt.

Und dies trotz der Entfernung von 30 Kilometern zur Zeppelin-Stadt. Gefährlicher als die Druckwellen und die Erschütterungen war die Fliegerabwehr der Deutschen. Die Lichtbündel dutzender Scheinwerfer von Bregenz bis Konstanz hätten ihr Licht im Wasser des Sees und des Alten Rheins in Rheineck reflektieren lassen.

Kurz nach Mitternacht, das Inferno beginnt

«Die deutsche Flab feuert wie rasend leichte Leuchtspurgeschosse ab. Signalraketen in al­-len Farben jagen zu Tausenden in die Höhe», heisst es in Grässlis Buch. Das Dröhnen beim Abfeuern schwerer Granaten, die mit dumpfen Knallen in der Luft krepierten. «Plötzlich ein blendender Widerschein aus dem 30 Kilometer entfernten Friedrichshafen; langsam gehen die Leucht­- bomben an Fallschirmen nieder, weisen den Bomben die Ziele», beschreibt der Zöllner und Grenzwächter den Start des Infernos.

Dröhnen, Bombendetonationen hätten sich mit dem Lärm der Flugabwehr vermischt – 40 Minuten lang. Auch über dem Dach des Rheinecker Zollhauses hätten sich die Scheinwerferkegel der deutschen Fliegerabwehr gekreuzt, schwere Granaten explodierten in der Luft. Sicherheitshalber hätten sich er und andere Leute in die Türrahmen des Zollhauses gestellt, um sich vor he­rabfallenden Splittern zu schützen.

Am anderen Morgen habe man Granateneinschläge am Gebhardsberg, in Walzenhausen und wenige hundert Meter hinter dem Zollhaus festgestellt.

«Friedrichshafen brennt noch immer», schrieb Leonhard Grässli in sein Tagebuch.

Im englischen Radio habe man gemeldet, 1000 Bomber hätten über den Werkhallen in Friedrichshafen und Umgebung 2000 Tonnen schwere Bomben abgeworfen. «Flüsterer von jenseits der Grenze berichten von 4000 bis 5000 Toten und Verwundeten», schrieb Leonhard Grässli in sein Tagebuch.

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