Frohe Botschaft in Klängen

Während des ganzen Weihnachtsoratoriums war das Publikum mucksmäuschenstill. So eine dichte, fast beschwörende Atmosphäre, so eine konzentrierte und ursprüngliche Musik ist nur sehr selten zu erleben.

Theodor Looser
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Chor und Orchester «Concentus rivensis» beim Konzert.

Chor und Orchester «Concentus rivensis» beim Konzert.

altstätten. Mit seinem Weihnachtsoratorium «Hell scheint der Stern» konzertierte am Samstagabend der Komponist und Dirigent Enrico Lavarini aus Walenstadt mit seinem Orchester «Concentus rivensis», dem gleichnamigen angegliederten Chor und Gesangssolisten in der katholischen Kirche. Die Solisten waren Carmela Konrad (Sopran), Karl Jerolitsch (Tenor) und Samuel Zünd (Bariton).

Das aufgeführte Werk bestand aus dem ausgedehnten neuen Einleitungssatz «Quem pastores laudavere» (Den die Hirten lobten) und Auszügen aus dem bekannten Werk «Puer nobis nascitur» (Ein Knabe ist uns geboren). Es dirigierte Enrico Lavarini.

Spiritueller Inhalt der Musik

Pfarrer Albert Wicki konnte in dem von der katholischen Kirchgemeinde organisierten Konzert eine ansehnliche Zuhörergemeinde begrüssen. Er betonte den spirituellen Inhalt des Oratoriums, in dem es um das grösste Geheimnis der Menschheitsgeschichte, um die Menschwerdung Gottes gehe.

Im Einleitungssatz «Quem pastores laudavere» wurde geschildert, wie die Hirten das weihnächtliche Wunder erlebten, wie sie von den Engeln die freudige Botschaft vernahmen. Mit lang anhaltenden Violintönen fing die Musik fast beschwörend an, die Harfe antwortete nach geraumer Zeit, bis dann allmählich das ganze Orchester und auch der Chor einsetzten. Mächtig und klangvoll ertönte es in der grossen Kirche, mit den Bariton- und Sopransolos wurde der Weg der Hirten zur Krippe gegangen, und geheimnisvoll, wie er begonnen, endete der Einleitungssatz.

«Auf doch, ihr Kinder», ein oberösterreichischer Text, zu dem Enrico Lavarini die Musik komponiert hatte, fiel durch bezaubernde Instrumentalteile auf, die schallenden Waldhörner erinnerten wohl an die Hirten, aber auch der Chor und die Gesangssolisten gaben ihr Bestes.

Texte aus vergangenen Zeiten

Die weiteren Teile des elfteiligen Werkes waren Musik zu einem italienischen Text «Tu scendi dalle stelle» aus dem Jahre 1744, dann drei vertonte Texte aus der tschechischen Weihnachtsmesse, «Spinilo se Pismo svate», «Gloria», und «Prijimani», ein Text «Unser lieben Frauen» aus Deutschland um 1480, «Den geboren hat ein Magd» aus Köln im 17. Jahrhundert, «Adoración al Niño Jesu» aus Bolivien, das allseits bekannte «Stille Nacht» und die anonyme Weise «Heut ist unser Heiland geboren».

An erster Stelle des konzertanten Geschehens stand sicher die Musik. Mit Geigen, Bratschen, Cellos, Kontrabässen, Flöten, Oboen, Klarinetten, Trompeten, Posaunen, Pauke, Orgel, Englischhörnern, Waldhörnern und Harfe wurde eine Weihnachtsstimmung hergezaubert, in welche die vom Chor und den Gesangssolisten gesungenen Texte eingebettet waren.

Die Wirkung der meisterhaft eingesetzten Instrumente, der tief spirituellen, ebenso dramatisch gesungenen Texte auf die Zuhörer war einmalig. Waren es nun die deutschen Texte oder insbesondere die der tschechischen Weihnachtsmesse, der Komponist hatte rund um sie eine gleichzeitig geheimnisvolle und doch befreiende Musik komponiert, die vom Orchester glanzvoll umgesetzt wurde. Auch Chor und Gesangssolisten wirkten kompakt und inspirierend, gaben zusammen mit dem Orchester eine Vorstellung, die beim Publikum in einer stehenden Ovation endete.

Immer wieder mussten sich Chor- und Orchestermitglieder, Gesangssolisten und der Komponist und Dirigent verneigen, mussten blumengeschmückt vor das jubelnde Publikum treten.

Starker Auftritt: Gesangssolisten Samuel Zünd (Bariton), Carmela Konrad (Sopran) und Karl Jerolitsch (Tenor) (Bilder: Theodor Looser)

Starker Auftritt: Gesangssolisten Samuel Zünd (Bariton), Carmela Konrad (Sopran) und Karl Jerolitsch (Tenor) (Bilder: Theodor Looser)

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