FUSSBALL: Publikumsliebling aus Oberriet

Die Chiasso-Fans haben seine Art stets geschätzt. Nun zieht es Nicolas Lüchinger nach zwei Saisons im Südtessin weiter nach Sion.

Remo Zollinger
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Nicolas Lüchinger, hier noch im St. Galler Dress, ist einer, der viel arbeitet auf dem Feld. (Bild: Archiv)

Nicolas Lüchinger, hier noch im St. Galler Dress, ist einer, der viel arbeitet auf dem Feld. (Bild: Archiv)

FUSSBALL. Die Winterthur-Fans rollen ein riesiges Konterfei ihres grossen Lieblings aus. Sie huldigen Patrick Bengondo, der nach fünf Jahren FCW keinen neuen Vertrag erhält. Während die Fankurve Fackeln zündet, um Bengondos Abschied noch dramatischer zu inszenieren, redet im Gästeblock Chiasso-Fan Francesco über einen anderen Abschied. Einen kleineren, weniger zelebrierten. Nicolas Lüchinger wechselt von Chiasso zu Sion, seine Leihe im Tessin ist zu Ende. Francesco ist sich nicht sicher, dass Lüchinger in der obersten Spielklasse den Durchbruch schafft.

Leidenschaftlicher Kämpfer

«Seine Technik ist nicht gerade die beste», sagt er, als ihm Kollege Paolo ins Wort fällt: «Aber leidenschaftlich gekämpft und viel Einsatz gezeigt hat er immer. Und zu uns gekommen ist er nach den Spielen jeweils auch.» Lüchinger ist ein Kämpfer mit dem Potenzial zum Publikumsliebling – und wird versuchen, auch im Tourbillon ein solcher zu werden. Im Tourbillon, nicht in der St. Galler Arena. Beziehungsweise dem neuen Park. Dem 21-jährigen Oberrieter steht in der Ostschweiz der noch jüngere Silvan Hefti vor der Sonne. Hefti hat dieses Jahr auf Lüchingers Position als rechter Aussenverteidiger den Durchbruch geschafft. War in der Ostschweiz einer der wenigen Lichtblicke in einer trüben Saison. Lüchinger hatte in St. Gallen einen Vertrag bis Ende Saison, also bis jetzt. Er wurde nicht verlängert. Zum Unbill vieler Fans, die die Personalpolitik des FCSG nicht verstehen können oder wollen.

Arbeitet für Vier

In Chiasso hat Lüchinger in 47 Meisterschaftsspielen bewiesen, dass er bereit ist zum Sprung in die Super League. «Er könnte etwas von seiner Spiellaune an seine Mitspieler abgeben, er ist überall und gibt keinen Ball verloren. Nicht immer sehr genau, aber er arbeitet für Vier», schrieb «ticinonews.ch» nach der Hinrunde. In dieser gelang Lüchinger sein einziges Tor, im November brachte er Chiasso beim 2:2 gegen Wil in Führung.

«Es ist schade, dass er uns verlässt, solche Spieler sehen wir hier sehr gerne», sagt Francesco, der einer von 15 Chiasso-Fans ist, die am Freitagabend in Winterthur Stimmung machen. «Es ist aber nichts Neues für uns, sondern vielmehr unser Schicksal, dass wir Leihspieler bekommen und die auch wieder abgeben müssen.» Einzelnen Spielern nachzutrauern sei deshalb falsch. Francesco freut sich aber drüber, dass Lüchinger ins Wallis wechselt: Die Fans von Chiasso und Sion verbindet eine 15-jährige Freundschaft.

Nicolas Lüchinger muss von der Bank aus zusehen, wie sich die Teams zum Saisonende nicht mehr weh tun und sich 0:0 trennen. Er war seit Mitte März verletzt und figurierte zum ersten Mal überhaupt wieder im Aufgebot – ein Einsatz zum Abschied von den Rossoblù war ihm aber nicht vergönnt.

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