Gefährliches Bergwandern

Im Sommer sind viele Alpinisten in den Bergen unterwegs. Das hat Konsequenzen: Im Verlauf der Jahre hat sich die Anzahl der Bergunfälle verdoppelt.

Livia Caluori
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«Seine Kollegen mussten buchstäblich zusehen, wie er abstürzte», sagt Paul Troger, Mediensprecher der Kantonspolizei Appenzell Innerrhoden. Die Rede ist von einem 75-jährigen Berggänger, der in den letzten Tagen beim Abstieg von der Meglisalp tödlich verunglückte. Ein zweiter Mann starb vergangene Woche beim Aufstieg auf den Säntis. Die Zahlen der Statistik der Beratungsstelle für Unfallverhütung zeigen: Bergwandern ist die Sportart, bei der in der Schweiz am meisten Menschen ums Leben kommen. Doch werden jede Woche auch Dutzende Berggänger aus den Höhen gerettet. «Dies ist den Bergrettungen zu verdanken», sagt Ruedi Güttinger, Rettungssanitäter der Rega St. Gallen. Ihnen gelingt es häufig, Verunfallte schnell und unverletzt aus heiklen Situationen zu befreien. Ohne die schnelle Reaktion – und das Handy – gäbe es viel mehr Verletzte.

Sommerzeit ist Wanderzeit

Momentan sei Hochsaison für Berggänger, sagt Ueli Mosimann, Leiter der Fachgruppe Sicherheit im Bergsport des SAC. Vor allem in den Monaten Juli und August sind viele Leute in den Höhen unterwegs. Wie Mosimann bestätigt, hat sich die Zahl der Wanderer in den letzten Jahren verdoppelt. Mit der Masse steigt auch die Anzahl der Unfälle. Diese hat in den vergangenen Jahren leicht zugenommen.

Risiken für Berggänger

In den Bergen lauern viele Gefahren. Zur Sommerzeit sind vor allem Gewitter mit Blitzschlägen und durch den Regen nasse und rutschige Wanderwege ein grosses Unfallrisiko. Deshalb ist es laut Hans Fitzi, Chef der Rettungskolonne Urnäsch, wichtig, früh zur Tour aufzubrechen, um einem Wetterumschlag am späten Nachmittag aus dem Weg zu gehen.

Die grösste Gefahr auf einer Bergtour ist aber der Alpinist selbst. Die meisten Unfälle ereignen sich, weil die Berggänger ihre Fähigkeiten überschätzen. Sie überbewerten ihre Kletterfähigkeiten und probieren leichtsinnig gefährliche Routen aus. Auch die Kondition wird vielfach überschätzt. Dies führt dazu, dass der Wanderer noch vor Erreichen des Zieles an seine körperlichen Grenzen stösst und sich nicht mehr auf den Weg konzentrieren mag. Das kann böse enden. «Vor längeren oder anspruchsvollen Touren muss deshalb unbedingt trainiert werden», sagt Fitzi, «der Körper kann sich so auf die anstehende Belastung einstellen.»

Eine Unterhaltung mit dem Begleiter, ein unachtsamer Schritt oder ein Blick zurück können gefährlich sein und im schlimmsten Fall tödlich enden. «Besonders gemein ist der Schritt zurück beim Fotografieren», sagt Mosimann.

Selten an einem Bergunfall schuld sind schlechte Ausrüstungen. Das Gegenteil ist der Fall. Berggänger sind meistens vorbildlich ausgerüstet. Mosimann bestätigt: «Auch Hobbywanderer oder -bergsteiger haben eine Ausrüstung wie Profis.»