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Gemeinsam durchs Leben gerannt

Mario Ammann aus Berneck ist der Mann, der den Orientierungslauf im Rheintal populär machte.
Interview: Gerhard Huber
Monika und Mario Ammann sind aktive Orientierungsläufer – und zwar vor und hinter der Kulisse. (Bild: Ulrike Huber)

Monika und Mario Ammann sind aktive Orientierungsläufer – und zwar vor und hinter der Kulisse. (Bild: Ulrike Huber)

Jeder Rheintaler Sportfreund kennt die Dorf-Orientierungsläufe, die jährlich im Rahmen des Rheintaler OL-Cups stattfinden. In unserer Region muss man nicht lange erklären, worum es dabei geht. Dass jeder Läufer kurz vor dem Start eine spezielle Strassenkarte ohne Namensbezeichnungen in die Hand gedrückt bekommt, auf der die einzelnen Posten eingezeichnet sind, die in der vom Streckenplaner bestimmten Reihenfolge anzulaufen sind.

Mario Ammann: «Der Orientierungslauf hat sich im Wesentlichen mit Karte, Kompass und Postenkontrolle über alle Jahre nicht verändert. Es gab natürlich Entwicklungen, insbesondere bei den Karten. Es sind auch neue Disziplinen entstanden. Bis vor zwanzig Jahren ist man noch hauptsächlich im Wald gelaufen, die Strecken waren länger und die Karten hatten einen anderen Massstab. Zehn Zentimeter auf der Karte bedeuteten einen Kilometer, bei den Dorf-OL sind zehn Zentimeter in der Realität zweieinhalb Kilometer. Und damals wurde an den verschiedenen Posten, die gesucht und gefunden werden mussten, die Stempelkarte mit der Lochzange gelocht. Es war ein riesiger Fortschritt, als vor rund zwanzig Jahren die elektronische Stempelung und Erfassung der Zeiten eingeführt wurde.»

Ursprünglich kam diese Sportdisziplin aus Skandinavien. Wirklich bekannt wurde das Orientierungslaufen erst, als man die Rennen aus den Wäldern vermehrt in städtische Parks oder Gemeinden verlegte. Also nicht mehr im dunklen Wald Zwerge und Elfen jagte, sondern vor den Augen von Zuschauern den Weg durch den Strassen- und Gassendschungel der Städte und Dörfer suchen musste. Wichtig waren die neuen Disziplinen. Denn lange Zeit gab es bei der WM «nur» den Einzellauf über etwa neunzig Minuten sowie die Staffel.

Ammann: «Dann kam als erste Erweiterung die heutige Mitteldistanz. Mittlerweile gibt es auch den «Sprint» und eine Mixed-Staffel. Bei der Weltmeisterschaft in Rapperswil-Jona 2003, wo ich auch als Vizepräsident des Organisationskomitees mitwirken durfte, wurden erstmals auch Medaillen im Sprint vergeben. Das war ein absolutes Highlight als Funktionär. Die Wettkämpfe waren über die Woche in der Region verteilt. Ein grosses Erlebnis, wenn man so etwas mittragen kann. Und eine grosse Befriedigung, wenn am Schluss alles bestens gepasst hat.»

Erst mit 16 Jahren hat Mario Ammann Anfang der Siebzigerjahre mit seinem geliebten Sport begonnen. Er kam aus einer eher unsportlichen Widnauer Familie, obwohl der Vater, wie es sich in Widnau so gehörte, bei der Männerriege Hobbyfaustball gespielt hat. Die wirklich grossen Erfolge wollten Ammann zunächst nicht gelingen. Erst im Alter von über 45 Jahren erlief er seine grossen sportlichen Triumphe. So gelangen ihm alleine in den letzten Jahren im Einzel bei den Schweizer Meisterschaften in seiner Altersklasse erste, zweite und dritte Ränge sowohl im Sprint als auch über die lange Distanz.

Ammann: «Es gibt in so einer Sportkarriere aber nicht nur Höhepunkte. Dann und wann passierte es, dass ich einen falschen Posten gestempelt habe und nicht klassiert wurde. Mein schlimmstes Erlebnis war aber 1977 im Vallée de Joux. Ausgerechnet im Staffellauf. Wir lagen in Führung und ich befand mich schon nahe beim Ziel, von wo ich bereits den Lautsprecher gehört habe. Doch ich habe den zweitletzten Posten nicht und nicht gefunden und damit natürlich eine gute Platzierung vergeben. Da bist du dann schon am Boden zerschmettert. Oder 1976 in Schweden, wo ich beim Fünf-Tage-OL der Junioren-Elite gestartet bin. Da habe ich zwar alle Läufe korrekt absolviert, war aber von der Zeit her der Schlechteste. Das war schon brutal schwierig. Apropos Skandinavien: Da hatte meine Gattin Monika einmal ein sehr schönes Erlebnis, als sie während eines Wettkampfs einem leibhaftigen Elch gegenübergestanden ist.»

Auch «seine» Monika hat Mario Ammann natürlich beim Orientierungslauf kennen- und später lieben gelernt. Zum ersten Mal traf man sich im September 1974 beim Einzel-OL in Schaffhausen. Als Vereinsmitglieder gab es dann zwar zahlreiche Kontakte. So richtig kennen gelernt haben sich die beiden erst zwei Jahre später. Doch es sollte eine Verbindung fürs Leben werden. Denn die Interessen der beiden decken sich perfekt. Laufen und musizieren.

Ammann: «Wir haben dann 1981 geheiratet. Unsere drei Kinder sind inzwischen erwachsen, natürlich laufen sie alle, haben zum Teil an Europameisterschaften und Junioren-Weltmeisterschaften teilgenommen. Nur unsere zwei Enkel sind noch zu klein, um mitzulaufen. Meine Frau hat als Orientierungsläuferin schon vier WM-Medaillen erreicht. Zwei erste und zwei dritte Plätze stehen in ihrem Palmares. Man kann wirklich sagen, wir rennen gemeinsam durchs Leben. Und neben dem OL verbindet uns auch die Musik, unsere zweite grosse Liebe. Monika spielt Klarinette und ich war mit dem Es-Horn beim Musikverein Berneck dabei. Zweitweise haben wir mit den Kindern dort sogar zu fünft musiziert. Wir lieben gesunde gutbürgerliche Küche und eine Flasche guten Weins.»

Wobei Monika Ammann bei der jüngst stattgefundenen Senioren-WM in der lettischen Hauptstadt Riga die nächste WM-Goldmedaille errungen hätte. Doch der Lauf ihrer Kategorie W60A, den sie fehlerlos und mit der Bestzeit absolviert hatte, wurde aufgrund eines Fehlers der Veranstalter nicht gewertet. Mit seiner Gattin Monika zusammen hat Mario Ammann 2003 den Grundstein für die Popularität der Randsportart Orientierungslauf im Rheintal gelegt. Der Rheintaler OL-Cup als «OL für Jedermann» oder «OL für Alle» wurde lanciert und über mehrere Jahre mit der Unterstützung der Kollegen der OLG St. Gallen/Appenzell kontinuierlich aufgebaut.

Ammann: «Nach 65 durchgeführten Dorf-Orientierungsläufen in zehn Jahren hat dann 2013 eine Sechsergruppe mit Erwin Wälter an der Spitze die Organisation des Rheintaler OL-Cups übernommen. Keine Angst, mir wurde nicht langweilig. Ich habe mich immer schon, wo möglich und sinnvoll, neben meinem Beruf für die Gemeinschaft engagiert. Ich war auch als Kantonsrat und in verschiedenen Vorstandsfunktionen in den Vereinen tätig. Und früher schon und wieder seit 2015 an der Bernecker Fasnacht als Schnitzelbänkler in der Gruppe Bäredräck. Ich habe immer Ideen gehabt, etwas zu machen, würde mich selbst aber nicht als Macher bezeichnen. Ich will weiterhin initiativ bleiben und wünsche mir, dass die Leute generell die Angebote nutzen und mitmachen. Das ist ein Zeichen für die Wertschätzung der ehrenamtlichen Tätigkeit.»

Wie lange die Sportkarriere des 63-jährigen Ammann als aktiver Orientierungsläufer noch dauern wird?

Ammann: «Solange ich gesund bleibe und keine Probleme habe, werde ich weiterlaufen. Es gibt beim OL Altersklassen, aber keine Altersbegrenzung. In der Schweiz starten die ältesten Sportler in der Kategorie H80. Die Liste der Aktiven enthält immer noch vierzig Namen. Im letzten Jahr war in Dänemark sogar ein Hundertjähriger gemeldet, er ist dann aber leider nicht gestartet. Jetzt in Lettland bei der Senioren-WM waren die Ältesten «nur» zwischen 90 und 94 Jahren. Es ist dann einfach toll, wenn diese Leute bei den Seniorenmeisterschaften ins Ziel kommen und vom Publikum als Referenzerweisung mit Applaus begrüsst werden. Denn ihre Leistungen verdienen grossen Respekt.»

Das lässt doch vermuten, dass Mario Ammann zusammen mit seiner Gattin Monika noch lange anzutreffen sein werden. Dass die beiden noch lange zusammen durchs Leben rennen werden.

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