«Ganz genau, das sind die beiden!»

Jürg Loser und Patrick Steiger ist mit «Türli und Flidari im Schollariet» ein hochkarätiges Bilderbuch gelungen. Im Gespräch sind die beiden verschmitzt – wie Türli und Flidari, die beiden Buben in ihrer Geschichte. Die Buchvernissage findet am 25. November im Diogenes-Theater statt.

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Starkes Team mit neuem Buch: Künstler Patrick Steiger und Jürg Loser, der den Text verfasste. (Bild: Gert Bruderer)

Starkes Team mit neuem Buch: Künstler Patrick Steiger und Jürg Loser, der den Text verfasste. (Bild: Gert Bruderer)

Patrick Steiger, hatten Sie als Kind ein Lieblingsbuch?

Patrick Steiger: Ja, «Rössli hü».

Jürg Loser: Was für ein Zufall, ich auch!

Steiger: (zu Loser) Du auch? Dann sag ich ein anderes. «Schneewittchen und die sieben Zwerge.» Und dann war da noch…

Loser: (zu Steiger) Bloss nicht zu viele aufzählen, wir wollen ja nicht für andere Bücher werben, sondern von unserem eigenen reden, dem Bilderbuch «Türli und Flidari im Schollariet».

Bleiben wir noch kurz beim «Rössli hü». Das kenne ich gar nicht.

Loser: Wir bekamen es in der ersten, zweiten Klasse von unserer Lehrerin vorgelesen. Die Geschichte handelte von einem Holzpferd und war sehr emotional.

Ist auch Ihr «Türli und Flidari» emotional?

Loser: Sehhhhr! Nur schon die Bilder!

Steiger: (überlegt kurz) Ja, stimmt.

Herr Loser, der Text stammt ja von Ihnen. Wie kamen Sie auf die Idee, die Geschichte für ein Bilderbuch zu schreiben?

Loser: Als ich klein war, erzählte meine Gotte meinen Geschwistern und mir Geschichten von einem Bub namens Türli. Das war eine von ihr erfundene Figur, deren Name von dem eines Baches abgeleitet war. Wir baten dann unsere Mutter, uns ebenfalls so schöne Türli-Geschichten zu erzählen. Sie tat es gerne – und erfand den Flidari dazu. Ich war als Kind ein Riesenfan der beiden Buben und habe den Geschichten immer ganz gebannt gelauscht.

Deshalb haben Sie Patrick Steiger gefragt, ob er für ein Bilderbuch die passenden Bilder liefere – und er hat gleich Ja gesagt?

Loser: So war es tatsächlich. Er hat spontan zugesagt und schon bald erste Entwürfe vorgelegt. Diese verfeinerte er, und als ich Patrick Steigers Figuren sah, die bis dahin ja nur in meiner Fantasie existiert hatten, war meine Reaktion: Ganz genau, das sind die beiden! Aber aufgepasst: Das war vor 14 Jahren.

Vor 14 Jahren? Und jetzt erst erscheint das Buch?

Loser: Patrick Steiger als meistbeschäftigter Künstler der Schweiz hatte fürs Buchprojekt nie richtig Zeit. – Nein, im Ernst: Obschon die Grundlage geschaffen war, hat sich die Arbeit am Buch halt nie wirklich ergeben. Immer hatte mindestens einer von uns anderes zu tun.

Aber nun hat es geklappt. Warum doch noch?

Loser: Weil wir uns irgendwann sagten: Dieses Jahr ziehen wir's durch. Seit diese Entscheidung gefällt war, ging es rasant vorwärts.

Früher sassen Künstler, die Landschaften malten, mit Staffelei und Pinseln im Riet. Sie auch, Herr Steiger?

Steiger: Das zwar nicht, aber ich ging mehrmals ins Riet, einmal auch mit Jürg, um mir alles genau anzusehen und mich aufs Projekt einzustimmen.

Loser: Wir haben auch besprochen, welchen Hintergrund wir für die Bilder wählen und entschieden uns für den Hohen Kasten und den Säntis. Als der Rüthner Gemeindepräsident Thomas Ammann unser Buch kürzlich sah, wusste er sofort genau, von welchem Standort aus man sieht, was Patrick Steiger gemalt hat. Ich habe nicht schlecht gestaunt.

Das Buch erinnert an die Zeit des Torfstechens. Ich nehme an, diese Zeit ist Ihnen beiden bestens vertraut.

Loser: Bestens, ja. Mein Onkel hat noch selbst Torf gestochen.

Steiger: Auch ich erinnere mich gut ans Torfstechen. Ich war zu jener Zeit oft im Riet.

Loser: Es ist schade, dass heutzutage viele Menschen, sogar Rheintaler, das alte Handwerk ebenso wenig kennen wie die Altstätter Schollenmühle. Erst kürzlich erfuhr ich von jemandem, der im unteren Rheintal zu Hause ist, dass er die Schollenhütte erst unlängst zum ersten Mal sah und gestaunt habe, wie schön dort die Natur ist.

Sie selbst geniessen Sie öfter?

Loser: Von meinem Wohnort Altstätten fahre ich im Sommer besonders gern mit dem Velo durchs Riet zum Baggersee in Kriessern. Die Wiesen unterwegs sind so vielfältig wie in unserem Bilderbuch.

Meines Wissens soll «Türli und Flidari» das erste Buch einer ganzen Reihe sein. Was folgt als nächstes?

Loser: Dies steht noch in den Sternen. Freuen wir uns jetzt doch erst mal am ersten Band, also an «Türli und Flidari im Schollariet».

Interview: Gert Bruderer

Buchvernissage: Freitag, 25. November, im Altstätter Diogenes-Theater; Beginn: 20 Uhr. Der Anlass ist öffentlich.