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Kolumne

Gegentribüne: Doktor Zeidler verordnet die richtigen Pillen – hat der FCSG seine leichte Sommergrippe jetzt überwunden?

Die Kritiker hatten die Messer schon wieder gewetzt, denn zur Pause sah es düster aus für Zeidlers Leute. Der zweite Durchgang zwischen St.Gallen und Lugano zeigte aber, wie rasch die Stimmung zum jetzigen Saisonzeitpunkt ins Positive kippen kann.
Fredi Kurth
St.Gallens Trainer Peter Zeidler hatte der stark schwächelnden Mannschaft die richtigen Mittel für das Spiel gegen den FC Lugano verabreicht. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

St.Gallens Trainer Peter Zeidler hatte der stark schwächelnden Mannschaft die richtigen Mittel für das Spiel gegen den FC Lugano verabreicht. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

Der Umschwung war vor der nun folgenden Herbstpause auch bitter nötig. Nach dem unglücklich verlorenen Spiel gegen die Young Boys hatte noch vieles auf eine stabilisierte Mannschaft hingedeutet. Doch schon beim 1:2 gegen den FC Zürich war nichts mehr von der neuen Konstanz zu spüren, und zur Pause gegen Lugano wies manches wieder auf die Mängel der vergangenen Saison hin, als St.Gallen häufig ins Verderben rannte.

Wieder ein Routinemangel

Gegentribüne-Kolumnist Fredi Kurth (Bild: Urs Bucher)

Gegentribüne-Kolumnist Fredi Kurth (Bild: Urs Bucher)

Es sah sich zwar gut an, wie St.Gallen losstürmte und Luganos Verteidigung von einer Verlegenheit in die andere stürzte. Aber mehr als ein verschossener Elfmeter und zwei Chancen durch Cedric Itten und Boris Babic schauten nicht heraus. Lugano setzte in bekannter Manier Nadelstiche. Der Ursprung des Führungstreffers basierte allerdings wie schon gegen YB auf einem Routinemangel. Yannis Letard wollte auf Nummer sicher gehen und schubste den Ball ins Out.

Der Fehler war, dass er schubste. Er hätte den Ball in die fünfte Etage schiessen müssen – oder in Ermangelung derselben zumindest in Richtung Autobahn. Stattdessen wurde der dort stehende Linienrichter unabsichtlich zum Angriffsbeschleuniger für Lugano. Nach raschem Einwurf stand Torschütze Holender völlig frei.

Energieschub mit Boris Babic

Inwiefern der Platzverweis ausschlaggebend war, ist schwierig zu beurteilen. Der FC Zürich hat zweimal schon in dieser Saison in Überzahl Punkte abgegeben. So beschlich mich ein ungutes Gefühl, und Lugano hätte fast mit dem zweiten Treffer nachgedoppelt. Doch just die defensiv so starken Tessiner liessen dann in einer Halbzeit so viele Tore zu wie in allen vier bisherigen Spielen zusammen – auch weil es neben der Überzahl noch andere Gründe gab: Doktor Zeidler hatte der stark schwächelnden Mannschaft die richtigen Mittel verabreicht.

Da wirkte zunächst die Einwechslung von Boris Babic wie eine Vitaminspritze. Das einige Jahre ruhende Talent war an vielen gefährlichen Offensivaktionen beteiligt. Babics Treffer war ein Meisterstück aus Entschlossenheit und Konzentration. Zudem attackierte St.Gallen nun mit mehr Bedacht, in geschicktem Wechsel von Tempo und Timing.

El paso del taco – der Absatztrick

Vor etlichen Jahren diskutierte ich mit einem Kollegen über den Nutzen von galantem Fussball, versuchte ihm zu erklären, dass dieser oft unnötig praktiziert werde. Als dribbelgewandter Fussballer sagte er mir, ihm gefalle gerade das, was unnötig sei. Auch der Absatztrick gehörte ins Repertoire Galerie-bewusster Fussballer. Doch inzwischen kann damit eine ganze Abwehr auf den falschen Fuss gestellt werden. Auch Zeidler will dieses dritte «Medikament» nicht verbieten, was dann den Führungstreffer auslöste. Victor Ruiz legte per Absatz für Babic auf und eröffnete Jérémy Guillemenot eine weitere grosse Chance.

El paso del taco, heisst das auf Spanisch, und war circa 1990 schon eine Schlagzeile im Tagblatt: Wir berichteten aus dem Klassenzimmer, wie die Chilenen Ivan Zamorano, Pato Mardones und Hugo Rubio in einer vom FC-Sportchef René Sidler geleiteten Schule Deutschunterricht genossen. El paso del taco – der Absatztrick. Google bietet als Übersetzung auch noch El truco del talòn an.

Eine neue Mannschaft

Ob der FC St.Gallen seine leichte Sommergrippe überwunden hat, bleibt abzuwarten. Im Vergleich zum letzten Match in der vergangenen Saison standen gegen Lugano sieben neue Feldspieler auf dem Platz. Im Frühjahr erzielte St.Gallen die meisten Tore im Umschaltspiel aus dem Mittelfeld heraus, über die schnellen Flügelzangen Dereck Kutesa und Axel Bakayoko. Davon war in dieser Saison noch wenig zu sehen. Bis zum Match gegen Lugano waren stehende Bälle Trumpf. Ebenso liess die Defensive im Frühjahr weniger Gegentore zu. Bleibt abzuwarten, ob Zeidler nach der «Herbstpause» auf Milan Vilotic setzt, der diesmal auf der Ersatzbank sass. Dass Vilotic eine Abwehr kitten kann, ist offensichtlich und wird belegt durch Zahlen.

So kassierte der FC St.Gallen mit ihm nicht nur weniger Tore, sondern gewann auch mehr Punkte als ohne ihn, und zwar sowohl auf die ganze Saison als auch bloss auf die Rückrunde bezogen. In dieser gewann St.Gallen mit Vilotic in zehn Spielen 1,4 Punkte pro Spiel statt zuvor 1,12. Die Zahl der Gegentore sank von durchschnittlich 1,5 auf 1,2 pro Match. Und das obwohl Vilotic die Abwehr zweimal gegen YB und einmal gegen Basel dirigieren musste. Just in drei Wochen gegen Winterthur im Cup dürfte überlegtes Abwehrverhalten besonders gefragt sein.

Aufgefallen

Nun also wird der neue Modus wohl doch noch Tatsache. Die überfällige Aufstockung war noch vor zwei Jahren überraschend abgelehnt worden, obwohl eine neutrale Marktforschung eine solche empfohlen hatte: Für zwölf Vereine seien die wirtschaftlichen Voraussetzungen gegeben. Genau mit dem gegenteiligen Argument hatten die Vereine einst der Zehnerliga zugestimmt. Den idealen Modus gibt es nicht, aber beim neuen Vorschlag mit Meister- und Abstiegsrunde überwiegen die Vorteile bei weitem. Mehr Abwechslung durch elf statt nur neun Gegner, mehr Spannung mit dem Kampf um Platz sechs und weniger Druck auf traditionsreiche Vereine, die zu häufig Abstiegsangst ausgesetzt waren, manchmal prompt abstiegen und sich nicht zuletzt finanziell vergaloppierten. Xamax, Lausanne, Servette, Lugano, GC und St.Gallen sind hier zu nennen. Auch Luzern und Thun gerieten in Nöte. Die Aufstockung verringert zudem die Gefahr, dass ganze Regionen vom Spitzenfussball abgeschnitten werden: Lausanne, Servette und Lugano mussten sich möglicherweise für noch lange Zeit hinter der lokalen Eishockey-Konkurrenz einreihen.

Mit Sandro Schärer leitete am Sonntag jener Schiedsrichter die Partie St.Gallen gegen Lugano, der am ersten Spieltag als Videoassistent im Startspiel gegen Luzern fungierte. Schärer gilt als das grösste Schiedsrichtertalent der nationalen Refgilde. Ihm zu unterstellen, er hätte nun einiges gutmachen wollen, wäre allerdings verfehlt. Der Penalty für St.Gallen war gerechtfertigt und der Gelb-Rot-Entscheid gegen Luganos Olivier Custodio nur auf den ersten Blick überrissen: Ballwegschlagen, so die Anweisung, muss ab dieser Saison wieder härter bestraft werden. (th)

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