Ganz speziell: Jazz im Keller

Der erste Auftritt des Jazz-Trios Tiefenthaler-Huber-Flisch im Rahmen der Maiblüten 2010 kam beim Publikum ausserordentlich gut an. Dabei erwies sich der Lindenhaus-Keller als Jazzlokal mit einzigartiger Atmosphäre.

Maya Seiler
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Das zahlreich erschienene Publikum genoss die Atmosphäre im «Jazz-Keller» des Lindenhauses. (Bilder: Maya Seiler)

Das zahlreich erschienene Publikum genoss die Atmosphäre im «Jazz-Keller» des Lindenhauses. (Bilder: Maya Seiler)

Berneck. Eine unscheinbare Öffnung in der Mauer, welche ein Nebensträsschen begrenzt; eine trübe «Funzel» über dem Eingang liessen kaum vermuten, was sich hinter der Türe verbarg. Eine Treppe tiefer öffnete sich dann der einzigartige Gewölbekeller mit seinen Mauern aus grob behauenen Blöcken.

Bereits eine Viertelstunde vor Konzertbeginn mussten die Organisatoren des Kulturforums Berneck Stühle herbeischaffen, um auch die letzten freien Quadratzentimeter noch zu nutzen.

Mit 40 bis 50 Besuchern hatte man gerechnet; achtzig Jazzinteressierte waren es schliesslich, welche gespannt den Auftritt von Erich Tiefenthaler, Mark Huber und Rätus Flisch erwarteten.

Nach kurzem Auftakt stellte Erich Tiefenthaler ihre Art des Jazz vor. Die drei Profimusiker hatten sich zusammengetan, um Bebop oder Hardbop zu spielen.

Zum Unterschied von früheren Jazzstilen ist Bop weit mehr Kunst- als Unterhaltungsmusik. Die Instrumente werden solistisch eingesetzt, die Musiker improvisieren kunstvoll über das gewählte Thema.

Virtuoses Spiel

Darum konnte sich das Publikum auch nicht einfach zurücklehnen, sondern musste genau zuhören, um die Melodie anhand der Akkordfolgen zu entdecken, so beim 40er-Jahre-Hit «Autumn Leaves» oder bei den Variationen über Duke Ellingtons «Sentimental Mood».

Die drei Musiker überzeugten mit professionellem Spiel, welches immer wieder ihre solistische Virtuosität zeigte. Als Combo nutzten sie die musikalische Freiheit, sich von der Aufteilung zwischen Rhythmusgruppe und solistischem Bläser zu lösen. So war es ihnen möglich, improvisierend statt in festen Arrangements zu spielen. Vorgegeben war der Ablauf, die Reihenfolge der Soli.

Am Anfang und am Schluss eines Stücks «rasten» sie unisono durch das Thema, dazwischen bekam jeder Raum, sich solistisch zu präsentieren. Offenkundig wurde ein weiteres typisches Merkmal des Bebop, das spektakuläre, rasend schnelle Spiel.

Latin-Jazz und Play-Bach

Begeistert waren die Konzertbesucher von Stücken, welche den Bebop mit Elementen der lateinamerikanischen Musik verbinden: Ein Cha-Cha aus Orfeu Negro von Antonio Carlos Jobim oder «Wave» vom gleichen Komponisten, in welchem auch das berühmte «Girl from Ipanema» anklang.

Ein Genuss für Auge und Ohr

Das Jazz-Trio scheute sich nicht, «unter dem Zaun durch» ins Gebiet der klassischen Musik zu grasen. Bachs Partita in A-Moll, «ein Heiligtum für Flötisten», wie Tiefenthaler anmerkte, oder eine Bourree, gespielt im5/44-Takt und übergehend in den berühmten Jazz-Standard «Take Five», machten Zuhörern und Musikern gleichermassen Spass.

Szenenapplaus gab es immer wieder für die Soli von Rätus Flischs eigenwillig akzentuiertem Bass-Spiel oder für die Hammersynkopen des Schlagzeugers Mark Huber, der auf Becken und Bassdrum ein Feuerwerk zündete. Gespannt beobachtete das Publikum natürlich den Einsatz der ganzen Konzertflöten-Familie, welche von Erich Tiefenthaler in typisch «schmutziger» funky Manier gespielt wurde.

Der frenetische Schlussapplaus brachte die erhofften Zugaben: Mint Tea, heiss, ungesüsst und funky, sowie einen Abstecher in den Barock mit Marin Marais «Folies d'Espagne».

Die Hardbop-Jazzer Rätus Flisch, Mark Huber und Erich Tiefenthaler begeisterten mit professionellem Spiel.

Die Hardbop-Jazzer Rätus Flisch, Mark Huber und Erich Tiefenthaler begeisterten mit professionellem Spiel.