Gehr-Bild aus Rathausruine geborgen

ALTSTÄTTEN. Das Altstätter Rathaus ist am Boden. Die Wand, die zuletzt noch stand, hat man nicht abgebrochen, sondern gestern mit grösster Vorsicht herausgehoben. Es ist das Mauerstück mit dem Wandbild Ferdinand Gehrs, das auch im neuen Rathaus einen Ehrenplatz bekommen soll.

Max Tinner
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Das Gehr-Wandbild ist mit einer Schutzschicht abgedeckt. Dieses letzte Wandstück des alten Rathauses ist oben noch mit den flankierenden Mauerresten verbunden, wird nun aber vom Baggerführer gelöst. Mit einem Pneukran wird das Wandbild dann herausgehoben und auf einen Tieflader verladen. Überwacht wird die Arbeit von Karl Segmüller, Leiter Unterhaltsdienste der Stadt Altstätten. (Bild: Max Tinner)

Das Gehr-Wandbild ist mit einer Schutzschicht abgedeckt. Dieses letzte Wandstück des alten Rathauses ist oben noch mit den flankierenden Mauerresten verbunden, wird nun aber vom Baggerführer gelöst. Mit einem Pneukran wird das Wandbild dann herausgehoben und auf einen Tieflader verladen. Überwacht wird die Arbeit von Karl Segmüller, Leiter Unterhaltsdienste der Stadt Altstätten. (Bild: Max Tinner)

Das Erste, was man sah, wenn man das Altstätter Rathaus betrat, war ein Bild vom Städtli, eingebettet in seine schmucke Umgebung: umrahmt von den Hügeln des Appenzellerlands, von einem Wingert, in dem gerade ein Rebbauer beim Wimmen ist, von Wiesen, auf denen man Bauern beim Heuen sieht, von Obsthainen, Maisfeldern und Rietflächen. Und über dem Ganzen das stolze goldene Altstätter Wappen. Gemalt hat das Bild in seiner typischen Art der zu seinen Lebzeiten bekannteste Künstler der Ostschweiz und Altstätter Ehrenbürger Ferdinand Gehr. Seit 1960 zierte es die Wand gleich beim Treppenaufgang. Und das Bild soll auch im neuen Rathaus einen würdigen Platz erhalten.

Um Bild herum abgebrochen

Noch bis gestern stand das Mauerstück mit dem Gehr-Bild an seinem bisherigen Platz. Spezialisten der Zizerser Oskar Emmenegger und Söhne AG haben das Bild zunächst konserviert und mit einer Vakuum-Schutzschicht abgedeckt. Die Abbruchfachleute der Alois Buschor AG haben das Rathaus dann sozusagen um das Gehr-Bild herum abgebrochen. Es blieb länger stehen als der Grundstein des Gebäudes.

Gestern wurde nun dieses letzte Stück Rathaus sorgsam mit einem Pneukran aus den Mauerflanken, die es zuletzt noch gehalten haben, herausgehoben und auf einen Tieflader verladen. Bevor das Wandelement im ehemaligen Feuerwehrdepot am Stossplatz eingelagert wird, werden die Konservatoren es von der Rückseite her abschleifen, um sein Gewicht zu reduzieren. Dann wird ein Gerüst aus Aluminiumwaben daran befestigt.

Die Rettung des Gehr-Wandbildes kostet voraussichtlich 70 000 Franken. Davon hat die Ortsbürgergemeinde Altstätten 30 000 Franken zugesichert, 20 000 Franken werden dem Ferdinand-Gehr-Fonds der Stadt Altstätten entnommen.

Ein Dutzend Schaulustige verfolgte die Bergung des Gehr-Wandbildes. Darunter Franziska Gehr, Tochter des 1996 verstorbenen Künstlers. Erst bangt sie, ob das Bild heil bleibt. Der Bagger, der das letzte Stück Zement herausbricht, mit dem das Wandelement noch mit der Mauer verbunden ist, ist imposant. Als das Bild dann aber unbeschädigt auf dem Tieflader liegt, atmet sie auf.

Für diesen Ort bestimmt

Es freue sie sehr, dass das Bild einen Platz im neuen Rathaus bekomme, sagt Franziska Gehr. Nicht zuletzt habe ihr Vater es ja gerade für diesen Ort, für das Altstätter Rathaus, gemalt.

Ferdinand Gehr

Ferdinand Gehr

Froh, dass das Gehr-Bild heil geborgen werden konnte: Oskar Emmenegger, Franziska Gehr.

Froh, dass das Gehr-Bild heil geborgen werden konnte: Oskar Emmenegger, Franziska Gehr.