Gebaut wird jetzt in Montlingen, gestaltet später

Für die Planung einer Strassenraumgestaltung war vor der Sanierung der Dorfstrasse keine Zeit.

Max Tinner
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Mit der Sanierung der Montlinger Dorfstrasse konnte nicht mehr länger zugewartet werden. Sie wird auf einen zeitgemässen Standard gebracht. Eine Neugestaltung des Strassenraums ist aber momentan weder spruch- noch ausführungsreif.

Mit der Sanierung der Montlinger Dorfstrasse konnte nicht mehr länger zugewartet werden. Sie wird auf einen zeitgemässen Standard gebracht. Eine Neugestaltung des Strassenraums ist aber momentan weder spruch- noch ausführungsreif.

Bild: Max Tinner

In Oberriet und Kriessern hat man bei der letzten Sanierung der Hauptstrasse durchs Dorf den Strassenraum ansehnlich gestaltet. Im Besonderen in der Dorfmitte soll die Strasse nicht nur der direkte, schnelle Weg durchs Dorf hindurch sein, sondern den Einwohnern – nicht zuletzt jenen, die zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs sind – statt ein trennendes, ein verbindendes Element sein. Dabei soll die Strasse ausserdem möglichst kein trostloser Anblick sein, sondern vielmehr den Charakter des schönen Ortsbilds akzentuieren.

Montlingen, wo der Kanton die Strasse aktuell grad erneuern lässt, bekommt hingegen keine Strassenraumneugestaltung. Dabei hätte sich der Gemeinderat auch hier eine gewünscht. Er befasst sich schon seit einiger Zeit damit. Nebst einer Studie eines Raumplanungsbüros liegt ihm denn auch ein Gestaltungsvorschlag vor, den der in Montlingen wohnende Architekt und frühere Gemeinderat Lothar Bandel aus eigenem Antrieb erarbeitet hat.

Die Strassenraumgestaltung zu planen, dauert bis 10 Jahre

«Aber so schnell, wie der Bürger sich das vorstellt, geht das leider nicht», hält Gemeindepräsident Rolf Huber fest, «man muss sich bewusst sein: Die Planung einer Strassenraumgestaltung ist ein Prozess, der sieben bis zehn Jahre dauert.» In Montlingen dürften es eher zehn Jahre werden, weil die Strassenverbindung von Oberriet zum Grenzübergang Montlingen-Koblach eine Kantonsstrasse ist und das Strassenraumgestaltungsprojekt ins Strassenbauprogramm des Kantons muss. Ein solches erstellt das Tiefbauamt jeweils für vier Jahre; danach muss es auch noch dem Kantonsrat zur Genehmigung vorgelegt werden.

Die Sanierung der Montlinger Dorfstrasse war zwar bereits im aktuellen Strassenbauprogramm drin, aber lediglich als Ersatzprojekt. Ein solches wird in der Regel nur vorgezogen, wenn ein Projekt der ersten Priorität in Verzug gerät. Wegen der unzähligen Reparaturen an der uralten Wasserleitung in der Strasse wurde die für die nächsten Jahre geplante Sanierung aber zusehends dringlich. Die Gemeinde konnte zwar daraufhin die Kompletterneuerung der Wasserleitung vorziehen und letztes Jahr ausführen. Die Strassenraumgestaltung voranzutreiben, lag aber nicht drin.

Das hat Gemeinderat Pascal Benz an der Vorversammlung im März auch erklärt, die gera­de noch durchgeführt werden konnte, bevor der Bund wegen Corona das Versammlungsverbot beschloss. Benz erklärte an jenem Abend auch, dass die Möglichkeiten wegen der vor vielen Liegenschaften engen Verhältnissen eingeschränkt sind. Etwas anderes als eine von der Regelbauweise abweichende Sonderlösung sei gar nicht möglich, sagte er.

Aussprache mit Anwohnern möglichst noch diesen Herbst

Diese Sonderlösung, wie auch immer sie aussehen wird, will die Gemeinde nicht über die Köpfe der Anstösser hinweg beschliessen. Bereits im Frühling wurde deshalb eine Aussprache angekündigt, die seitdem wegen der Pandemie aber noch nicht stattfand. Auf sie verzichten werde man aber nicht, verspricht Rolf Huber. Sofern die Entwicklung der Corona-Fallzahlen es zulässt, soll sie noch diesen Herbst stattfinden.

Eine Strassenraumneugestaltung für Montlingen ist bereits an der Vorversammlung vor zwei Jahren angeregt worden. Diesen Frühling machten Einwohner aber auch klar, dass sie nicht mit jeder Variante einverstanden wären. So wünschen sie sich weder eine «Autobahn» durchs Dorf, noch Stangen in der Strassenmitte wie in Widnau, noch Pfähle der Strasse entlang wie in Berneck.

Angesprochen wurde auch, ob die Gemeinde die Dorfstrasse vom Kanton zurücknehmen sollte, um den Planungsprozess zu beschleunigen. Für Gemein­depräsident Huber ist dies keine Option: Die Gemeinde müsste dann wieder selbst für den Unterhalt der Strasse aufkommen. «Ohne eine Gegenleistung wäre es geradezu schildbürgerlich, die Strasse wieder zu übernehmen», meint er. Man glaubt es ihm: Im Strassenbauprogramm hat der Kanton für die Sanierung der Dorfstrasse Kosten in Höhe von 2,8 Mio. Franken eingesetzt.