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Freundliche Botschaften

BERNECK. In Heinz Indermaurs Lebenslauf finden sich keine Unterbrüche, schon gar keine Brüche. Der CVP-Kandidat fürs Bernecker Gemeindepräsidium betont seine Fähigkeiten – und verfügt über eine unbetonte Unfähigkeit.
Claudio Donati
Vorstellen, nicht verstellen: Heinz Indermaur, CVP-Kandidat fürs Bernecker Gemeindepräsidium. (Bild: Claudio Donati)

Vorstellen, nicht verstellen: Heinz Indermaur, CVP-Kandidat fürs Bernecker Gemeindepräsidium. (Bild: Claudio Donati)

Wer Heinz Indermaur vor dem Gespräch nicht schon kennt, glaubt ihn auch nach einer guten Stunde noch nicht zu kennen. Es mag an den falschen Fragen liegen. Denn falsche Antworten sind von Indermaur nicht zu erwarten. Der 46-Jährige äussert sich wie jemand, der vor einer Wahl steht, der diese am liebsten gewinnen, aber auf keinen Fall verlieren will. Der politische Späteinsteiger ist evangelisch und in der CVP. Er sei der Partei beigetreten, weil sie Werten wie Respekt und sorgfältigem Umgang miteinander nachlebe, auch bei unterschiedlichen Meinungen.

Sein Slogan: «Gemeinsam die Zukunft gestalten. – Für ein attraktives Berneck. Für moderne Strukturen. Für eine leistungsfähige Wirtschaft.» Auf der Rückseite seiner Visitenkarte steht: «Heinz Indermaur hört zu, denkt mit, setzt um.» Das stösst kaum auf grosses Interesse, aber bestimmt auf keinen Widerstand. Es sind Botschaften eines Politikers, eines politisch Korrekten – ungreifbar, unangreifbar.

«Lässige Gespräche»

Eher erfriert ein Eisbär, als dass sich Heinz Indermaur auf Glatteis begibt. Provokation lässt ihn auch an diesem heissen Sommerabend kalt. Er nimmt sich geduldig für jede Frage Zeit, obwohl diese drängt. Es ist nach 18 Uhr, und er hat Sohn und Tochter versprochen, nach dem Interview mit ihnen in die Badi zu gehen. Sein Sohn hat sich neben Papa auf den Tisch im Garten vor dem alten Holzhaus gesetzt und spielt – mal mit dem Taschencomputer, mal mit sich selbst. Dann wieder lauscht der Sechsjährige Papas Worten, Papas Antworten, und fragt ihn zwischendurch, wann er denn fertig sei. Heinz Indermaur, Direktionssekretär Soziales & Sicherheit der Stadt St. Gallen, antwortet seinem Sohn wie der Presse: Besonnen, abgeklärt, freundlich. Wie er etwas sagt, sagt mehr über ihn, als was er sagt. Man hat nie das Gefühl, Indermaur spricht auf diese ruhige Art, weil er im Wahlkampf steckt. Obwohl einigen Berneckern aufgefallen sein mag, dass er gerade seit seiner Kandidatur den Leuten auf der Strasse freundlicher begegne und öfter in den Wirtshäusern verkehre. Er streitet dies gar nicht ab. Er mache gerne Wahlkampf, suche die Begegnung, führe «lässige Gespräche». Um sich bekannt zu machen und für seine Wahl zu werben, habe er zum Beispiel gerade eben einer älteren Frau im Buswartehäuschen die Hand geschüttelt und sich vorgestellt. Aber er verstelle sich nicht. «Ich glaube, ich bin aufmerksam. Schon immer.» Den Leuten falle nun natürlich eher auf, wenn er sie grüsse, aber auch, wenn er sie nicht grüsse.

«Das ist Chefsache»

Es ist nicht so, dass Indermaur keine Meinung hätte. Er trägt sie nur nicht besonders laut vor. Äussert er sich einmal kritisch, nennt er keine Namen. Zum aufsehenerregenden Rauswurf von Bernecker Bürgern aus ihren Wohnungen zugunsten Asylsuchender bemängelt er nicht den Entscheid an sich, der nach Prüfung verschiedener Optionen erfolgt sei, sondern die Kommunikation des Gemeinderats: «Ich wäre persönlich vorbeigegangen, hätte die Situation erklärt und Unterstützung angeboten.» Das sei Chefsache. Darin sieht er seine Stärken, im Vermitteln, mit den unterschiedlichsten Parteien Lösungen finden und diese den Leuten beibringen. Als Beispiele dafür nennt er das Polizeireglement, die Videoüberwachung oder die Fanarbeit in der Stadt St. Gallen. Dabei müsse er Ängste, Vorurteile beseitigen und mit Fakten und Argumenten überzeugen.

Wenig Kritik

Indermaurs Lebenslauf liest sich, zusammengefasst auf vier Seiten, wie ein Bilderbuch ohne Ecken und Kanten: Aufgewachsen in Berneck Welschlandaufenthalt, KV, Berufspraxis, Wachtmeister («Kanzleichef Ter Rgt 12»), 24-jährig Mitglied eines Versicherungs-Kaders, nebenberufliche Matura, Heirat mit 27, zwei Kinder (Hannah Kristin 8-jährig, Lukas Simon 6-jährig), HSG-Studium (Recht und Wirtschaftspädagogik), Mediator, Managementprogramm, Schulrat Oberstufe Mittelrheintal, Präsident CVP Berneck, Kantonsratskandidat, Stabschef Soziales & Sicherheit der Stadt St. Gallen. Der nächste Eintrag soll lauten: Gemeindepräsident Berneck.

In seinem Werbevideo sagt Indermaur: «Ich bin hier aufgewachsen, ich lebe in Berneck, aufgrund meiner Ausbildung und meiner Berufspraxis hat es sich aufgedrängt, dass ich mich hier bewerbe, weil – es ist eine Herausforderung.»

Er betont gern seine Fähigkeiten. Seine Unfähigkeit zu lauten, pointierten Statements dürfte kein Nachteil auf dem Weg ins Gemeindepräsidium sein. Heinz Indermaur ist einer, der wenig kritisiert, und dafür kaum kritisiert wird. Einer, der sich nicht zwingend beliebt, aber lieber nicht unbeliebt macht. Einer, der sich am Ende für das sympathische Gespräch bedankt.

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