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FROSCH BREITET SICH AUS: Seefrosch quakt im Kieswerk-Weiher

In der Schweiz hat es diesen Frosch früher nicht gegeben. Er heisst Rana ridibunda, gehört zur Familie der Echten Frösche, ist stark invasiv und laut. Der Seefrosch breitet sich immer weiter aus, auch auf der Rheininsel.
Kurt Latzer
Hansjörg Sieber ist überzeugt: «In meinen Biotopen beim Kieswerk in Diepoldsau hat der Seefrosch Einzug gehalten.» (Bild: depositphotos/thomaslenne)

Hansjörg Sieber ist überzeugt: «In meinen Biotopen beim Kieswerk in Diepoldsau hat der Seefrosch Einzug gehalten.» (Bild: depositphotos/thomaslenne)

Was einst seiner Schenkel wegen aus Osteuropa für Schweizer Gourmets importiert wurde, hüpft und quakt nun munter im St.Galler Rheintal von Biotop zu Biotop. Im Sommer sind die Amphibien in die Schlagzeilen geraten und gar als «Terrorfrösche» bezeichnet worden. «Der Seefrosch soll mit seinen lachähnlichen <keck-keck>-Rufen eine Lautstärke von bis zu 90 Dezibel erreichen und vor allem im Chor lauter sein als ein Presslufthammer», hiess es im August in den «Vorarlberger Nachrichten».

Frosch hat sich bis nach Chur verbreitet

Wie in verschiedenen Zeitungen zu lesen war, geht man davon aus, dass Seefrösche in Sargans aus der Küche gehüpft oder absichtlich ausgesetzt worden sind. Von dort aus habe der Frosch seinen Siegeszug ins Rheintal angetreten. Inzwischen habe er sogar Chur erreicht. Hansjörg Sieber ist Vorstandsmitglied des Vereines Balger Natur und dort für Amphibien verantwortlich. Der Naturfreund hat bei seinem Kieswerk in Diepoldsau Biotope angelegt. «In den Weihern ist der Seefrosch schon länger zu Hause», sagt Hansjörg Sieber. Auch fotografiert wurde der «Ausländer» schon in einem seiner Biotope, bei einer Exkursion von Balger Natur zum Kieswerk. Das ist Hansjörg Siebers Schätzung nach drei bis vier Jahre her.

Jonas Barandun, Biologe und Mitarbeiter des Naturmuseums St.Gallen, ist anderer Meinung. «Bei den Fröschen in Diepoldsau handelt es sich wahrscheinlich um eine andere Art, vielleicht um eine Kreuzung», sagt er. Die Färbung allein, mit dem markanten grünen Streifen auf dem Rücken, reiche nicht aus, um die Art zu bestimmen. Ganz sicher sein könne man nur mit einer Genanalyse.

37 Standorte in Vorarlberg registriert

Auch wenn Barandun nicht an die Diepoldsauer Seefrösche glaubt: Die Hand ins Feuer legen würde er deswegen nicht. Am Alten Rhein, im benachbarten Vorarlberg, wurden Seefrösche festgestellt. In Vorarlberg sind 37 Fundorte registriert worden, die grössten Populationen von Lustenau bis nach Feldkirch. Diepoldsau und Widnau liegen bekanntlich am Alten Rhein.

Den Frosch im Auge behalten

Jonas Barandun ist überzeugt, dass man den Seefrosch im Auge behalten müsse. «Ausrotten können wir den Frosch nicht», sagt der Biologe. Dies, weil sich der Seefrosch mit anderen Arten paare und der Nachwuchs dann mit blossem Auge nicht mehr zu unterscheiden sei. Jonas Barandun glaubt aber nicht an eine übermässige Ausbreitung auf der Alpennordseite. «Ich denke, bei uns hat der Seefrosch seine Klimagrenze erreicht. Für eine grössere Ausbreitung braucht er wärmere Gebiete, wie etwa das Wallis.» Dort sei der Seefrosch zur Plage geworden, habe Weiher ganz besetzt und andere Arten verdrängt.

In einem wichtigen Punkt sind sich der Mitarbeiter des Naturmuseums und Hansjörg Sieber einig. «In meinen Biotopen stellen die Seefrösche kein Problem dar. Mir ist egal, was da quakt. Hauptsache ist doch, dass da etwas quakt», sagt der Balgacher Naturschützer. Den Kampf gegen die grünen Hüpfer will er jedenfalls nicht eröffnen. Im Gegenteil. Er wünscht sich einen Weiher, wie es ihn in seiner Kindheit neben dem Elternhaus gegeben habe. «In einer lauen Sommernacht hat es vom Weiher her so schön gequakt, dass es eine Freude war», sagt Sieber.

Laubfrosch letztmals vor 20 Jahren gesehen

Leider gebe es heute einige Leute, die sich an vielem stören. Auch an den Geräuschen der Natur. Hätte Sieber die Wahl, wünschte er sich in seinen Biotopen Laubfrösche. «Meine Mutter hat mit letztmals vor über 20 Jahren einen Laubfrosch gezeigt. Seither habe ich keinen mehr gesehen.»

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