FUSSBALL: Die zweite Halbzeit in der Disco

Widnau II verliert das fünfte Spiel in Folge, diesmal mit 0:4 in Teufen. Der rechte Flügel Veprim Krasniqi spielt nur in der ersten Hälfte. In der folgenden Nacht findet man ihn im Club «Sender» in Lustenau.

Beni Bruggmann
Drucken
Teilen
Veprim Krasniqi, rechter Flügel von Widnau II, ist auch als DJ Viper bekannt: Er legte schon an exklusiven Orten auf. (Bild: Beni Bruggmann)

Veprim Krasniqi, rechter Flügel von Widnau II, ist auch als DJ Viper bekannt: Er legte schon an exklusiven Orten auf. (Bild: Beni Bruggmann)

FUSSBALL. «Ich spiele ganz sicher nie in der ersten Mannschaft des FC Widnau», sagt Veprim Krasniqi und schmunzelt. Dafür sei er wirklich zu wenig gut, ergänzt er.

Mit seinen 34 Jahren ist er Realist. In seiner Fussball-Laufbahn hat er es nur für ganz kurze Zeit in ein erstes Team gebracht. Das war beim FC Haag in der 3. Liga. Sonst ist er in den zweiten Teams daheim: St. Margrethen, Rebstein, und jetzt seit vier Jahren im Widnauer «Zwoa».

Veprim Krasniqi, Sohn kosovarischer Eltern, ist in Altstätten zur Welt gekommen. Er ist dort zur Schule gegangen, hat bei den Junioren Fussball gespielt und wohnt heute – er ist verheiratet – immer noch dort. Er arbeitet in Widnau bei der Firma Plaston in der Spedition. Gerne treibt er Sport; auf Rollerblades fühlt er sich wohl, gelegentlich geht er joggen.

Trotz der Krise: Er vertraut dem Trainer

Bei den Reserven des FC Widnau gefällt es ihm besonders gut, obwohl die momentane Situation schwierig ist: Die letzten fünf Spiele hat Widnau II mit einem Torverhältnis von 3:23 alle verloren und ist von der Ranglistenspitze bis an den Strich gerutscht. Resignation ist bei Krasniqi aber nicht zu spüren – im Gegenteil: «Wir haben miteinander eine wunderbare Zeit in der 4. Liga erlebt», schwärmt er, «und haben über ein Jahr lang nie verloren! Wir haben dann miteinander den Aufstieg in die 3. Liga gefeiert. Dort gelang uns dieser Traumstart mit zehn Punkte aus den ersten vier Spielen.»

In den weiteren sieben Partien vor der Winterpause holte Widnau II dann nur noch einen Punkt. Doch über die Tabellenlage mag Veprim Krasniqi nicht lamentieren. Natürlich aber kommt ihm die Winterpause jetzt gelegen. «Ich habe Vertrauen in den Trainer und ins Team. Giuseppe Giuliano, der Trainer, tut uns allen gut. Er glaubt an uns. Jetzt werden wir uns neu orientieren und starten im nächsten Frühling mit neuem Schwung in die Rückrunde.» Vom ursprünglichen Saisonziel, dem achten Platz, ist er abgerückt: «Jetzt müssen wir den Ligaerhalt zum Ziel haben», sagt er.

Was kann Krasniqi selbst dazu beitragen? Neben der guten Einstellung braucht es natürlich auch die Leistung auf dem Feld. In dieser ersten Halbzeit in Teufen spielt er auf dem rechten Flügel. Er wirkt dort etwas verloren und bekommt wenige Bälle, aber er sagt: «Das ist meine liebste Position.» In den ersten 45 Minuten geraten die Rheintaler 0:4 in Rückstand. Nach dem dritten Tor wird der besonnene rechte Flügel plötzlich laut: «Haued emol die Bäll weg!»

In der zweiten Halbzeit lässt sein Team kein Gegentor mehr zu. Das ist in der aktuellen Situation ein kleines Erfolgserlebnis.

Der Rechtsfüsser spielt diszipliniert. In eine der wenigen guten Szenen ist er einbezogen, sein Kopfball nach einem Eckball wird aber zur Seite gelenkt. Wenn er eingesetzt wird, merkt man plötzlich, dass er schnell ist.

Disco-Glitzerwelt gegen Rheintaler Fussballplätze

«Ich bin ein Läufer», sagt er. Wenn er den Ball hat, versucht er, rasch und genau zu spielen. «Ich bin ein Zuspieler», ergänzt er. Einem Mitspieler den Pass geben, das heisst im Fussball auch «auflegen». Dieses Wort passt zu Veprim Krasniqi und seinem Hobby. Er legt nämlich auch neben dem Fussball auf: In der Disco.

Nach dem Spiel geht er mit den Kollegen zur Abschiedsfeier von Torhüter und Assistenztrainer Dominik Hutter. Nachher fährt er nach Lustenau in den «Sender». Eine Stunde nach Mitternacht beginnt der Auftritt von DJ Viper, wie er sich nennt. Zwei Stunden lang legt er auf. Man kennt ihn aber nicht nur in Lustenau: «Ich habe schon in Sharm el Sheikh, Dubai und Moskau aufgelegt.» Die Destinationen des DJ sind etwas nobler als die des Fussballspielers, der in Appenzell oder Wittenbach oder Teufen auftritt.

Aktuelle Nachrichten