Führt uns ein Stern?

Faszination Sterne: Seit Tagen und Wochen umglitzern sie uns, und zwar in einer solchen Menge, dass wir beim vor- und nachweihnachtlichen Stadtbummel vergessen, den Blick nach oben zu richten – dorthin, wo die echten Sterne den Nachthimmel erhellen.

Ingrid Grave Dominikanerin In Zürich
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Welchem Stern folgen wir? (Bild: depostiphotos)

Welchem Stern folgen wir? (Bild: depostiphotos)

Faszination Sterne: Seit Tagen und Wochen umglitzern sie uns, und zwar in einer solchen Menge, dass wir beim vor- und nachweihnachtlichen Stadtbummel vergessen, den Blick nach oben zu richten – dorthin, wo die echten Sterne den Nachthimmel erhellen.

Um in der Realität zu bleiben: Man sieht ja auch kaum noch etwas von ihnen. Die zahlreichen Lichtquellen unserer Städte verwehren uns den Durchblick zum Sternenhimmel.

Ganz anders in der Wüste. Oder auch bei uns in den Bergen. Faszinierend! Man wird still vor lauter Schauen.

Man wird still. Das ist der Anfang. Zumindest war das bei den Heiligen Drei Königen so, an die wir in diesen Tagen denken. Diese schöne Geschichte, wo sich drei Männer auf den Weg machen, um ein Kind zu suchen, ein Neugeborenes. Dabei lassen sie sich leiten von einem Stern.

Wie kamen sie nur dazu?

Sie haben still und konzentriert die Konstellation der Sterne beobachtet. Sie sind Stunden in ihren Studierstuben gesessen … und haben erkannt, dass sich die Weltgeschichte auf einen Wendepunkt hinbewegt. Das alles in Zusammenhang mit der Geburt eines aussergewöhnlichen Kindes. So machen sie sich auf die Reise ins Ungewisse, immer den einen Stern im Auge.

Das ist natürlich nur eine Symbolgeschichte. Ja, eben. Das Wort «nur» können wir streichen, denn dann sind wir beim Leben, beim wahren Leben, dem Alltäglichen. Manche Leute lassen sich für dieses Alltägliche ein persönliches Horoskop erstellen. Da kann man ins Staunen geraten, was die Sterne alles so wissen.

Aber das Horoskop enthüllt nicht das Geheimnis um den einen Stern, der ganz zu mir gehört – wie der Dreikönigs-Stern zu den drei Königen. Um diesen, meinen Stern zu entdecken, muss ich die Geschichte von aussen nach innen kehren, in mein Inneres.

Den Blick nach innen gerichtet, starre ich vielleicht eine Weile ins Dunkel.

Vielleicht glitzert und glimmert in mir alles Mögliche an Sternen und Sternchen, von mir oder anderen gebastelt, aufgehängt?

Was taten die Heiligen Drei Könige? Sie schauten und schauten. In grösster Konzentration. Und als sie – alle anderen Sterne beiseite lassend – ihren Stern gefunden hatten, wussten sie, dass es ihr Herzensstern war, dem sie folgen mussten. Ins Ungewisse. Zum Kind. Mein Herzensstern, der mich führt zu dem Kind in mir, das wachsen und reifen will. An jedem Wendepunkt meiner ganz persönlichen Lebens- und Weltgeschichte.