Geopolitische Unsicherheiten lassen den Ölpreis steigen

Im Irak sind sunnitische Kämpfer auf dem Vormarsch. Da mittlerweile auch die beiden grössten Ölraffinerien des Landes unter ihrer Kontrolle sind, lässt die Angst vor einer Verknappung des Angebots den Ölpreis nach oben klettern.

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Im Irak sind sunnitische Kämpfer auf dem Vormarsch. Da mittlerweile auch die beiden grössten Ölraffinerien des Landes unter ihrer Kontrolle sind, lässt die Angst vor einer Verknappung des Angebots den Ölpreis nach oben klettern.

Noch bis vor wenigen Wochen zeigten sich die Rohstoffmärkte weitestgehend unbeeindruckt von der Krise auf der Krim-Halbinsel. Obschon der Ukraine beim Erdöl und Erdgas eine riesige Bedeutung als Transitland zugeschrieben wird, fiel der Ölpreis Anfang April vorübergehend sogar. Seither zeigt die Preisentwicklung bei der Sorte Brent Crude klar nach oben. Aktuell steht er bei knapp 114 Dollar je Fass und damit gut drei Prozent über dem Stand von Anfang Jahr.

Ein weiterer Brandherd

Seit wenigen Tagen ist die Liste der geopolitischen Brandherde allerdings um einen Namen reicher: Im Irak haben sunnitische Kämpfer der Terrorgruppe «Islamischer Staat im Irak und Syrien» (ISIS) bereits mehrere strategisch wichtige Städte unter ihre Kontrolle gebracht, darunter auch die beiden grössten Ölraffinerien des Landes. Noch ist der für die Ölproduktion wichtige Süden des Landes allerdings verschont geblieben.

Im Irak werden täglich knapp 3,3 Millionen Fass Rohöl gefördert. Dies entspricht vier Prozent der weltweiten Ölproduktion und gut zehn Prozent der Produktion aller Opec-Länder. Damit ist der Irak in diesem Verbund die zweitgrösste Ölfördernation nach Saudi-Arabien. Sollte die Eskalation im Irak auf Nachbarländer übergreifen oder zu einer Destabilisierung der ganzen Region führen, sind grössere Produktionsausfälle nicht auszuschliessen.

In der Schweiz liegt der Anteil der Energiekosten schon seit Jahren bei rund sechs Prozent des Bruttoinlandprodukts. Davon entfällt gut ein Viertel auf Erdölbrennstoffe und Gas. Dieser Anteil ist schon seit Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten, rückläufig. Anders als in den Siebzigerjahren würden sich die Auswirkungen eines Ölpreis-Schocks auf die Wirtschaft diesmal in Grenzen halten. Kommt dazu, dass geopolitische Einflüsse an den Finanzmärkten für gewöhnlich nur von kurzer Dauer sind.

Die kommende Woche

Nächste Woche legen Carlo Gavazzi und New Value ihre Ergebnisse vor. Konjunkturseitig stehen u. a. die Zahlungsbilanz und Angaben zum Auslandvermögen zum Ende des ersten Quartals sowie die Aussenhandelsstatistik für Mai an.

In den USA liegt das Hauptaugenmerk auf der Veränderung des Bruttoinlandprodukts im ersten Quartal sowie auf dem Konsumentenvertrauensindex der Universität von Michigan für den Monat Juni. (pd)

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