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Früh unterstützend eingreifen

Probleme von Kindern und Jugendlichen verändern sich mit dem Wandel der Gesellschaft, sagen Fachleute. Der Bedarf an Unterstützung werde grösser. Die Schulsozialarbeit auf der Rheininsel bemüht sich, vorbeugend zu handeln.
Carmen Kaufmann
Die Digitalisierung spielt eine wesentliche Rolle in der Selbstentwicklung. Die SDM setzen sich ein, den Schülern die Medien näherzubringen. Eine frühzeitige Orientierungshilfe empfehle sich auch in den Sozialen Netzwerken. (Bild: Symboldbild: depositphoto/alebloshka/ck)

Die Digitalisierung spielt eine wesentliche Rolle in der Selbstentwicklung. Die SDM setzen sich ein, den Schülern die Medien näherzubringen. Eine frühzeitige Orientierungshilfe empfehle sich auch in den Sozialen Netzwerken. (Bild: Symboldbild: depositphoto/alebloshka/ck)

Für das Wohl in der Gesellschaft und im Alltag setzen sich die Sozialen Dienste Mittelrheintal (SDM) in der Schule und im fa­miliären Umfeld ein. Einen wichtigen aktuellen Tätigkeitsbereich nimmt die Schulsozialarbeit (SSA) ein.

2009 führten die Rheintaler Schulgemeinden eine Bedürfnisabklärung zur möglichen Einführung der Schulsozialarbeit durch. Anhand der breit angelegten Umfrage konnte festgestellt werden, ob die Schulsozialarbeit durch die SDM benötigt wird. Als Pilotprojekt führte die Gemeinde Diepoldsau in jenem Jahr die Schulsozialarbeit ein.

Schulsozialarbeit verdient Anerkennung

Ein Bedarf an Unterstützung sei in der Schule vorhanden gewesen, sagt der damalige Schulpräsident Christian Sepin. Den Sinn und Zweck hätten viele aber noch nicht erkannt. Man habe einfach nicht gewusst, was Schulsozialarbeit sei, da niemand damit Erfahrung hatte. Die Arbeit werde aber zunehmend anerkannt und geschätzt.

Mit Marc Gilliand von den SDM stellte die Schule Diepolds­au vor neun Jahren den ersten Sozialarbeiter ein. Aufgrund des Vertrauenskodex arbeitete er unabhängig von der Schule. Diepoldsau habe grosse Vorarbeit geleistet, sagt Marc Gilliand. Eine hohe Schulqualität habe bereits bestanden. Dies war bei Klassenbesuchen spürbar. Natürlich gab es trotzdem Auffälligkeiten im Unterricht.

Gesellschaftsbedingte Probleme kommen dazu

Mit dem gesellschaftlichen Wandel hätten sich auch die Proble­- me der Kinder verändert, sagen Fachleute von Diepoldsau. Die Kinder haben mit der Digitali­sierung zurechtzukommen und stünden vor einem grossen Leistungsdruck, sagt Marc Gilliand. Heute sei es schwieriger, sich unabhängig zu entwickeln. Die Kinder benötigten Orientierungspunkte.

Der jetzige Schulpräsident Patrick Spirig sagt, das Umfeld sei der grösste Auslöser für Pro­bleme im Kindesalter. Dies liege daran, dass die Kinder im Elternhaus zu wenig Unterstützung erhielten oder dass sie durch die Digitalisierung ihre Sozialkompetenz zu wenig aufbauen könnten. «Man spürt den Prozess.»

Mit dem Verlust der Sozialkompetenz entwickelten sich Verunsicherungen und zunehmend Depressionen, sagt der aktuelle Schulsozialarbeiter Yves Munz. Die SDM bemühten sich anhand von Workshops, den Schülern die Medien näherzubringen und zu lehren, wie sie sich im Netz richtig verhielten. «Die Probleme nehmen nicht zu, sie hängen nur von den gesellschaftlichen Bedingungen ab.»

Begleitung fängt schon in der Spielgruppe an

Primär haben die Fachleute die Prävention im Fokus. Je jünger die Kinder seien, desto besser, und je früher die Unterstützung beginne, desto geringer sei der Aufwand, sagt Christian Sepin. Die Prävention nütze aber nichts mehr, wo Situationen im Schulalltag eskalierten. Eine aussenstehende Person könne dabei sehr sinnvoll sein – Lehrpersonen könnten sich wieder auf den Unterricht konzentrieren. Marc Gilliand sagt, dass schon früh Probleme festgestellt werden können. Deshalb lege die SSA viel Wert darauf, bereits im Kindergarten mit Unterstützung einzugreifen. Schon in der Spielgruppe fängt Yves Munz mit der niederschwelligen Begleitung an. Ein einfacher Start in die Schule soll ermöglicht werden.

Bisher konnte der Schulsozialarbeiter jedoch kaum vorbeugen, er musste meist in schwierigen Situationen eingreifen. Die SSA führte einige Präventionsmassnahmen ein, um Lehrkräfte, aber auch Schüler zu entlasten.

Elternbegleitung und Schulinsel

Die Schüler nähmen meist schlechte Gewohnheiten von zu Hause in die Schule mit oder umgekehrt, sagt Yves Munz. Die SSA versuche auch Familien zu begleiten, indem Strukturen für ein besseres Klima geschaffen würden, erklärt Patrick Spirig. Es sei nicht einfach, die Eltern müss­- ten Bereitschaft zeigen. Schulsozialarbeiter Yves Munz arbeitet 20 Prozent in der niederschwelligen sozialpädagogischen Familienbegleitung in Diepoldsau. Er versucht den Familien einfache Grundregeln zu vermitteln, indem sie gemeinsam am Tisch essen oder er unterstützt die Kinder in der Freizeitgestaltung. Zurzeit begleitet der Schulsozialarbeiter eine Studentin der Agogis, die im Schulumfeld eine zweijährige Ausbildung zur Sozialpädagogin macht. Sie ist als Fachfrau Betreuung ausgebildet und kann mit ihrer Unterstützung den Sozialarbeiter entlasten.

Zusätzlich führte die SSA vor zwei Jahren die sogenannte Schulinsel ein. Wenn Situationen im Unterricht eskalieren, können die verantwortlichen Schüler zur Schulinsel gehen und werden vom Schulsozialarbeiter oder der Praktikantin betreut. Das ermöglicht es der Lehrkraft und den Mitschülern, in Ruhe weiterzuarbeiten. Der Schüler kann sich beruhigen.

Pensum wird im Sommer erhöht

Im Sommer soll das Pensum des Schulsozialarbeiters um 30 bis 40 Stellenprozent erhöht werden. Der Grund dafür sei zum einen, dass der Aufgabenbereich der SSA immer grösser werde, die Ressourcen reichten nicht aus. Zudem hinke Diepoldsau im kantonalen Vergleich mit dem Pensum für die Schulsozialarbeit hinterher. Das Pensum würde auf die Stufe der anderen Gemeinden aufgestockt, sagt Schulsozialarbeiter Yves Munz.

Es sei aber fraglich, ob die interne Erweiterung ausreiche, sagt Spirig. Wenn nicht, würde man sich bei Themen wie Gewalt oder Sexualkunde, etc. mit externen Programmen behelfen.

Fachleute aus der Region rechnen mit steigendem Bedarf an Unterstützung. Die Arbeit werde mit der Erfahrung mehr anerkannt. Dies zeige sich, dass Schüler wie auch Eltern die Hemmschwelle zur direkten Kontaktaufnahme überschritten, eigene Probleme mitzuteilen, sagt Marc Gilliand.

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