Gold als «Krisenwährung» in turbulenten Zeiten

Noch im Dezember haben sich die Rohstoffmärkte in Ausverkaufsstimmung befunden. Durch die erste Leitzinserhöhung der US-Notenbank seit acht Jahren erfuhr besonders Gold eine Abstrafung. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat sich das Edelmetall allerdings um fast 25 Prozent erholt.

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Noch im Dezember haben sich die Rohstoffmärkte in Ausverkaufsstimmung befunden. Durch die erste Leitzinserhöhung der US-Notenbank seit acht Jahren erfuhr besonders Gold eine Abstrafung. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat sich das Edelmetall allerdings um fast 25 Prozent erholt. Damit kann Gold auf die stärkste Halbjahresbilanz seit 1990 zurückblicken.

Unzenpreis geklettert

Das Sprichwort «Todgesagte leben länger» gilt auch an den Rohstoffmärkten. Im Zuge der ersten Leitzinsanhebung durch die amerikanische Zentralbank seit Ausbruch der Finanzkrise fiel der Preis für eine Unze Gold im Dezember 2015 vorübergehend auf 1046 US-Dollar. So tief notierte das Edelmetall letztmals im Februar 2010. Nicht wenige Banken rechneten sogar mit einem Rückschlag in den dreistelligen Kursbereich. Allen Unkenrufen zum Trotz hat das Gold seither deutlich Boden gutgemacht. Alleine in der ersten Hälfte dieses Jahres kletterte der Unzenpreis um nahezu 25 Prozent auf 1326 Dollar. Man muss schon weit in die Vergangenheit zurückgehen, besser gesagt ins Jahr 1990, um auf einen vergleichbaren Preisanstieg zu stossen. Verwerfungen an den Finanzmärkten und Sorgen um die Weltwirtschaft haben dem Edelmetall gleich im doppelten Sinn geholfen: Zum einen suchten Anlegerinnen und Anleger aufgrund der Finanzmarktturbulenzen Schutz im Gold. Zum anderen profitierte es von seiner Wechselwirkung zum Dollar. Steigt der Greenback, verliert das Edelmetall – und umgekehrt. Gold wird gerne zum Kaufkrafterhalt gehalten.

Leitzinserhöhungen vom Tisch

Sah es bis vor wenigen Monaten noch nach weiteren Zinsschritten durch die US-Notenbank aus, hat die Wahrscheinlichkeit solcher seither spürbar nachgelassen. Das setzt dem Dollar zu. Denn eine tiefere Verzinsung schmälert die Attraktivität einer Währung erheblich. Von dieser Seite her ist nicht mehr länger mit einem festeren Greenback zu rechnen, was dem Gold helfen sollte. Kommt dazu, dass das Edelmetall selber keinen Ertrag abwirft und tiefe Zinsen auch deshalb einen stützenden Effekt auf die Goldpreisentwicklung haben sollten.

Edelmetall bleibt gefragt

Die letzten Wochen haben gezeigt, dass Gold seiner Rolle als «Krisenwährung» in turbulenten Zeiten durchaus gerecht wird. Da wir angesichts der Ungewissheiten bezüglich des weiteren Brexit-Prozesses, globaler Wachstumssorgen sowie anhaltender alternierenden Unsicherheiten von andauernder Unruhe an den Märkten ausgehen, dürfte das Edelmetall gefragt bleiben.