«Freue mich über Konkurrenz»

Im letzten November wollte Herbert Huser Regierungsrat werden. Er scheiterte – mit einem guten Ergebnis. SVP-Exponenten sagten damals: «Du bist unser Mann.» Nun hat Huser trotzdem parteiinterne Konkurrenz bekommen.

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Herbert Huser: «Ich habe immer mit Konkurrenten aus der eigenen Partei gerechnet.» (Archivbild)

Herbert Huser: «Ich habe immer mit Konkurrenten aus der eigenen Partei gerechnet.» (Archivbild)

Herbert Huser war omnipräsent. Einen Bus hatte er mit seinem Konterfei beklebt und in zahlreichen Turnhallen dieses Kantons redete er auf Podien in die Mikrophone – der Altstätter Architekt führte einen aufwendigen Wahlkampf für die Ersatzwahl in den Regierungsrat im letzten November. Das Wahlresultat: Huser holte 39,5 Prozent der Stimmen, eine Zahl, die über dem Wähleranteil seiner Partei liegt. Noch am Wahlabend äusserte sich der damalige St. Galler SVP-Präsident Toni Thoma euphorisch: «Das Abschneiden von Huser ist ein klares Verlangen der Bevölkerung – <Du bist unser Kandidat>.» Ebenfalls in die Reihe der Lobenden stellte sich Regierungsrat Stefan Kölliker: «Er ist für mich das Versprechen für die Zukunft.» Huser sagte immer, dass er auch bei den ordentlichen Erneuerungswahlen im nächsten Jahr wieder antreten werde. Jetzt ist seine Nomination plötzlich nicht mehr sicher. Der SVP-Fraktionschef im Kantonsrat, Michael Götte, meldete Interesse am Regierungsratsamt an.

Herr Huser, sind Sie überrascht vom Interesse von Michael Götte?

Herbert Huser: Nein, gar nicht. In unserer Partei diskutieren wir immer wieder über die Kandidaturen für die verschiedenen anstehenden Wahlen.

Für Sie war also immer klar, dass sie noch Konkurrenten erhalten werden.

Huser: Absolut. Am Ende wird es ähnlich ablaufen wie im letzten Jahr, als ich zuerst eine interne Ausscheidung gegen Heinz Habegger für mich entscheiden musste. In der St. Galler SVP entscheiden am Ende rund 280 Delegierte darüber, wer ihre Kandidatin oder ihr Kandidat ist.

Im letzten November tönte es noch anders: Diverse Exponenten Ihrer Partei bekräftigten, dass Sie auch bei den nächsten Wahlen der richtige Kandidat seien.

Huser: Schauen Sie, für mich war immer klar, dass es noch weitere parteiinterne Kandidaten geben wird. Ich habe immer gesagt, dass ich in den Regierungsrat möchte. Das Ziel bleibt gleich – wer sonst noch antritt, ist für mich sekundär.

Michael Götte ist als Fraktionschef im Kantonsrat ein wichtiger Mann in Ihrer Partei. Sie werden sich kaum über solche Konkurrenz freuen.

Huser: Doch, doch. Ich mache mir keine Sorgen und nehme es als sportliche Herausforderung.

Das kann ich kaum glauben. In anderen Kantonen käme es bei solchen Ankündigungen zu Streit.

Huser: Doch, es ist wirklich so! Jeder weiss, dass die Interessen der Partei vor den persönlichen stehen.

Zuerst steht der Nationalrats-Wahlkampf an. Wird dieser durch die Ankündigung noch wichtiger?

Huser: Stelle ich mich zur Wahl, meine ich es ernst. In dem Sinne hat sich nichts verändert. Bei der letzten Nomination habe ich versprochen, auch für den Nationalrat zu kandidieren. Das werde ich mit hundertprozentigem Einsatz tun.

Angenommen, Sie werden im Herbst nach Bern gewählt. Würden Sie auch diesem Fall noch in die St. Galler Regierung wollen?

Huser: Ja. Ich würde auch als neu gewählter Nationalrat antreten.

Interview: Samuel Tanner

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