«Gislers Filme setzten Massstäbe»

HEERBRUGG. Mehrere Filme Marcel Gislers wurden an Filmfestivals auf der ganzen Welt gezeigt und sind mit renommierten Preisen ausgezeichnet worden. Gestern wurde dem Altstätter Filmschaffenden im Kino Madlen der Goldige Törgga, der Anerkennungspreis der Rheintaler Kulturstiftung, überreicht.

Max Tinner
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Für sein nachhaltiges künstlerisches Schaffen, für die überregionale Ausstrahlung seiner Werke, für seinen Mut und seine Innovationskraft: Christa Köppel zeichnet Marcel Gisler mit dem Goldiga Törgga aus. (Bilder: Max Tinner)

Für sein nachhaltiges künstlerisches Schaffen, für die überregionale Ausstrahlung seiner Werke, für seinen Mut und seine Innovationskraft: Christa Köppel zeichnet Marcel Gisler mit dem Goldiga Törgga aus. (Bilder: Max Tinner)

HEERBRUGG. Einen passenderen Ort für die Verleihung des Goldigen Törgga an Marcel Gisler als das Kino Madlen hätte die Kulturstiftung gar nicht wählen können. Der in Altstätten aufgewachsene Filmschaffende hat wenige Hundert Meter weiter die Kantonsschule besucht. Lehrer Theo Scherrer habe Filmabende im Kino angeboten, erzählte Gisler. Angeschaut hat man nicht Mainstream-Blockbuster, sondern Filme mit künstlerischem Anspruch: Autorenfilme, welche ausgeprägt die Handschrift des Regisseurs tragen. Er erinnere sich noch gut, wie er mit weit aufgerissenen Augen Stanley Kubricks «2001 – Odyssee im Weltraum» in sich hinein gesogen habe, sagte Gisler. Der Schulkollege neben ihm sei eingeschlafen. Ihm hingegen sei klar geworden, dass er selbst Filme machen will.

Den Menschen zugeneigt

David Streiff, früherer Direktor des Filmfestivals von Locarno und des Bundesamtes für Kultur, würdigte gestern das bisherige Filmschaffen des Altstätters. Gisler verstehe sich nicht als Erzeuger audiovisueller Produkte, sondern als Autorenfilmer. Schon sein erstes Werk, «Tagediebe» habe Massstäbe gesetzt. Der Film wurde 1985 in Locarno mit einem Silbernen Leoparden ausgezeichnet. Es sollte nicht der letzte Leopard bleiben, und auch weitere Auszeichnungen wurden Gisler zuteil. Was alle seine Filme auszeichne, sei die Zuneigung zu den Menschen, stellte David Streiff fest. Die «Tagediebe» habe Gisler 25-jährig mit bescheidenem Budget realisiert.

Ans Ziel glauben

Gisler habe eben von seinen Eltern gelernt, mit wenig zufrieden zu sein, aber an seine Ziele zu glauben, meinte Streiff. Vom Vater habe er Überlebensstrategien gelernt und den Hunger nach Wissen geerbt, von der Mutter habe er die Neugierde auf Neues und die Freude am Reisen. Als Kind habe Gisler Schulkameraden als Zauberer und Puppenspieler unterhalten. Später schrieb er Theaterstücke für die Schultheatergruppe.

Eines dieser Stücke sei so gewagt gewesen, dass die Schulleitung die Aufführung verboten habe. Gewagt wäre zu jener Zeit auch so manche Szene aus seinen späteren Filmen gewesen: Gisler habe seine Homosexualität schon früh als selbstverständlichen Teil seines Lebens empfunden, erklärte Streiff. Dies komme auch in den autobiographisch geprägten Filmen zum Ausdruck, wie zuletzt in «Rosie». Der Film ist zu weiten Teilen in Altstätten entstanden. «Für Gisler ist es ein Glück, dass man ihn hier mit offenen Armen empfangen und man ihm Drehorte zur Verfügung gestellt hat», stellte David Streiff fest. «Dass das Rheintal nun Marcel Gisler ehrt, ehrt auch jene, die ihn für den Kulturpreis ausersehen haben.»

Die Preisverleihung wurde mit Musik von Andi Loser und Marc Pauli umrahmt. Etwas später am Abend zeigte das Kino Madlen Marcel Gisler zu Ehren dessen jüngsten Film, «Rosie».

www.rheintalerkulturstiftung.ch

David Streiff, früherer Direktor des Filmfestivals von Locarno, würdigt Marcel Gislers Filmschaffen.

David Streiff, früherer Direktor des Filmfestivals von Locarno, würdigt Marcel Gislers Filmschaffen.

Auch Regierungsrat und kantonaler Kulturdirektor Martin Klöti gratuliert Gisler.

Auch Regierungsrat und kantonaler Kulturdirektor Martin Klöti gratuliert Gisler.

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