Gelassen laufen – wegrennen

Die Erwartungen sind hoch – beim 34. Rhylauf morgen Sonntag in Oberriet werden an die 550 Läufer und Läuferinnen sowie 400 Schüler erwartet. Es ist unheimlich staunenswert, wie die Langstreckenlauf-Bewegung in den letzten Jahren an Popularität zugenommen hat.

Gabi Ceric, Pfarreibeauftragte In Oberriet
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Der Priester und Journalist des steirischen Sonntagsblattes, Alfred Jokesch, unterscheidet, ob man läuft oder rennt. (Bild: Shutterstock)

Der Priester und Journalist des steirischen Sonntagsblattes, Alfred Jokesch, unterscheidet, ob man läuft oder rennt. (Bild: Shutterstock)

Die Erwartungen sind hoch – beim 34. Rhylauf morgen Sonntag in Oberriet werden an die 550 Läufer und Läuferinnen sowie 400 Schüler erwartet. Es ist unheimlich staunenswert, wie die Langstreckenlauf-Bewegung in den letzten Jahren an Popularität zugenommen hat. Beim Strongman Run in Thun konnte man unlängst unter Beweis stellen, dass man auch unter härtesten Bedingungen (Schlamm) die Distanz zu meistern in der Lage ist – und dabei viel Spass hat.

Sie rennen – oder laufen sie? Der Priester und Journalist des steirischen Sonntagsblattes, Alfred Jokesch, unterscheidet dies: «Es gibt Menschen, die rennen, und es gibt Menschen, die laufen. Das sei kein grosser Unterschied, werden manche einwenden. Das ist ganz etwas anderes, meine ich. Die einen rennen bis zur Besinnungslosigkeit. Die anderen laufen zur Besinnung. Die einen rennen gegen die Uhr. Die anderen laufen, um Zeit für sich zu finden. Die einen rennen um ihr Leben. Die anderen laufen, um zu leben und zu erleben. Die einen rennen sich die Seele aus dem Leib. Die anderen laufen, um Leib und Seele in Einklang zu bringen. Die einen rennen an gegen den Streckenrekord, gegen die persönliche Bestmarke, gegen die Kontrahenten. Die anderen laufen mit Gelassenheit, mit langem Atem, mit Freunden. Die einen rennen weg vor manchen Problemen, vor einem Konflikt, vor ihrer Schuld. Die anderen laufen zu auf den Menschen, der mit ihnen unterwegs ist, auf eine Lösung, auf ein Ziel. Beim Rennen gibt es einen Sieger. Beim Laufen gibt es nur Gewinner. Es gibt eine Zeit zum Rennen, und es gibt eine Zeit zum Laufen. Alles hat seine Stunde.» (Alfred Jokesch)

Im Blick auf die Fastenzeit befinden wir uns wohl eher in einer Zeit des Laufens. Nicht mehr lange, und die heilige Zeit mit dem Osterfest steht vor der Tür. Wie für einen Marathon, braucht es auch hier eine gewisse Vorbereitung, die sowohl körperlich durch Fasten oder auch mental sein kann. Wo sind meine Grenzen? Wo wünsche ich mir für mein Leben einen Neustart?

Wie beim Rhylauf braucht es auch in unserem Leben am Wegrand Menschen, die einen anfeuern, die Mut machen, die helfen; dann, wenn es schwierig wird durchzuhalten. Und auch jene, die einem zurufen, dass das ersehnte Ziel nicht mehr weit entfernt ist. Nicht mehr lange, und wir Christen beginnen die Karwoche. Wir steuern auf dieses Ziel zu, von dem wir wissen, dass es uns Leben verheisst: Ostern. Rennen wir daraufhin zu oder daran vorbei? Oder laufen wir vielmehr?

Für den Endspurt der Fastenzeit wünsche ich uns einen langen Atem – und den Atem Gottes, den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht.