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FUSSBALL: Fussball als Integrationshilfe

Die Familie Heydari musste aus Afghanistan fliehen. Seit Frühling 2016 lebt die Flüchtlingsfamilie in Montlingen und vier der fünf Söhne spielen beim dortigen FC.
Dominik Sieber
Die Familie Heydari fühlt sich auch dank den Bekanntschaften durch den Fussballclub wohl in Montlingen. (Bild: dsi)

Die Familie Heydari fühlt sich auch dank den Bekanntschaften durch den Fussballclub wohl in Montlingen. (Bild: dsi)

Dominik Sieber

Die Flüchtlingsthematik betrifft auch die Gemeinde Oberriet und ihr Umfeld. Seit Frühling 2016 spielen die Brüder Taghi, Hos­seyn ,Mostafa und Reza Heydari Fussball auf dem Kolbenstein. Die vier Geschwister spielen bei den E-, D-, C- und B-Junioren. «Uns macht es sehr viel Spass beim FC Montlingen Fussball zu spielen», sagt Reza der älteste Sohn der siebenköpfigen Familie.

Familie mit langer Leidensgeschichte

Die Leidensgeschichte der Familie begann bereits früh. Vor rund zehn Jahren musste die Familie aus Afghanistan fliehen, da die Taliban ihr Haus in Sanagkisch niedergebrannt haben. Mit einem professionellen Schlepper landete die junge Familie in Iran. Im Land in Vorderasien lebte die Familie neun Jahre, als schliesslich die Leidensgeschichte um ein Kapitel grösser wurde: Die Familie hatte keine gültigen Pässe für den Iran und wurde aufgefordert, das Land in Richtung Heimatland zu verlassen. Die Familie entschied sich deshalb zu flüchten, mit dem Ziel Europa. Sie flüchtete via Türkei auf die griechische Insel Lesbos, die gegenüber der türkischen Küste nahe Istanbuls liegt. Die Flucht über das Mittelmeer erfolgte mit Schlepperbooten, war chaotisch und lebensgefährlich. «Nach der Ankunft in Griechenland habe ich meine Familie verloren und musste von dort an alleine weiterreisen», sagt Reza Heydari. «Ich wollte mir ein Ticket für ein grosses Schiff kaufen, das nach Athen fuhr. Darauf musste ich acht Tage warten, bis ich weiterfahren durfte», erzählt der junge Afghane weiter. In Athen ging die Reise weiter via Bus und zu Fuss über Albanien bis nach Mazedonien und Serbien. Dann landete der damals 14-Jährige in Ungarn. Er war zwar immer noch ohne seine Familie unterwegs, aber mit anderen Flüchtlingen. In Ungarn wurde er gar für drei Tage verhaftet. «Nach dem Aufenthalt im Gefängnis schaffte ich es nach Österreich.

Familie kam in der Schweiz wieder zusammen

Einige Tage später gelang es mir mit dem Zug via Wien nach St. Margrethen zu kommen», erzählt Heydari weiter. Kurze Zeit blieb der Jugendliche in Rheineck, bevor er weiter nach Altstetten im Kanton Zürich gehen musste. Da bekam er die Meldung, dass auch seine Familie den Weg in die Schweiz geschafft habe. Die Heydaris lebten anschliessend in Rapperswil und Rheineck, bevor sie im Frühling 2016 nach Montlingen kamen. Im oberrheintalischen Dorf lebt die Familie in einer Wohnung im ehemaligen Restaurant Kreuz. «Die ersten zwei Monate waren schwierig für mich und die Familie in Montlingen. Wir hatten es zu Beginn schwer, Freunde zu finden. Mittlerweile sieht das ganz anders aus», sagt Reza Heydari.

Fussball als wichtiger Bestandteil der Integration

Die vier grossen Knaben gehen alle in Montlingen in die Schule. Schon dort haben sie oft Fuss­- ball gespielt, sodass sich die Schule beim Fussballclub meldete. Der FC Montlingen nahm die Jugendlichen gerne auf, so spielen Taghi, Hosseyn, Mostafa und Reza nun Fussball im Verein. «Es ist toll, hier in einem Club spielen zu können. Im Iran gab es keine Fussballvereine und daher sind wir glücklich, hier unser Hobby ausleben zu können», sagt Reza Heydari. Auch Angelo Bont, der Leiter der sozialen Dienste der Gemeinde Oberriet, ist froh, hat der FC Montlingen die Knaben aufgenommen: «Die Vereine leisten einen sehr wichtigen Anteil der Integration, wenn sie Flüchtlinge aufnehmen. So lernen sie die Sprache besser und können am sozialen Leben der Gemeinde teilnehmen.» Der Fussball ist aber auch ideal für die Integration, da er auf der ganzen Welt bekannt ist.

Für den FCM war es von Anfang an klar, die Jugendlichen aufzunehmen: «Bei uns ist jeder willkommen, Fussball zu spielen, egal welche Hautfarbe, Nationalität oder welchen Status er hat. Wir leben nach dem Motto unseres Labels «Sport-verein-t», sagt Präsident Patrick Zäch. Im Frühling 2017 hat der FC Montlingen die Verlängerung des Labels für weitere drei Jahre erhalten. In einer Charta werden dabei fünf Zielsetzungen zu den Kernthemen Organisation, Ehrenamtsförderung, Integration, Gewalt-/Konflikt- und Suchtprävention sowie Solidarität definiert.

Im Sinne von «Sport-verein-t»

Vereine, die diese Charta als Ehrenkodex anerkennen und überzeugende Massnahmen zu deren Umsetzung ergreifen, werden von der IG St. Galler Sportverbände mit dem anerkannten Qualitäts-Label «Sport-verein-t» ausgezeichnet.

Reza Heydari spielt mittlerweile bei den B-Junioren des FC Montlingen und geht in die zweite Oberstufe in Montlingen. Für den Jugendlichen geht es nun darum, eine Lehrstelle zu suchen: «Ich würde sehr gerne Elektriker werden. Ich hoffe ich finde eine Lehrstelle, um meinen Traumberuf ausüben zu können», sagt Reza Heydari. Zu wünschen wäre es dem jungen Afghanen, dass sein Traum in Erfüllung geht. (Der Text wurde von der Saisonzeitung des FC Montlingen zur Verfügung gestellt.)

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