FUSSBALL: Er tanzt nur eine halbe Stunde lang

Der FC St. Margrethen hält gegen den ungeschlagenen Leader Weesen ausgezeichnet mit, unterliegt aber schliesslich doch mit 2:3. Stürmer Rijad Abazi kann seine Qualitäten nur am Anfang zeigen, nach 57 Minuten muss er das Feld verletzt verlassen.

Beni Bruggmann
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Rijad Abazi ist beim FC St. Margrethen in der Offensive eine tragende Kraft. Gegen Weesen erlebte er ein bitteres Spiel. (Bild: Beni Bruggmann)

Rijad Abazi ist beim FC St. Margrethen in der Offensive eine tragende Kraft. Gegen Weesen erlebte er ein bitteres Spiel. (Bild: Beni Bruggmann)

Beni Bruggmann

«Er ist technisch einer der Besten in dieser Liga, spielt kreativ und ist ein Supertyp», sagt St. Margrethens Trainer Didi Metzler über seinen Stürmer mit der Nummer 10, über den 24-jährigen Albaner Rijad Abazi. Und ergänzt dann: «Er ist für mich ein Wunschspieler.»

In den ersten 26 Minuten des Spiels gegen Leader Weesen sieht man die Worte des Trainers bestätigt. Abazi ist im Element. Er kämpft nicht, er tanzt. Er führt den Ball nicht, er streichelt ihn. Er schiesst nicht mit roher Kraft, sondern mit Raffinesse – und trifft in der 20. Minute nur die Latte. Er setzt seine Mitspieler mit geschickten Aussenristpässen ein. Er ist blitzschnell, und wenn drei Gegner seinen Spielraum einengen, löst er sich elegant mit einer Körpertäuschung. Man sieht Spielwitz, spürt Spielfreude. Und man verzeiht ihm, dass er gelegentlich zu ballverliebt ist.

Auswechslung wegen einer hartnäckigen Zerrung

In der 26. Minute liegt Abazi am Boden. Der Grund ist eine Zerrung im rechten Oberschenkel. Nach gründlicher Pflege kommt er wieder aufs Feld. Aber das ist nicht mehr der Abazi der ersten halben Stunde. Dauernd greift er an den Oberschenkel. Er riskiert nichts mehr – und hat doch noch Erfolg: Kurz vor der Pause öffnet er mit einem feinen Zuspiel seinem Mitspieler Sevalj Ljatifi den Weg zum verdienten 1:0. In der zweiten Halbzeit versucht er es nochmals, aber eine grosse Stütze ist er nicht mehr. In der 57. Minute erlöst ihn der Trainer und holt ihn vom Feld.

Das Spiel endet mit einer herben Enttäuschung. Durch ein Kopftor von Mario Zivic führt St. Margrethen bis weit in die zweite Halbzeit hinein mit 2:1, doch zwei späte Gästetore bringen die Wende.

In St. Margrethen daheim, beim FC gross geworden

Rijad Abazi kommt als Sechsjähriger in die Schweiz, zuerst nach Mels, später nach St. Margrethen, wo er heute noch bei seinen Eltern wohnt. Er geht im Dorf zur Schule.

«Wir haben uns gut verstanden, Schweizer und Ausländer», sagt er, «das Zusammenleben war für uns kein Problem.» Er spricht heute gut Deutsch und kann ebenso gut Albanisch, das er als seine Muttersprache bezeichnet. Natürlich spielt er in seiner Freizeit Fussball. Fast immer beim FC St. Margrethen, nur unterbrochen durch zwei kurze Abstecher zu Au-Berneck. Er arbeitet als Logistiker bei Leica Geosystems.

In seiner besten Saison, als St. Margrethen noch eine Liga höher spielte, erzielte er elf Tore. «Aber ich bin nicht der Reali­sator», sagt er, «ich bin der Vorbereiter. Es gefällt mir, die offensiven Freiheiten zu nutzen und das Spiel zu gestalten.» Die frühe Zerrung beendet dieses Vorhaben. Er versteht dieses Missgeschick nicht: «Ich bin fit. Ich gehe neben dem normalen Training noch zwei-, dreimal ins Fitness, weil ich mich dann so richtig wohl fühle.» Beruf, Fussball, Fitness. Eine Freundin hat im Moment keinen Platz in seinem Leben.

Abazi sagt: «Didi war mein Ziehvater»

Wer oft am Ball ist, wird vom Gegner besonders stark attackiert. Das ist auch diesmal so. Gelegentlich wird Abazi gefoult. Er revanchiert sich nicht. Das war am 7. Mai 2015 beim Heimspiel gegen Frauenfeld anders: In der 87. Minute wird er wegen Spielerbeleidigung vom Platz geschickt. Ans erste Tor bei den «Grossen» erinnert er sich nicht mehr, an den ersten Platzverweis schon: «Das war die einzige Rote Karte bis heute.»

Aber natürlich erinnert er sich an den Trainer, der ihn in die erste Mannschaft geholt hat. Das war damals der gleiche wie heute, Didi Metzler. Er sagt: «Ich war Siebzehn. Didi hat auf mich gesetzt. Das war ein gutes Gefühl.» Ist Metzler also sein Wunsch­trainer? Mit der Antwort beweist Rijad Abazi Dankbarkeit und Sprachkenntnis: «Didi war mein Ziehvater.»