«Gehen, wenn's am schönsten ist»

Alice und Ruth Weder gehen frühzeitig in den Ruhestand und verabschieden sich nach 23 Jahren in Rebstein am Samstag von ihrer Kundschaft. Der Volg-Laden wird unter kompetenter Leitung von Luzia Wirth weitergeführt.

Angelika Rieger
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Alice und Ruth Weder verabschieden sich nach 23 Jahren vom Volg in Rebstein. Sie gehen frühzeitig in den Ruhestand. «Wir hatten in Rebstein eine sehr schöne Zeit.» (Bild: Angelika Rieger)

Alice und Ruth Weder verabschieden sich nach 23 Jahren vom Volg in Rebstein. Sie gehen frühzeitig in den Ruhestand. «Wir hatten in Rebstein eine sehr schöne Zeit.» (Bild: Angelika Rieger)

REBSTEIN. Über mangelnde Kundschaft konnten sich Alice und Ruth Weder nicht beklagen. Das verwundert nicht, denn die beiden Damen haben sich mit Herzblut für den Laden engagiert. «Frisch und fründlich», das war nicht nur der Slogan der Volg-Kette. Alice und Ruth Weder haben das tagtäglich umgesetzt. Alte Leute fühlen sich im Rebsteiner Volg ebenso wohl wie die jüngere Generation. «Wir sprechen unsere Kunden mit Namen an und nehmen uns Zeit für einen Schwatz. Den sehr persönlichen Umgang schätzen die Leute sehr», sagt Filialleiterin Alice Weder. Auch waren die Damen immer zur Stelle, wenn es darum ging, den Einkauf zum Auto zu tragen oder wenn jemand diesen nicht mehr selber tätigen konnte.

Präsenzzeit war gross

Seit 23 Jahren wirkt Alice Weder zusammen mit ihrer Schwester Ruth im Volg Rebstein. «Wir gehen, wenn es am schönsten ist», meinen die beiden. Denn vom harten Konkurrenzkampf spürte der Volg in Rebstein im letzten Jahr gar nichts. Die Kunden kamen reichlich. «Wir hatten eine schöne Zeit in Rebstein», sind sie sich einig.

Der Volg-Laden an der Bahnhofstrasse ist noch ein klassisches Tante-Emma-Lädeli. «Wir haben uns der Aufgabe verschrieben, den Laden so zu führen, als wäre es unser eigener», meint Alice Weder. Die beiden Frauen konnten nicht anders – letztlich haben nicht nur sie selber, sondern auch die Kundschaft profitiert.

Laden des Jahres 2002

Belohnt wurde das grosse Engagement, als der Volg Rebstein im Jahr 2002 unter 180 Volg-Läden in der ganzen Schweiz als «Laden des Jahres» ausgezeichnet wurde. «Einfach ist es nicht, solch eine Auszeichnung zu erhalten», erzählt Alice Weder. «Da muss alles stimmen, vom Umsatz bis zur Präsentation.» Das positive Feedback – auch das von der Kundschaft – spornte an. Dass alles übersichtlich geordnet war, die Regale immer voll waren, dafür fingen Alice und Ruth Weder täglich bereits um 6.30 Uhr an. Einfach wurde dies mit zunehmendem Alter nicht. Doch die beiden haben eine solche Routine entwickelt, dass sie es auch heute noch mit manch Jungem aufnehmen könnten. Unterstützt wurden sie jeweils von Aushilfen, die auch mittwochs zur Stelle waren, wenn sie ihren freien Tag hatten. «Wir waren immer ein harmonisches Team», meint Alice Weder. «Auch das spürt der Kunde.» Manche Aushilfe sei sogar bis zum Pensionsalter geblieben.

Als Alice und Ruth Weder den Volg in Rebstein übernahmen, mangelte es ihnen nicht an Erfahrung, denn davor waren sie 20 Jahre im A&O in Heerbrugg, davon 17 Jahre selbständig. Schon damals waren die Kunden sehr zufrieden und viele von ihnen kommen deshalb heute nach Rebstein zum Einkaufen. Wie auch die Diepoldsauer, die Alice und Ruth Weder als Nachbarn schätzen. Doch obwohl Weders in Diepoldsau wohnen, war es ihnen immer wichtig, auch in Rebstein involviert zu sein.

Kompetente Nachfolgerin

Stolz sind Alice und Ruth Weder darauf, dass eine Schliessung in «ihrem» Volg nie ein Thema war. «Wir haben immer schwarze Zahlen geschrieben», meint Alice Weder. Klar habe es auch mal härtere Zeiten gegeben. «Wir durften immer auf sehr treue und liebe Kundinnen und Kunden zählen – und dafür möchten wir diesen auch herzlich danken.» Für Alice und Ruth Weder beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. «Wir befassen uns schon seit einiger Zeit mit dem Gedanken, aufzuhören», sagt Alice Weder. «Daher fällt es nicht so schwer.» Ihrer Schwester, die seit zwei Jahren krankheitshalber nur noch 60 Prozent arbeitet, und ihr werde die bereichernde Aufgabe aber trotzdem fehlen. Beruhigend finden Weders es, dass mit Luzia Wirth eine kompetente und ins Dorf integrierte Nachfolgerin gefunden wurde.

Kommenden Samstag, 28. Januar, von 10 bis 13 Uhr, verabschieden sich Alice und Ruth Weder mit einem Apéro von ihrer Kundschaft.