FUSSBALL: Die schönen Erinnerungen bleiben

In loser Folge werden hier Urgesteine des Rheintaler Sports vorgestellt: Flinke Funktionäre und tüchtige Helfer in den Vereinen. Heute wird der «ewige» Schiedsrichter Kurt Weder (71) aus Diepoldsau porträtiert.

Gerhard Huber
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Der junge Kurt Weder (r.) durfte schon bald bekannten Schiedsrichterlegenden assistieren, wie hier mit René Kellenberger. (Bild: pd)

Der junge Kurt Weder (r.) durfte schon bald bekannten Schiedsrichterlegenden assistieren, wie hier mit René Kellenberger. (Bild: pd)

Gerhard Huber

Jedes Mitglied der Rheintaler Fussballfamilie kennt Kurt Weder. Das Schiedsrichtern ist sein Leben. Noch heute, im stolzen Alter von 71 Jahren, gibt es kaum ein Grümpel-, Firmen- oder Juniorenturnier, an dem er nicht in seine Pfeife trillert. Wo der Fussball ist im Rheintal, ist seit 1966 auch Kurt Weder. Alle kennen ihn. Und er kennt natürlich auch andere in dieser Serie bereits porträtierte «Sport-Urgesteine» bestens.

«Ich habe viele Male die Teams von ‹Mämf› Bischofberger aus Rebstein gepfiffen, als er Trainer war. Ein sehr guter Trainer. Und natürlich kenne ich auch Schwalbenkönig Peter ‹Fips› Sonderegger aus Widnau. Der hat die Penaltys in der 1. Liga herausgeschunden wie kein Zweiter. Das könnte man heute nicht mehr so bringen.»

Kurt Weder war schon immer Diepoldsauer und wohnt noch heute nur eine Strasse von seinem Elternhaus entfernt. Er hatte eine glückliche Kindheit und kam mit allen gut aus. Ausser mit einem Pferd. Denn dieses hat ihn einmal gegen die Stirn getreten, als er gerade sieben Jahre alt war. Ein schwerer Unfall, denn es folgte ein längerer Krankenhausaufenthalt und ein Jahr Pause in der Schule.

«Der Pferdetritt hatte aber keine dauernden Folgen. Ich konnte dann die Schule und Lehre beim Schlosser Zellweger, der seine Werkstatt auch nur ein paar Meter entfernt von meinem Elternhaus hatte, absolvieren. Nach dem Lehrabschluss bin ich dann zu Menzi Muck in Widnau, wo ich gleich 24 Jahre geblieben bin, dann fünf Jahre bei Köppel und Söhne, die Röhren gemacht haben. Und zum Schluss bis zur Pension noch 14 Jahre bei Köppel Natursteine.»

Neben der Arbeit war die Schiedsrichterei für Kurt Weder die schönste Nebensache der Welt. Begonnen hat er natürlich selbst als Kicker. Doch schon als junger Mann bei den Junioren B hatte er Probleme mit den Knien. Da gab ihm Oskar Indermaur aus Berneck den Tipp, er soll es doch mit der Pfeiferei probieren.

«Da habe ich nicht lange nach­gedacht, da war ich gleich dafür. Und als ich 1966 aus der Rekrutenschule entlassen wurde, musste mich mein Vater in Herisau vom Zug abholen, damit ich den am gleichen Nachmittag stattfindenden Schiedsrichter-Lehrkurs nicht verpasse. Den ersten offiziellen Match habe ich in Liechtenstein und zwar in Vaduz gepfiffen. Da hat mich ein altgedienter Schiri-Kollege, den ich vorher nicht kannte, in der Halbzeit gefragt, wie lange ich denn schon als Unparteiischer pfeife. Als ich ihm sagte, dass es mein erstes Spiel sei, konnte er es kaum glauben – meine Leistung sei super und tadellos. Wir sind dann nach dem Match so lange verhockt, dass ich meinen Zug versäumt habe.»

Die Schiedsrichterkarriere führte den Diepoldsauer dann über die Viert-, Dritt- und Zweitliga von 1982 bis 1985 bis in die 1. Liga, die damalige «Oberliga». Dort pfiff er viele Spiele im Tessin und musste an den Wochenenden bis nach Olten, Cham oder Luzern fahren. Nach dem Abenteuer Erstliga blieb er bis 1994 den zweiten Ligen als «Schwarzer Mann» erhalten. Es folgten noch drei Jahre in der dritten Liga, bis seine Karriere als Unparteiischer bei den Senioren- und Veteranenspielen ausgeklungen ist. Seit 2015, als er mit 68 Jahren die für die pfeifende Zunft geltende Altersgrenze erreicht hatte, darf er keine OFV-Spiele mehr leiten.

«Schlechte Erlebnisse gab es nicht viele. Die vergisst man am besten. Wie das einzige Mal, als ich tatsächlich im Tessin mit Fusstritten körperlich attackiert wurde. Es bleiben die schönen Erinnerungen. So etwa mein Einsatz als blutjunger Schiri im Liechtensteiner Cupfinal 1976. Oder als ich für Schiedsrichtergrössen wie Urs Meier oder René Kel­lenberger als Linienrichter fungieren durfte. Oder meine Teilnahme als Linienrichter am Länderspiel Liechtenstein gegen China 1982, das Liechtenstein mit 2:0 gewonnen hat. Ein grosser Wermutstropfen in meiner Karriere war aber meine Rückstufung aus der ersten Liga. Nicht weil ich schlecht gepfiffen hätte. Sondern weil ich einen gros­- sen Fehler gemacht habe. Ich habe mich schriftlich beim Schweizer Verband über einen unfähigen und unfairen Inspizienten beschwert. Das darfst du nie machen. Und schon gar nicht als Ostschweizer. Da bist du beim Verband unten durch. Ob du recht hast oder nicht. Denn gerade wir Rheintaler haben immer etwas Mühe gehabt, wurden als ‹Dörfler› nicht ganz ernst genommen.»

Kurt Weder ist heute noch topfit. Er hatte nie schwere Verletzungen. Zweifellos trainieren die aktuellen «Pfeifenmänner» intensiver und härter wie früher und haben regionale Trainingsgruppen, in denen sie regelmässig auf ihre Fitness geprüft werden. Doch Kurt Weder hat sich immer mit zusätzlichen Trainingseinheiten fit gehalten. Was er auch heute noch macht. Mindestens zweimal in der Woche ist er mit einer Gruppe Gleichgesinnter mit dem Velo oder beim Wandern unterwegs.

«Ja, ich hätte auch mit 68 Jahren den Fitnesstest für die Schiedsrichter noch spielend bestanden, aber da gibt es einfach die Altersbeschränkung, die man akzeptieren muss. Heuer habe ich schon bei fünf CS-Cups für die Schüler, bei eini­-gen Hallenturnieren und den C-Junioren gepfiffen. Und natürlich bei den vielen Grümpelturnieren im Rheintal. Denn auch dort musst du inzwischen nach Möglichkeit auf Ballhöhe sein und kannst nicht in der Spielfeldmitte stehen bleiben.»

Seine Gattin Agnes, die er damals beim Bildhauer Eberle in Widnau, wo sie gearbeitet hatte, über den Hinweis eines Arbeitskollegen von Menzi Muck kennenlernte, hatte die notwendige Geduld mit ihrem Gatten, der die Wochenenden in seiner damals schwarzen Uniform pfeifend auf den Fussballplätzen der Ostschweiz verbrachte. Weder hat zwei erwachsene Söhne. Doch zurück zum Schiedsrichtern.

«Ich bin immer noch Schiedsrichter-Obmann beim FC Diepoldsau-Schmitter. Und das werde ich bleiben, solange es mich gibt. Gerade jetzt haben sich wieder junge Leute mit 15 Jahren gemeldet. Der FC Diepoldsau-Schmitter war schon immer mein Verein, bei dem ich viel erlebt habe. ‹Kannst du, machst du›, da wird viel zusammengeholfen. Seit wir Roman Müller als Präsident haben, ist alles nur positiv. Im Vorstand lauter richtig junge Kerle, die mit neuen Ideen etwas vorbringen. Es läuft richtig gut. Für unser Fanionteam kann das Ziel im ersten Jahr in der 2. Liga nur lauten: Ligaerhalt. Die Spieler sind sicher zweitligafähig und Engelbert Hutter und sein Co Dursun Karatay sind gute Trainer und tolle Leute. Wichtig wird sein, im Herbst genug Punkte zu machen, um sich etwas aus der Abstiegszone zu entfernen.»