«Gäste haben Corona-Schutzkonzept nicht eingehalten»: Rheintaler Restaurant mit 20'000 Franken gebüsst – Wirt gibt auf

Das Restaurant Piazza in Oberriet schliesst freiwillig zwei Wochen nach Wiedereröffnung. Der Grund: eine hohe Busse und Schutzmassnahmen, die laut dem Wirt nicht umsetzbar sind.

Yves Solenthaler
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Ein Facebook-Post der beliebten Bar Piazza macht im Rheintal die Runde: «Innerhalb einer Woche haben wir es geschafft, von der Staatsanwaltschaft eine Busse über rund 20'000 Franken einzufangen (ein Teil davon auf Bewährung). Daher schliessen wir unser Lokal freiwillig (...) bis wieder Normalität eingekehrt ist.»

Albert Hengartner, seit 20 Jahren Patentinhaber der in Oberriet beliebten Bar, präzisiert:

«Wir schliessen nicht wegen der Höhe der Busse, die an mich und nicht den Betrieb gerichtet ist. Wir schliessen, weil ich nicht wirten kann mit einer Strafe auf Bewährung. Denn damit hätte ich keine Handhabe mehr, um etwa gegen fehlbare Gäste vorzugehen.»

Weil die Bewährung auf drei Jahre ausgesetzt ist, gilt sie auch in normalen Zeiten wieder. Daher ist es noch gar nicht sicher, wie es mit der «Piazza» weitergeht, wenn Normalität eingekehrt ist. Denn Albert Hengartner sagt: «Ich werde nicht mehr wirten.»

Albert und Ronny Hengartner (von links) schliessen die «Piazza» zwei Wochen nach Wiedereröffnung schon wieder.

Albert und Ronny Hengartner (von links) schliessen die «Piazza» zwei Wochen nach Wiedereröffnung schon wieder.

Bild: ys

«Wir können nicht ständig alles kontrollieren»

Er arbeitet seit 45 Jahren im Gastrobereich, seit 35 Jahren als Selbstständiger. «Für mich ist das nicht schlimm. Anders sieht es aus, wenn dasselbe einem Wirt passiert, der erst angefangen hat. Er kann gleich wieder aufhören.»

Albert Hengartner ist verärgert. Nicht, weil er sich unschuldig fühlt:

«Wir hatten am ersten Abend nach dem Lockdown überwirtet, das war ein Fehler. Aber die Schutzmassnahmen hatten wir baulich zu 100% umgesetzt – nur die Gäste hielten sich nicht daran.»

Am Anfang hätten sich einige an Tische gesetzt, auf denen stand: «Reserviert für Roger Federer» oder «Reserviert für Daniel Koch».

Sohn spielte ständig Aufpasser

Sein Sohn Ronny Hengartner, Geschäftsführer der «Piazza», sagt, er habe ständig Aufpasser gespielt.

«Aber wir können nicht immer alles unter Kontrolle haben, dazu haben wir zu viele Gäste.»

Am ersten Wochenende sei das Konzept aus dem Ruder gelaufen, «weil wir zu wenige Angestellte hatten. Aber wir konnten nicht wissen, was uns erwartet.» Am zweiten Wochenende mit mehr Personal sei es besser gegangen.

Albert und Ronny Hengartner sind überzeugt, dass sich die geforderten Massnahmen für eine Beiz nicht vollständig umsetzen lassen: «Das Schutzkonzept musste schnell zusammengeschustert werden, das sieht man ihm an: Es ist nicht durchdacht», sagt Albert Hengartner, «das funktioniert höchstens in einem Speiserestaurant, in dem sich Gäste anmelden.» Als Beispiel nennt Ronny Hengartner die nicht zugelassene Vermischung der Gäste:

«Es dürfen nur vier Gäste an einem Tisch sitzen, die gemeinsam reingekommen sind. Viele wechseln aber den Tisch, das lässt sich nicht verhindern.»

In Altstätten gibt es Bars, die Gäste abweisen, um die Schutzmassnahmen einhalten zu können. Aber offenbar ist in Oberriet das Verständnis der Gäste dafür weniger ausgeprägt, denn dieses fehle den meisten «Piazza»-Besuchern. «Ich bin nicht Wirt geworden, um möglichst wenige Gäste zu haben», deutet Albert Hengartner an, was er davon hält, Leute heimzuschicken.

Die «Piazza» wurde durch ein Video ertappt

Die Strafverfügung, die zur Schliessung der «Piazza» führte, betreffe das erste Wochenende nach der Lockerung des Lockdowns. Dabei sei die Polizei gar nicht in der «Piazza» gewesen: «Wir wurden aufgrund eines Videos gebüsst, das der Polizei zugespielt worden war», sagt Albert Hengartner.

Er behauptet nicht, die Schutzmassnahmen immer eingehalten zu haben:

«Aber die Strafe ist unverhältnismässig hoch. Wenn das der Weg in die Normalität ist, bin ich froh darum, in dieser Normalität nicht mehr wirten zu müssen.»
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