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Gelbbauchunke im Betonabwasser

DIEPOLDSAU. Der Verein Balger Natur hat das Kieswerk Sigmund Sieber am Alten Rhein erkundet. Dort leben die unterschiedlichsten Tiere. Das Diepoldsauer Unternehmen tut viel dafür, dass diese sich wohl fühlen.
Wo hohe Tannen Schatten warfen, bieten heute sonnige Kiestümpel ideale Lebensräume für Amphibien – Hansjörg Sieber, 5. v. r. (Bilder: js)

Wo hohe Tannen Schatten warfen, bieten heute sonnige Kiestümpel ideale Lebensräume für Amphibien – Hansjörg Sieber, 5. v. r. (Bilder: js)

DIEPOLDSAU. Das Kies- und Fertigbetonwerk Sigmund Sieber AG – einst ein rotes Tuch für Umweltschützer – bietet heute wertvolle Lebensräume für eine Vielzahl von Amphibien und Kleingetier. Mitinhaber Hansjörg Sieber führte den Verein Balger Natur durchs Industrieareal, zeigte die Renaturierungsmassnahmen und warf zwischendurch den einen oder anderen Blick zurück.

Gegründet wurde das Unternehmen 1934 von seinem Vater Sigmund Sieber mitten im alten Rheinbett. Der Rhein war kurz zuvor ins neue Flussbett geleitet und der Alte Rhein zum Kiesabbau freigegeben worden. Noch schürfte und siebte der 17-jährige Unternehmensgründer den Kies von Hand. Später stellte er Tagelöhner ein und liess seine Rollwagen von Pferden ziehen. In den Sechzigerjahren baute Sieber auf sechs Hektaren Fläche ein Fertigbetonwerk. Schwimmbagger dominierten die Wasserlandschaft an der Landesgrenze. Gebaggert wurde bis 18 Meter Tiefe, für die Grenze blieb ein schmaler Landstreifen frei. Noch sprach kein Mensch von Umweltschutz.

Zum Buhmann mutiert

In den Siebzigerjahren drehte der Wind. Umweltschützer stemmten sich gegen weitere Kiesentnahmen und forderten den Abbau von Kieshütten und Schwimmbaggern am Alten Rhein. Sigmund Sieber war zum Buhmann mutiert. «Dabei liebte er die Natur, wenn sie ihm nicht im Weg war», sagt sein Sohn. Als langjähriges Vorstandsmitglied des Vereins Balger Natur hegt Hansjörg Sieber aus Überzeugung, was kreucht und fleucht. Während sein Vater das Gelände mit Tannen und Thujen begrenzt hatte, liess der Sohn vor drei Jahren auf Empfehlung von Umweltfachleuten einen Grossteil der ortsfremden Gehölze fällen, um Licht ins Areal zu bringen. Und plötzlich sah auch er sich mit Kritik konfrontiert: «Sie haben mich fast geteert und gefedert.» Bäume fällen kann der Natur auch nützen. Diese Erkenntnis habe sich noch nicht überall durchgesetzt.

Wo hohe Tannen Schatten warfen, bieten frisch angelegte, sonnige Kiestümpel ideale Lebensräume für die vom Aussterben bedrohte Gelbbauchunke. Die Pionierart vermehrt sich nur dort, wo sich keine Fressfeinde wie Libellenlarven und Teichmolche angesiedelt haben. Und so wird Sieber hier alle zwei Jahre das Wasser auslaufen lassen. Ganz besonders wohl fühlt sich die unscheinbare Unke mit dem giftgelben Bauch dort, wo man die seltene Art keinesfalls erwartet hätte, und zwar im trüben Becken hinter der Einstellhalle. Im alkalischen Betonabwasser, das nach dem Reinigen der Plattenmaschine anfällt, dümpeln gegen 20 Gelbbauchunken in der Maisonne. Wo keine andere Art gedeiht, haben sie ihre Laichschnüre um den Wasserschachtelhalm gewickelt.

Dynamik erhalten

Auf dem Kieswerkareal leben Füchse, Wasserfrösche, Kröten, Teichmolche und mit ihnen eine Vielzahl von Arten. Aufgeschichtetes Holz, Sand- und Steinhaufen bieten Unterschlupf für Eidechsen und Ringelnattern. Für den Laubfrosch hat Sieber einen speziellen Wiesenteich angelegt, doch hat er dieses Jahr sein charakteristisches Quaken noch nicht vernommen. Umso lauter machen sich die Wasserfrösche beim grossen Teich bemerkbar, aus dem das Wasser zum Kieswaschen gepumpt und nach dem Filtern zurückgeführt wird. Die kleineren Gewässer lässt Sieber regelmässig ausbaggern, damit die Dynamik erhalten bleibt, und Pionierarten neue Lebensräume finden. Industrie und Umweltschutz müssen sich nicht ausschliessen: «Platz ist genug da», sagt der Geschäftsführer der Kies- und Fertigbetonwerke lakonisch, «und die Maschinen haben wir auch.» (js)

www.balger-natur.ch www.sieber-diepoldsau.ch

Die Gelbbauchunke hat ihren Laich am Wasserschachtelhalm befestigt.

Die Gelbbauchunke hat ihren Laich am Wasserschachtelhalm befestigt.

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