Goran Kovacevic und seine Räuberbande

150 Besucher verfolgten am Samstagabend in der evangelischen Kirche Berneck den Schurkenstreich von Goran Kovacevic und seinen Kumpanen. Das Publikum liess sich mitnehmen auf die Suche nach der schönsten Musik.

Maya Seiler
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Die Leichtigkeit der vier Profimusiker machte die scheinbar improvisierte – in Wirklichkeit aber perfekt choreografierte – Abfolge der Stücke zu einem umfassenden Vergnügen. (Bild: Maya Seiler)

Die Leichtigkeit der vier Profimusiker machte die scheinbar improvisierte – in Wirklichkeit aber perfekt choreografierte – Abfolge der Stücke zu einem umfassenden Vergnügen. (Bild: Maya Seiler)

BERNECK. Natürlich ist Goran Kovacevic im Kulturforum längst kein Unbekannter mehr: Zum Auftritt passend bezeichnete er sich als Wiederholungstäter. Im diesjährigen Programm überraschte er mit seiner Knast-Truppe «Die Schurken» und geklauten Musikstücken aus allen Stilrichtungen und Weltgegenden. Der Auftritt der vier Schurken war nicht nur musikalisch ein Genuss, sondern auch theatralisch hoch vergnüglich. Zuerst schlurfte Arrabiata alias Stefan Dünser mit seiner Trompete auf die Bühne. Er erklärte den erstaunten Besuchern, er und seine Kumpanen hätten am Sonntag einen Konzertauftritt in der Tonhalle St. Gallen.

Tickets für Hauptprobe

Da die Geldmittel knapp seien, reiche es nur für eine einzige Probe, und diese habe man an das Kulturforum verkauft. Einer nach dem andern trudelten die Schurken ein, jeder mit einem Bündel Notenblätter. Calzone alias Martin Deuring stimmte den Bass; Diavolo, auch bekannt als Goran Kovacevic, befingerte sein Akkordeon, Martin Schelling, genannt Mozzarella, spielte ein paar Läufe auf der Klarinette. Alles mündete in einem Stück des türkischen Komponisten Murat Üstün. Dann einigte man sich, das Konzert mit einer Ouvertüre zu beginnen. Diese war der Auftakt zur Odyssee durch die Musikgeschichte. Jeder Schurke verlangte energisch, dass sein Lieblingskomponist gespielt werden solle. Calzone schwärmte von Henry Purcell; zur Einstimmung auf den englischen Komponisten verteilte er «After Eight».

Von Barock bis Weltmusik

Nach barocken Tänzen glitten Kontrabass und Akkordeon in die Sphärenklänge von Eric Satie. Gelangweilt verfielen die beiden Bläser dem Schlaf. Die Suche nach der schönsten Musik führte zu Bach, de Falla, Bottesini, Piazzolla, aber auch zu Volksmusik aus aller Welt. Die gespielte Leichtigkeit der vier Profimusiker machte die scheinbar improvisierte – in Wirklichkeit aber perfekt choreografierte – Abfolge der Stücke zu einem umfassenden Vergnügen. Schwarze Brillen, Goldketten und -uhren; Calzone mit Ringen an jedem Finger, eine Zigarette hinterm Ohr, Diavolo im schwarzen Ledermantel: Auch optisch passten die Schurken bestens ins Bild der Italo-Knastbrüder. Zwischendurch stärkten sie sich aus dem Flachmann, tippten auf dem Handy, stritten über die schönste Musik.

Nach der Pause kam Diavolo herein, das Handy am Ohr, am andern Ende der Leitung der Carnegie-Hall-Manager, der Kovacevic für ein Bachkonzert verpflichten wollte. Die Frage war einzig, ob man Bachs Goldberg-Variationen auf dem Akkordeon spielen könne. Kovacevic nutzte die Gelegenheit, allein auf der Bühne zu üben. Als die restliche Bande erschien, fiel sie gleich mit der 1. Variation ein.

Zugaben nach Standing Ovation

Auch den Schlusspunkt setzte ein Handy-Anruf: Man teilte den Musikern mit, ihr Auftritt in der Tonhalle sei abgesagt, worauf sie empört in der Sakristei verschwanden. Durch die Standing Ovation des Bernecker Publikums liessen sie sich aber zu mehreren Zugaben hinreissen.