Gegen Jogi Löw gespielt

FUSSBALL. Wie in der Vorrunde: St.Margrethen gewinnt nach zwei Startniederlagen das dritte Spiel gegen Montlingen. Markus Ritz, St.Margrethens Vizepräsident, erlebt den Sieg aus der Distanz.

Beni Bruggmann
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Vizepräsident Markus Ritz arbeitet während der Heimspiele des FC St. Margrethen am Kiosk: «Nach einem Sieg ist sowieso alles einfacher.» (Bild: Yves Solenthaler)

Vizepräsident Markus Ritz arbeitet während der Heimspiele des FC St. Margrethen am Kiosk: «Nach einem Sieg ist sowieso alles einfacher.» (Bild: Yves Solenthaler)

Der Kiosk auf dem St.Margrether Sportplatz Rheinau ist leicht erhöht. Wenn die vier Männer, die dort während der Heimspiele Bier, Mineralwasser und Kaffee ausschenken, den Blick aufs Spielfeld richten, dann haben sie eine gute Übersicht. So wundert es nicht, dass Markus Ritz, der regelmässig im Kiosk arbeitet, alle entscheidenden Szenen des Spiels gesehen hat. Seine Bilanz nach dem 3:0 ist korrekt: «Montlingen wurde selten gefährlich. St.Margrethen, technisch stark, hatte deutlich mehr Chancen und gewann verdient.»

Immer in St. Margrethen

Markus Ritz, 57-jähriger Logistiker, Vizepräsident beim FC, ist ein St.Margrether: «Ich wohne heute noch in dem Haus, in dem ich aufgewachsen bin, und ich bin heute noch im gleichen Verein, in dem ich vor fast fünfzig Jahren begonnen habe, Fussball zu spielen.» Darauf ist er stolz.

Ritz hat ein gutes Gedächtnis, und er erzählt gerne. Der talentierte Junior brachte es in ein kantonales Auswahlteam, und früh schon spielte er in der ersten Mannschaft. Unvergessen ist das Jahr 1981. In einem Freundschaftsspiel traf eine Kombination aus St.Margrether und Höchster Spielern auf Eintracht Frankfurt. Das Spiel ging 1:6 verloren, die Erinnerung ist ganz klar: «Bruno Pezzey, der Vorarlberger, spielte, und Jogi Löw, der heutige deutsche Bundestrainer, erzielte fünf Treffer. Cha Bum-kun war mein Gegenspieler. Er wurde in der Pause ausgewechselt.» Ritz schmunzelt. Ein Tor hat er keins geschossen.

Zurück in die Gegenwart. Der sechsköpfige St.Margrether Vorstand: Alles Schweizer. Die erste Mannschaft: Fast lauter Ausländer. Im 22-Mann-Kader findet man nur zwei Schweizer Namen, Fabio Künzler und Dennis Ritz. Dieser ist Ersatztorhüter, 18-jährig und der Sohn des Vizepräsidenten.

Da sind Ausländer daheim

«Viele Ausländer im Team, das passt zu unserm Dorf. Wir haben hier in St.Margrethen einen hohen Ausländeranteil», sagt Ritz. Und nun könnte er über die Probleme mit den Ausländern erzählen, wie sie überall vorkommen. Er tut das nicht. Er findet gute Ansätze: «Die Spieler sind hier aufgewachsen, sind anständige Kerle, sie lieben den Fussball.» Das Spiel bringt den Beweis: St.Margrethen spielt einen schnörkellosen korrekten Fussball mit schnellen Passfolgen und kommt durch Tore von Naim Memeti, Sheval Ljatifi und Salvatore Forgia zum Sieg.

Auf der Bank der Auswechselspieler herrscht vorbildliche Ordnung. Denn hier gibt Trainer Dorde Duvnjak den Ton an. Er ist ein Mann mit ausgesprochen guten Manieren. Das sieht und spürt man sofort, und das wirkt sich aus.

Wenig Zuschauer

Nach dem Spiel treffen wir uns vor dem Kiosk. Die Sonne scheint. «Wir haben die schönste Gartenwirtschaft im Dorf», sagt Ritz. Und dann spricht er ein Problem doch noch an: «Es kommen kaum Zuschauer. Unsere Arbeit wird im Dorf zu wenig geschätzt.» Aber damit kann er mittlerweile leben. Und er tröstet sich selber: «Nach einem Sieg ist sowieso alles einfacher.»