Fünfeinhalber fürs Engagement

Anlässlich der Bilanz-Pressekonferenz gestern bei SFS Heerbrugg stellte CEO Heinrich Spoerry seinen designierten Nachfolger Jens Breu vor. Er ist aktuell COO, Leiter des operativen Geschäfts. Breu gab uns nachstehendes Interview.

René Schneider
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Jens Breu, COO SFS (Bild: Michel Canonica)

Jens Breu, COO SFS (Bild: Michel Canonica)

Der 41-jährige Jens Breu verkörpert die Stärken des dualen Bildungssystems der Schweiz, für das auch SFS und die Hans-Huber-Stiftung einstehen. Breu wuchs in Heiden auf, machte bei Presta in Oberegg eine Werkzeugmacher-Lehre, wurde Ingenieur, wechselte als Werkzeug-Entwickler zu SFS, wurde Projektleiter, lebte samt Familie während acht Jahren in den USA, machte einen MBA-Abschluss, leitete dort zuletzt ein SFS-Unternehmen.

Jens Breu, Sie sind offenbar vom Stift zum Chef aufgestiegen oder nachgerückt worden. Was trifft zu?

Jens Breu: Sagen wir es so: Ich durfte in der SFS-Gruppe stetig mitwachsen.

SFS wird immer globaler. Behält der Standort Heerbrugg seine Bedeutung?

Breu: Ja. Innerhalb der Gruppe wird der wichtige und tragende Standort Heerbrugg die Relevanz behalten. Hier erarbeiten wir für die ganze Gruppe die Technologien und Verfahren der Zukunft.

Aber produziert wird dann anderswo und weltweit?

Breu: Produziert wird nach wie vor hier und anderswo auf der Welt. Dadurch können wir das, was wir erarbeitet haben, auf mehreren Plattformen nutzen. Die globale Präsenz ist eine Stärke von uns und entspricht einem Bedürfnis unserer Kunden.

Das Unternehmen hat sich neu organisiert und nur noch drei Bereiche. Hat das Auswirkungen auf die Belegschaft in Heerbrugg?

Breu: Es bedeutet für die Mitarbeitenden und die Teams eine stärkere Fokussierung. Es fallen viele Beschränkungen weg, die sich aus der komplizierteren Struktur ergaben. Wir haben mehr Zeit und Energie für die Kunden und unsere Produkte.

Das Unternehmen macht nur noch einen Viertel seines Umsatzes in der Schweiz. Ist die Tendenz weiter sinkend?

Breu: Wir haben das Ziel, den Umsatz auch in der Schweiz zu steigern. Aber je stärker das Unternehmen international wächst, desto kleiner ist der Prozentsatz des nationalen Umsatzes.

Ist das auch bei der Zahl der Beschäftigten so?

Breu: Die Zahl der Beschäftigten wird in der Schweiz stabil bleiben. Ich bin auch in diesem Punkt optimistisch für die Zukunft. Wir haben eine motivierte Belegschaft. Darauf bauen wir.

30 Mio. Franken, etwa 40 Prozent der Investitionen weltweit, hat SFS im letzten Jahr hier im Rheintal ausgegeben. Wofür?

Breu: Vor allem für neue Entwicklungsprojekte, die damit verbundene Erweiterung des Maschinenparks und für Kapazitäts-Erweiterungen.

An welchen Neuheiten arbeitet SFS aktuell hier in Heerbrugg?

Breu: Die organisatorische Veränderung verstärkt den Blick auf unsere Märkte und Kunden. Und wir arbeiten an verschiedenen Innovationen.

Konkreter?

Breu: Im Baubereich an einer neuen Flachdach-Befestigung, im Automobilbau an einer neuen Generation von Komponenten für Fahrzeugbremsen, und auch in anderen Bereichen arbeiten wir an einer Reihe von Innovationen und Verbesserungen bisheriger Produkte.

Das klingt verheissungsvoll. Werden all die Neuerungen auch in Heerbrugg produziert werden?

Breu: Ja. Und parallel dazu bauen wir international zusätzliche Produktionskapazitäten auf.

Heinrich Spoerry und Finanzchef Rolf Frei nannten sehr viele Zahlen heute. Drücken Sie den Abschluss bitte in einer Schulnote aus.

Breu: (schmunzelt) Mit dem Abschluss 2013 sind wir, na ja, zufrieden. Im Hintergrund aber, in Sachen Engagement und Initiative dürfen wir uns stolz einen Fünfeinhalber geben. Wir sind halt in weiten Bereichen abhängig nicht nur von uns, sondern auch von den Erfolgen unserer Kundschaft. Wenn die europäische Bauindustrie nicht läuft, führt das auch zu einer gewissen Stagnation bei uns.

SFS hat sein oberstes Leitungsgremium von einer Handvoll auf zehn Personen ausgebaut. Musste ein neuer Sitzungstisch gekauft werden?

Breu: Nein. Wir treffen uns noch immer im gleichen Sitzungszimmer und schieben jetzt eben zwei Tische zusammen. Die beiden asiatischen Kollegen sind ohnehin meist lediglich per Video zugeschaltet.

Wird das Gremium auch eine Verjüngung erfahren?

Breu: Das ist ein fortlaufender Prozess, wie er im ganzen Unternehmen gelebt wird. Talente werden gefördert und rücken nach. Bei SFS steht nicht das Durchschnittsalter im Vordergrund, sondern Qualifikation und Talentförderung.

SFS ist offenbar bereit für den Börsengang. Wer drückt den Knopf?

Breu: Die Aktionärinnen und Aktionäre schaffen an der kommenden GV wichtige Voraussetzungen. Der Entscheid liegt beim Verwaltungsrat.

Werden die Gründerfamilien und Hauptaktionäre beim Börsengang ihren Einfluss behalten?

Breu: Ja, Sie haben eine starke Verbundenheit mit dem Unternehmen, und sie werden weiterhin im Verwaltungsrat der Gruppe vertreten sein. Das hohe persönliche Engagement wird bleiben.

Welche Auswirkung hat die Annahme der «Abzockerinitiative» auf SFS?

Breu: Die Minder-Initiative hatte kaum Auswirkungen auf uns. Wir sind minderkonform. Die Arbeitsverträge des Managements mussten den neuen Bestimmungen angepasst werden.

Hätte SFS auch die 1:12-Initiative der Gewerkschaften erfüllt?

Breu: Die Annahme hätte die Schweizer Wirtschaft beeinträchtigt. Besonders als Standort für Hauptsitze von international tätigen Unternehmen.

Ein grosser Teil der Belegschaft in Heerbrugg sind Grenzgänger aus Vorarlberg und Süddeutschland. Haben Sie nach Annahme der Masseneinwanderungs-Initiative Zukunftsängste?

Breu: Wir verlassen uns stark auf den lokalen Arbeitsmarkt. Aus unserer Sicht gehören Vorarlberg und Süddeutschland dazu. Wir warten etwas besorgt auf die Details der Umsetzung der Initiative. Wir befürchten, dass die Rekrutierung von Personal schwieriger und komplizierter wird, sich dadurch die Umsetzung von Projekten verzögert und unsere Wettbewerbsfähigkeit leiden könnte.

Ist der Standort gefährdet, wenn Sie Personal nur bis zur Landesgrenze rekrutieren dürfen?

Breu: Gefährdet nicht, jedoch würde sich das ungünstig auf unsere Wettbewerbsfähigkeit auswirken.. • WIRTSCHAFT 32