Gott ist nicht geizig

Aus christlicher Sicht

Reinhard Paulzen
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Speziell die Ahorn-Samen haben mich als Kind immer fasziniert, und manchmal faszinieren sie mich heute noch. Dann möchte ich sie hoch in die Luft werfen und ihnen zuschauen, wie sie so richtig genial wie Helikopter zu Boden kreisen. Und das zweite Faszinierende ist die Fülle an kleinen eleganten Ahorn-Samen-Helikoptern, die unter einem einzigen Baum angehäuft ist!

Nur ein kleiner Teil der Masse von Ahorn-Helikoptern fin- det genau die richtige Dosis an Feuchtigkeit, die Sonne und den Boden zum Spriessen. Und nur wenige von diesen Sprösslingen schaffen es dann, dass sie nicht von einem Tier gefressen oder wie Unkraut ausgerissen werden, sondern dass ein prachtvoller Ahorn-Baum aus ihnen wächst.

Bei dieser Fülle an Ahorn-Helikoptern kann man wirklich sagen: Gott, unser Schöpfer ist da wahrhaftig nicht geizig! Er lässt das Leben in Fülle hervorspriessen. Obwohl es nur zwei Samen bräuchte für zwei neue Bäume, gibt es stattdessen ganz viele.

Es ist wie mit der Haushaltsarbeit. Tausend Arbeiten: Spülmaschine ausräumen, Tisch decken, Betten machen, Waschen usw. Kurze Zeit später ist nichts mehr zu sehen von all dem. Ist es nicht eine unnötige Menge an Arbeit? Aber es gibt zwischendurch die Momente, wo ich weiss: Es hat sich gelohnt. Es war richtig und wichtig, dass man sich die ganze Arbeit gemacht hat. Aber auch generell: Hat es sich gelohnt, was wir heute getan haben? Eine riesige Fülle an Arbeiten und Anstrengungen! War das alles sinnvoll?

Und dann kommen uns hoffentlich auch die kurzen, vielleicht wenigen Augenblicke in den Sinn, wo wir sagen, sofort ohne jedes Nachdenken: Doch! Auf jeden Fall! Hundert Prozent! Und diese Momente – in der Regel sind es ja solche, die wir mit anderen geteilt haben –, die strahlen aus. Die geben dem Leben die Würze und den Geschmack! Unser Schöpfer geizt nicht. Er gibt Leben in Fülle! Heute erzählt uns Jesus in unsern Kirchen, dass es mit dem Wort Gottes genauso ist wie beim Aussäen von Samenkörnern. Die einen fallen auf den Weg und werden von den Vögeln gefressen; ein Teil wird von der Sonne versengt und verdorrt, weil er noch keine Wurzeln hat; andere werden von den Dornen erstickt. Nur ein winziger Teil der Saat fällt auf guten Boden. Aber dann bringt er Frucht. Dreissigfach, sechzigfach, hundertfach! Danke Dir, Jesus, für diese Geschichte. Sie zeigt mir einmal mehr: Das Leben ist schön. Die Würze und der Geschmack des Lebens breiten sich aus.

Reinhard Paulzen

Pastoralassistent in Heerbrugg