Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Früh und das Profit-Center

OBERRIET. In Oberriet sprach FC-St.Gallen-Präsident Dölf Früh vor Unternehmern. Fazit: Er blickt auf den Fussballclub wie auf ein KMU. Und das Wort Cashflow ist ihm geläufiger als das Wort Abseits.
Samuel Tanner
Dölf Früh im Gespräch mit Sven Bradke. «Dölf, wir sind an deinen Lippen geklebt», sagte am Ende jemand. (Bild: Samuel Tanner)

Dölf Früh im Gespräch mit Sven Bradke. «Dölf, wir sind an deinen Lippen geklebt», sagte am Ende jemand. (Bild: Samuel Tanner)

Vor seiner Zeit im Fussball leitete Dölf Früh ein Unternehmen mit 450 Mitarbeitenden; keiner kannte ihn. Jetzt leitet er ein kleineres KMU; die Boulevardzeitung Blick hievt ihn halbseitig ins Blatt, Zehntausende kommentieren seine Entscheide und er spricht an einem Dienstagabend vor vierzig Unternehmern, die nachher sagen werden: «Dölf, wir sind an deinen Lippen geklebt, tuusig Dank, gell.» Oder: «Ihre Gastgeber-Mentalität, Herr Früh, beeindruckt mich sehr.»

Eingeladen hat aber eigentlich die Industrie- und Handelskammer St.Gallen-Appenzell; Dinner Talk heisst die Veranstaltung, Haus zur Eintracht die Lokalität, BMW, Audi oder Porsche das Auto auf dem Parkplatz. Sven Bradke, der als Fragesteller vorgestellt wird und dann aber eher den Steilpass-Geber spielt, sagt im Nachhinein: «Die Veranstaltung war ausverkauft, es galt natürlich first come, first served. Die meisten Gäste waren aus St.Gallen, sie reisten Dölf Früh sozusagen nach.»

Wie ein McKinsey-Berater

Bradkes erste Frage: «Dölf, verzell emol us dinere Jugend!» Frühs erste Antwort: «Ich spreche eigentlich lieber über den FC St.Gallen als über mich.»

Bevor er das tut, erzählt er doch noch von jenem Dölf Früh, der er vor dem Fussball war. Ab 1952 auf einem Bauernhof in Hemberg aufgewachsen, mit 15 Jahren von zu Hause ausgerissen, weil er nicht Bauer werden wollte. Immer unternehmerisch gedacht und 1984 die erste Firma gegründet. Früh sagt: «Ich wollte nicht in eine spezielle Branche einsteigen, ich wollte eine starke Verkaufsabteilung gründen. Welches Produkt am Ende verkauft wird, war mir egal.»

Ein Satz wie ein Schlüssel zu seinem Leben. Wenn er heute über den Fussball spricht, den vielleicht emotionalsten und unvernünftigsten Wirtschaftszweig überhaupt, klingt er noch immer wie ein Unternehmensberater von McKinsey. «Als ich Präsident des FC St.Gallen wurde, haben wir sofort den Verkauf verstärkt, die Produktpalette ausgebaut, jedes KMU als potenziellen Kunden gesehen.» Dölf Früh war nie Fussballer, er war Kickboxer und Skifahrer, vor allem aber Chef eines Internet-Imperiums (mit den Marktplätzen Scout24 und Gate24).

Dölf Früh kam von aussen ins Sportgeschäft – und genau das war gefragt, als er beim FC St.Gallen einstieg. 2010 stand der Club finanziell wieder mal sehr schlecht da, als er eine Gruppe von Geldgebern anführte. Früh zahlte 2,7 Millionen Franken und übernahm später das Präsidium von Club und Stadion.

«Wir steigen nicht mehr ab»

Wer Frühs Interviews von damals liest, stellt fest: Fragen zum Geld (oder eben fehlenden Geld) gab es haufenweise, Fragen zum Sport kaum, Fragen zur Person gar nicht.

Er habe Rummel und Ämter nicht gesucht, betont er seither immer wieder. Auch in Oberriet. – Da weiss er bis zur Hälfte des Gesprächs nicht, dass ein Reporter vor Ort ist. Er bittet später, die Zitate gegenlesen zu können. Früh ist noch nicht lange im Geschäft, aber lange genug, um die Mechanismen zu kennen.

Locker dahingesagte Sprüche können im Fussball einen Transfer verhindern. Bunte, wilde, unplanbare Fussballwelt. Hört man Dölf Früh zu, sieht sie anders, planbarer aus. Er sagt: «Wir werden nicht mehr absteigen. Dafür arbeiten wir in zu vielen Bereichen zu wenig schlecht.»

Oder: «Zuerst haben wir beim FC St.Gallen die Strukturen vereinfacht: Nur noch ein Verwaltungsrat über dem ganzen Konstrukt. Mit Heinz Peischl ein klarer Chef in der sportlichen Abteilung. Dann haben wir an den Schrauben gedreht und beobachtet, welche die grösste Wirkung auslöst. Deshalb der Entscheid, den Verkauf auszubauen, deshalb die Optimierungen beim Catering und bei der Sicherheit.»

Ruhe im Saal, leuchtende Augen bei Bradke. Früh kommt zu den Profit-Centern. Er sagt: «Als ich antrat, gehörten verschiedene Spieler Dritten; nicht dem Club. Das verstand ich nicht, die Spieler sind doch das Kapital eines Vereins. Wir entschieden uns dazu, alle Spieler zu übernehmen, wir wollen sie wertvoller machen und ziehen lassen. Spieler sind das wichtigste Profit-Center eines Fussballclubs.»

Zum Abschluss eine Fragerunde, «jetzt können Sie fragen, was Sie immer wissen wollten», freut sich Bradke für die Unternehmer. Einer hält die Hand hoch und sagt: «Wie ich erfahren durfte, waren Sie immer ein zielgerichteter Mensch. Jetzt will sich der FCSG in der Super League etablieren, aber was kommt dann, wenn ich fragen darf?»

Früh, ganz cool: «Die Etablierung ist tatsächlich unser Ziel, da kann man sich immer noch zwischen Rang 1 und 9 bewegen.» Gelächter. – Und der Fragesteller: «Schön, das hören zu dürfen.»

Am Ende sagt Früh: «Punkte sind nicht alles, wichtig ist, dass der Zuschauer nach dem Spiel zufrieden nach Hause geht.»

Kundenorientiertes Denken, hiesse das in anderen Branchen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.