FUSSBALL: Mit Schmerzen auf der Bank

Mit dem verdienten 4:2-Sieg gegen Rebstein macht der FC Rheineck einen grossen Schritt zum Ligaerhalt. Für Trainer Elia Marino ist aber noch nichts entschieden.

Beni Bruggmann
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Trainer Elia Marino leidet mit, während der FC Rheineck den FC Rebstein niederringt. (Bild: Ulrike Huber)

Trainer Elia Marino leidet mit, während der FC Rheineck den FC Rebstein niederringt. (Bild: Ulrike Huber)

Beni Bruggmann

Seit dieser Rückrunde sitzt bei Rheineck der 43-jährige Elia Marino als Trainer auf der Bank. Sitzen ist nicht ganz richtig: Ein­- mal steht er vor der Bank, dann sitzt er wieder. Dieser Wechsel hat aber nichts mit der bekannten Ruhelosigkeit eines Trainers zu tun. Er leidet seit einem schweren Berufsunfall an starken Rückenschmerzen.

Früher hat Marino leidenschaftlich Fussball gespielt, heute ist er froh, wenn ihn seine Assistenten beim Training unterstützen. Früher hat er Extrem­- sport betrieben, hat das «Tough Guy Race» bestritten, das Rennen für die harten Kerle, das jeweils im Januar in Wolverhampton über 15 Kilometer führt und mit 21 schwierigen Hindernissen bestückt ist. Heute ist er froh, wenn er die paar Meter vom Clubhaus auf die Spielerbank schmerzfrei zurücklegen kann. Früher hat er als Kranführer hoch oben in der Kabine gearbeitet, heute hilft er im Notfall am Kran aus, unten, am Boden, für zwei, drei Stunden.

Ein schwerer Unfall auf einer Baustelle

Im Februar 2015 gerät er auf einer Baustelle in Rorschacherberg unter eine 300 Kilo schwere Platte. Er wird schwer verletzt und sagt im Rückblick: «Ich habe grosses Glück gehabt.» Elia Marino ist heute noch nicht arbeitsfähig, geht regelmässig zur Therapie.

Mit seinen 1,85 Metern ist er äusserlich eine stattliche Person. Im Gespräch wirkt der italienisch-schweizerische Doppelbürger herzlich, fröhlich, lebenslustig. Elia Marino sagt: «Ich habe Freude am Helfen.» So hat er mit Kollegen letztes Jahr Geld gesammelt für die Erdbebenopfer im italienischen Amatrice. Die 8000 Franken haben sie grad selbst an Ort und Stelle gebracht und verteilt. Und so hat er auch dem FC Rheineck geholfen in diesem Frühling, als der Verein beim Rückrundenstart ohne Trainer dastand. Schliesslich hat er das Trainer-B-Diplom.

Elia Marino ist in Biel aufgewachsen. Als er sechs war, zogen seine Eltern nach Italien. Dort hat er die Schule besucht, die Lehre als Automechaniker gemacht, ein Jahr Militärdienst absolviert und Fussball gespielt: «In Lecce habe ich in der vierthöchsten Liga gespielt, als Stürmer», sagt er. Dann kehrte er in die Schweiz zurück. Mittlerweile ist er mit Cinzia, einer Italienerin, verheiratet. Raoul (18), Sabrina (17) und Jan (15) sind ihre Kinder. Die Familie wohnt in Rheineck.

Marino war fünf Jahre lang Nachwuchstrainer in Wil

Fünf Jahre lang ist er Nachwuchstrainer beim FC Wil. «Der Verein hat in Sachen Nachwuchsförderung einen guten Ruf», sagt er. Teilweise trainiert er seinen Sohn Raoul, der heute auch zum Kader des FC Rheineck gehört.

Der Unfall beendet das Engagement in Wil. Jetzt steht (und sitzt) er doch wieder am Spielfeldrand. «Fussball muss Spass machen», sagt er. Im Spiel gegen Rebstein ruft er die Anweisungen auch einmal laut aufs Feld, sucht aber immer das Positive. Seine Mannschaft zeigt eine optimistische Leistung mit zügigem Spiel nach vorn. Nach dem Sieg strahlt er: «Wir haben den Sieg richtig erkämpft. Es ist schön, so eine Mannschaft zu trainieren.»

Für diese Rückrunde hat er noch zwei Ziele: «Ich will den Abstieg verhindern. Wir müssen nochmals Vollgas geben. Und schön wäre es, einmal alle Spieler zur Verfügung zu haben. Ich habe so viele Verletzte.» Eigentlich wäre es logisch, dass Elia Marino seine Rheinecker auch im nächsten Jahr betreut. Aber das ist noch offen. «Wir reden, wenn die Saison abgeschlossen ist. Es gibt neben dem Sport ein weiteres Thema: Die Gesundheit.»

Im Juni hat er einen nächsten Arzttermin: «Ich weiss gar nicht, in welche Richtung es geht. Vielleicht erwartet mich nochmals eine Operation.» Es muss einen Schritt vorwärts gehen. Schliesslich hat er einen ganz grossen Wunsch: «Ich möchte wieder voll arbeitsfähig sein.»

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