Goldene Räbi für Kesselbächler-Gründer

ALTSTÄTTEN. Erstmals ehrte die Guggenmusik Räbafäger drei verdiente Fasnächtler. Erste Träger des «Goldenen Räbis» sind Pesche Mathys, Roman Thurnherr und Chrigel Blaser, die Väter der Guggenmusik Kesselbächler. Auch eine Fasnachtszeitung, die «11 Minuten», veröffentlichten die Räbafäger erstmals.

Max Tinner
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Mathias Keel verteilt die «11 Minuten» der Räbafäger.

Mathias Keel verteilt die «11 Minuten» der Räbafäger.

Ehre, wem Ehre gebührt. Dem wird während der Fasnacht vielerorts nachgelebt. Jetzt auch in Altstätten. Die Guggenmusik Räbafäger verlieh gestern erstmals den Goldenen Räbi für ausserordentliche Verdienste um die Fasnacht.

Die vergessene Guggenmusik

Ausgezeichnet wurden Pesche Mathys, Roman Thurnherr und Chrigel Blaser, die vor bald 40 Jahren die Kesselbächler gegründet haben – die Guggenmusik, an die kaum jemand denkt, wenn von Altstätter Guggenmusiken die Rede ist, die aber nach Jahrzehnten noch immer besteht.

So neu wie der Goldene Räbi sind auch die «11 Minuten». Diesen Titel gaben die Räbafäger ihrer Fasnachtszeitung, die sie gestern erstmals herausgegeben haben. Fiel die Laudatio für die drei Preisträger gestern in der Marktgasse eher knapp aus – damit mehr Zeit zum Festen bleibt – ist in den «11 Minuten» ausführlich nachzulesen, weshalb die Räbafäger gerade Mathys, Thurnherr und Blaser für auszeichnungswürdig halten.

Bei den Kesselbächlern hätten schon weit über 300 Fasnachtsmusikanten mitgeblasen und mitgetrommelt, solche aus Österreich, Deutschland, Frankreich und Belgien. «Die Kesselbächler sind internationaler als alle anderen Rheintaler Guggenmusiken zusammen», wird in den «11 Minuten» festgehalten.

Die Kesselbächler seien auch schon Schmiede für so manchen Räbafäger gewesen, ergänzte Laudator Marco Kehl gestern dankend. Die grosse Konstante der Kesselbächler seien Mathys, Thurnherr und Blaser. Die drei seien immer dabei gewesen. «Immer!», wird in der Fasnachtszeitung mit Nachdruck betont.

Zusammen mit den drei Fasnachtsmusikanten wurde in Abwesenheit auch Pesche Mathys' Frau Heidi geehrt. Sie habe die drei erst dazu gebracht, sich als Kesselbächler zusammenzutun – und später habe sie als direkte Konsequenz daraus auch immer wieder temporär heimatlos gewordene Fasnächtler beherbergt.

Urtümlich

An der Fasnacht 1977 seien die Kesselbächler zum ersten Mal losgezogen – ausgerüstet mit selbst gebastelten Instrumenten und einer ganzen Schar grosser und kleiner Fasnächtler hinter sich. Die Kesselbächler klangen damals schräg und urtümlich. Und sie tun dies noch heute. «Sie sind die vielleicht letzten Vertreter einer alten, schlichten Guggenkultur», würdigte Laudator Marco Kehl.

Viel Abwechslung dürfe man von den Kesselbächlern allerdings nicht erwarten, weder optisch noch akustisch, heisst es in den «11 Minuten». Sie würden seit schier 40 Jahren die immer selben zwei Lieder spielen, plus noch etwa drei weitere, die mit der Zeit dazugekommen seien. «Aber sie tun es mit einer Leidenschaft und Hingabe, dass den Leuten vor Rührung die Tränen kommen.»

Politisches Fasnachtsgewissen

Aus den «11 Minuten» erfährt man weiter, dass die Kesselbächler auch fasnächtliches Gewissen zeigten, als sie einmal wegen eines rassistischen Motivs an einem Umzug aufbegehrten. Dafür wurde dann von den Organisatoren der Altstätter Strassenfasnacht eine einjährige Umzugssperre ausgesprochen – nicht gegen die Gruppe, die sich im Sujet vertan hat, sondern gegen die Kesselbächler.

Für die Räbafäger sind die Kesselbächler Vorbilder. Was sie mit der Verleihung des ersten Goldenen Räbis auch zum Ausdruck brachten. Die Preisverleihung fand gestern im Rahmen eines neuen Fasnachtsanlasses am Schmutzigen Donnerstag statt, dem «Gugge, Glanz und Gloria», zu dem die Räbafäger künftig jährlich einladen werden.

Die Urväter der Kesselbächler freuen sich sichtlich über die Ehrung, von links: Pesche Mathys, Roman Thurnherr, Chrigel Blaser. (Bilder: Max Tinner)

Die Urväter der Kesselbächler freuen sich sichtlich über die Ehrung, von links: Pesche Mathys, Roman Thurnherr, Chrigel Blaser. (Bilder: Max Tinner)

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