«Gar keine Angriffsfläche bieten»

FUSSBALL. Seit rund drei Wochen trainiert Nino Vrenezi den FC St. Margrethen. Nun möchte der frisch gebackene Aktiv-Trainer seine Schützlinge auch in der Tabelle nach vorne bringen. Disziplin sowie verbesserte Defensivarbeit spielen dabei Schlüsselrollen.

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Gibt Anweisungen: Der 27-jährige Nino Vrenezi trainiert mit Assistent Peter Frei den FC St. Margrethen. (Bild: Raffael Zanoni)

Gibt Anweisungen: Der 27-jährige Nino Vrenezi trainiert mit Assistent Peter Frei den FC St. Margrethen. (Bild: Raffael Zanoni)

Nino Vrenezi, die Entlassung von Akram Abdalla kam für viele sehr überraschend. Bitte schildern Sie das Prozedere noch einmal.

Nino Vrenezi: Erstmals angefragt wurde ich im Januar, damals waren die Leute im Vorstand allerdings noch geteilter Meinung. Unter anderem auch mit dem Amtsantritt von Natal Schnetzer [Anm.: Präsident] wurde der Trainerwechsel dann Tatsache.

Was waren die Gründe dafür?

Vrenezi: Einige Spieler kamen wohl mit dem Führungsstil Abdallas nicht mehr zu Recht und auch im Trainingslager herrschten ungünstige Zustände. Ganz grundsätzlich möchte ich meinen Vorgänger aber nicht kritisieren und mich auf meine Arbeit konzentrieren.

Bei den Spielern, die Abdalla nicht mehr akzeptierten, handelte es sich auch um Bekannte aus Ihrer Aktivzeit sowie Ihrem privaten Umfeld. Fehlt da nicht etwas die autoritäre Distanz eines Trainers?

Vrenezi: Meiner Meinung nach bereitet mir diese Aufgabe keine Probleme. Auf dem Platz nennen mich alle (!) «Trainer». Dadurch sollen auch die Spieler die mich vorher nicht gekannt haben merken, dass ich alle ganz genau gleich behandeln werde.

Die so genannten «Rebellen» haben einige Zeit nicht trainiert. Profitieren Sie nun von Ihrer Sympathie und kommen zum Einsatz?

Vrenezi: Ganz und gar nicht.

Beispielsweise habe ich auch im Freundschaftsspiel gegen Buchs Nikolle Gashi zu Hause gelassen, da er zum Meisterschaftsstart abwesend ist. Des Weiteren leisten weitere Spieler zusätzliche Trainingseinheiten um die nötige Fitness schneller zu erarbeiten.

Reden wir also von der Rückrunde. Mit dem fünften Zwischenrang, ist man eigentlich gut bedient, oder wollen Sie gar weiter nach vorne?

Vrenezi: Man hat mich nicht geholt, um Fünfter zu bleiben. Die Platzierung ist nicht schlecht, jedoch weisen wir noch Defizite auf.

50 Strafpunkte sind viel zu viel. Und auch die Tatsache, dass man auswärts trotz drei erzielten Treffern nicht gewinnt [Anm.: Spiel gegen Rebstein], ist ärgerlich.

Wie wollen Sie das verbessern?

Vrenezi: In erster Linie soll die Defensive gestärkt werden. Mit den Verpflichtungen von Faruk Catic und Peter Züblin ist der Grundstein gelegt und auch im Training wird das Augenmerk auf die Verteidigung gelegt. Denn in der Offensive sind wir immer für ein Tor gut.

Aufgrund dieser Tatsachen möchte ich unter den ersten Zwei in dieser Liga mitspielen.

Ein hoch gestecktes Ziel für jemanden, der bisher «nur» B-Junioren trainiert hat?

Vrenezi: Mag sein, aber ich habe Vertrauen in die Qualitäten meiner Mannschaft und letzten Endes auch in meine Fähigkeiten. Durch meine 10-jährige Aktiverfahrung kenne ich die Rheintaler Ligen gut und weiss um die Tücken und Gefahren Bescheid.

Ein wichtiges Stichwort bei St. Margrethen ist ausserdem die Disziplin. Wie stehen Sie dazu?

Vrenezi: Für mich ist sie eine unverzichtbare Tugend einer Mannschaft. Peter Frei und ich setzen Disziplin in allen Belangen um. So waren die Spieler erstaunt, wie peinlichst genau wir darauf achten, dass sie ihre Schuhe nach den Trainings putzen und vor dem Betreten der Garderobe ausziehen.

Sind das nicht eher Lappalien?

Vrenezi: Vielleicht. Aber auch solche Gesten sollen dem Verein ein neues Gesicht verleihen. So gehen wir zum Beispiel wöchentlich in eine lokale Gaststätte, um uns im Dorf zu präsentieren und den Zusammenhalt zu stärken.

Was genau erhoffen Sie sich von solchen Massnahmen?

Vrenezi: Der FC St. Margrethen soll wieder einen Namen bekommen. Denn es geht in erster Linie um den Verein. Durch tadelloses Auftreten meiner Mannschaft wird dies begünstigt.

Wir wollen der Öffentlichkeit keine Angriffsfläche mehr bieten, um langfristig einen guten Ruf zu erlangen.

Interview: Raffael Zanoni

Samstag, 16.30 Uhr, Steinach

Mehr Rückrunden-Vorschauen lesen Sie im «Rheintaler» vom Donnerstag.

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