Für die Zukunft gesichert

RÜTHI. Mit gezielten Pflegemassnahmen hat das Naturschutzgebiet Katzer eine Aufwertung erfahren. Diese dienen der Förderung der Vielfalt und dem langfristigen Erhalt des Gebietes, das für die Vernetzung von Talebene und Hanglagen von grosser Bedeutung ist.

Meinrad Gschwend
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Das Gebiet zeichnet sich durch ein interessantes Nebeneinander von Gewässern, Wiesenflächen und Hecken aus. (Bild: pd)

Das Gebiet zeichnet sich durch ein interessantes Nebeneinander von Gewässern, Wiesenflächen und Hecken aus. (Bild: pd)

Das Rüthner Naturschutzgebiet Katzer bietet auf rund fünf Hektaren ein wertvolles Nebeneinander von Riedwiesen, Wasserläufen, Wald, Hecken und Einzelbäumen. Typisch sind die Wassergräben. Diese führen auch in den trockensten Sommern stets Wasser.

Langfristiger Erhalt

Seit Jahrzehnten steht dieses Gebiet an der Grenze zu Lienz unter Schutz und wird sorgfältig gepflegt. Nun ist das Gebiet buchstäblich in die Jahre gekommen, was sich vor allem beim Baumbestand zeigt. Dieser ist im Verlaufe der Jahrzehnte umfangreicher geworden. Die Bäume wurden grösser. Genau dies führt im konkreten Fall zu unerwünschten Nebenwirkungen. Konkret: Die wertvollen Riedwiesen drohten einzuwachsen, Gräben und Wasserlöcher wurden überwachsen und drohten zu verschwinden. Weiter wurden durch das Aufkommen nicht standortgerechter Baumarten einheimische Arten verdrängt.

Die verschiedenen Gefährdungen machten einen Eingriff nötig. Dieser Eingriff wollte wohlüberlegt sein, um mit einem kleinstmöglichen Aufwand eine grösstmögliche Wirkung zu erzielen. Dies war nur möglich, indem die verschiedenen Akteure zusammenspielten. Da sind zu nennen der Ornithologische Verein Rüthi, der einen Teil des Gebietes pflegt; die Bauern, die die Riedwiesen mähen, die Forstgemeinschaft Rüthi-Lienz AG und die Politische Gemeinde Rüthi. Weitere Partner waren auch die Vereinigung Lebensraum Rheintal und die Schweizerische Stiftung für Vogelschutzgebiete, die das Projekt mit einem finanziellen Beitrag unterstützte, und schliesslich die Waldregion 2 (Rheintal-Werdenberg), die den entscheidenden Input gab.

Beim Baumbestand angesetzt

Bei der Waldregion absolvierte der angehende Förster Jon Signorell ein Praktikum. Im Rahmen dieser Tätigkeit arbeitete er für den Katzer ein Projekt aus. Dieses war so überzeugend, dass es rundum auf Zustimmung stiess und zügig umgesetzt wurde. Dass ein Förster das Projekt ausarbeite, kommt nicht von ungefähr. Denn die Wiesen dieses Schutzgebietes waren wohl regelmässig gemäht worden. Doch an den Bäumen war wenig gemacht worden. Genau dies hatte Folgen.

Einerseits war der Baumbestand überaltert, wodurch Vitalität und die Stabilität eingeschränkt wurden. Andererseits nahmen durch zunehmende Bewaldung Sonneneinstrahlung und die Wärme auf dem Boden ab. Dadurch wurden Pflanzenarten, die auf Licht und Wärme angewiesen sind, verdrängt. Gleichzeitig war festzustellen, dass die wasserführenden Gräben durch das Wurzelwerk der Bäume immer mehr zu wuchsen. Weiter war eine zunehmende Verbuschung der Riedwiesen festzustellen.

Asthaufen als Lebensraum

Genau da setzte die Arbeit an. Die Mitarbeiter der Forstgemeinschaft Rüthi-Lienz AG entfernten einzelne Bäume und setzten Gebüschgruppen, wie etwas Hasel, auf den Stock. Die Waldränder wurden mit Abstufungen aufgewertet. Bäume, die den Wasserfluss behinderten, wurden zugunsten der Gewässer entfernt. Nicht alles geschlagene Holz wurde entfernt. Bewusst wurden Asthaufen aufgeschichtet. Dieses Totholz dient zahlreichen Tieren als Lebensraum und Nahrungsgrundlage und trägt damit zu einer zusätzlichen ökologischen Aufwertung bei.

Ein Grossteil der Arbeiten wurde im letzten Winter ausgeführt, doch noch nicht alles. Da es nicht kalt genug war, wurde auf das Fällen einiger grosser Bäume verzichtet. «Weil der Boden nicht gefroren war, hätte man am Land zu grossen Schaden angerichtet», führt Revierförster Sascha Kobler aus. Diese Arbeiten werden – sofern es kalt genug ist – im nächsten Winter gemacht.

Beispielhaft

Gemeindepräsident Thomas Ammann, Gemeinderätin Monika Eggenberger, Präsidentin der Naturschutzkommission, und Revierförster Sascha Kobler sind sehr erfreut über das Resultat der Aufwertung. Ganz besonders über das gute Zusammenspiel der einzelnen Anspruchsgruppen. «Dass Landwirtschaft, Forst und Naturschutz in unkomplizierter Form am gleichen Strick ziehen, ist beispielhaft. Davon profitieren alle, ganz besonders die Natur», freut sich Thomas Ammann.