«Froh, dass die Gerechtigkeit siegte»

Von den furchtbaren Vorwürfen gegen die langjährige Geserhus-Heimleiterin Luise Schmid blieb nach allen Untersuchungen nichts übrig. Gestern sprach das Kreisgericht Rheintal sie auch frei vom einzigen angeklagten Vorwurf.

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Erleichtert: Luise Schmid gestern nach dem Freispruch in Rheineck. (Bild: René Schneider)

Erleichtert: Luise Schmid gestern nach dem Freispruch in Rheineck. (Bild: René Schneider)

Luise Schmid, wie geht es Ihnen?

Luise Schmid: Gut. Ich bin froh und erleichtert. Es war eine sehr schwierige und belastende Zeit über vierzehn Monate. All die Gerüchte, Untersuchungen, Anschuldigungen, Medienberichte – es war furchtbar. Nicht nur für mich und meine Familie, sondern auch für das Geserhus und seine Bewohner, deren Angehörige und all meine Freunde. Einer meiner Söhne sagte, ich hätte innert Monaten um zehn Jahre gealtert. Das war nicht schmeichelhaft, aber vielleicht ist etwas Wahres daran. Ich bin dankbar, dass jetzt endlich alles abgeschlossen ist – und dass die Gerechtigkeit gesiegt hat.

Von den ursprünglichen Vorwürfen wie Vernachlässigung von Heimbewohnern, schlechtes Essen, Einsperren von Heimbewohnern ist im Lauf der Untersuchungen und Ihrer Entlassung nichts übrig geblieben ausser dem Vorwurf, Sie seien unsorgfältig mit Medikamenten umgegangen. Und auch in diesem Punkt sind Sie jetzt von Schuld und Strafe freigesprochen worden. Wie kam es aus Ihrer Sicht zum «Geserhus-Skandal»?

Schmid: Auslöser war, soweit ich mich erinnere, eine Familie, die nicht zufrieden war mit meiner Arbeit und der Pflege ihres Angehörigen im Geserhus. Sie behauptete Dinge, die nicht wahr waren, scharte andere um sich und wandte sich an die Medien. Wir, also Kommission, Präsident und Heimleitung gingen intern den Vorwürfen nach und kamen zum Schluss, dass alles in Ordnung ist. Trotzdem ging die Geschichte weiter, wurde immer grösser und gipfelte in einer Hausdurchsuchung mit vielen Polizisten. Es war wie im Krimi, und ich dachte zuerst, die hätten sich wohl in der Adresse geirrt.

Sie waren von Anfang Zielscheibe, äusserten sich aber selber nie zu den Vorwürfen. Warum?

Schmid: Der Präsident bestimmte, nur er spreche gegen aussen, und wir würden besser schweigen. Sonst werde alles schlimmer. Es entstehe sonst eine Polemik, ein Hin und Her. Das gebe dem Feuer zusätzlich Nahrung.

Würden Sie sich rückblickend lieber anders verhalten haben?

Schmid: Ja. Wir hätten alle zusammen klare Verhältnisse schaffen sollen, bevor die Lawine immer grösser wurde.

Fühlen Sie sich als Opfer?

Schmid: Ich fühle mich als Mobbing-Opfer. Und niemand half mir. Niemand stoppte das alles. Mein Pech war der Wechsel im Präsidium. Der eine Präsident war gegangen und der andere noch nicht ganz da. Die verhängnisvolle Geschichte fiel genau auf den Wechsel im Gemeindepräsidium. Das gab ihr eine zusätzliche Dynamik. Unerklärlich ist mir bis heute, warum sich die sozialen Dienste und die unabhängige Beschwerdeinstanz den Kritikern anschlossen.

Was war das Schlimmste?

Schmid: Diese absurden Vorwürfe, und wie es einer dem anderen weitererzählte. Ich hätte Leute in den Keller gesperrt, ihnen das Essen vorenthalten oder auch, der Koch habe zu wenig Geld bekommen für ausreichend Essen. Und jetzt erzählen sich gewisse Leute, da wäre eben doch etwas dran gewesen, aber man habe alles in eine Schublade gesteckt, unter den Teppich gekehrt.

Was sind die Konsequenzen für Sie, jetzt, nach dem Freispruch?

Schmid: Ich hoffe, dass jetzt auch die Letzten begreifen, dass nichts dran war an all den massiven Vorwürfen. Damit sage ich nicht, dass nie Fehler passierten im Geserhus. Die gibt es überall. Aber alles andere war Kampagne, üble Nachrede, eine verhängnisvolle Entwicklung, nicht zuletzt wegen der besonderen Umstände durch den Führungswechsel.

Sie arbeiten jetzt woanders in Teilzeit in einem Heim und leben von etwa der Hälfte Ihres ursprünglichen Einkommens. Zudem haben Sie Einbussen in Ihrer Altersvorsorge. Erwägen Sie eine Klage?

Schmid: Im Moment bin ich einfach erleichtert über den Freispruch und froh, dass das diesen Abschluss gefunden hat.

Sie haben Hausverbot im Geserhus. Schmerzt Sie das?

Schmid: Nein. Ich will nicht mehr dorthin, obwohl ich 25 Jahre dort mit vollem Engagement und viel Freude und Liebe arbeitete. Jetzt kommen die Pensionäre eben privat zu mir zum Kaffee.

Interview: René Schneider

ostschweiz 31