FREIENBACH: Im Museum einen Baumstamm gesägt

Am Samstag und Sonntag hat die Familie Kühnis in ihre alte, mit einem Wasserrad angetriebene Säge eingeladen. Hunderte Besucherinnen und Besucher haben den Betrieb besichtigt und sich die Geschichte der alten Säge erzählen lassen.

Kurt Latzer
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«Das ist genial, dass so etwas erhalten wird», sagten mehrere Besucherinnen und Besucher der Freienbacher Säge. (Bild: Kurt Latzer)

«Das ist genial, dass so etwas erhalten wird», sagten mehrere Besucherinnen und Besucher der Freienbacher Säge. (Bild: Kurt Latzer)

Kurt Latzer

Alte, meterlange Lederriemen klatschen aneinander, surren über hölzerne Transmissionsräder. Im Hintergrund ist das plätschernd-klatschende Geräusch eines Wasserrades zu hören. Eine Etage über dem Keller mit all seinen Übersetzungs- und Antriebsrädern singt ein grosses Sägeblatt sein Lied, während es sich durch den gut fünf Meter langen Stamm einer Tanne frisst. Etwa fünf Minuten dauert es, bis das Brett gesägt ist. «Wenn im Bach genug Wasser fliesst», sagte Felix Kühnis am Pfingstsamstag. 1972 – bis dann wurde die Sägerei gewerblich betrieben – hat Felix Kühnis den Betrieb dem vorherigen Besitzer Karl Zäch abgekauft und stillgelegt.

Viel Geld und noch mehr Geduld investiert

Seither haben der Sägereibesitzer und seine Söhne viel Geld, Zeit und Geduld investiert, um die mit Wasserkraft betriebene Säge zu erhalten. «Die Mauern, die das Ganze tragen, mussten wir neu betonieren, weil sich das Gebäude gesenkt hatte», sagte Daniel Kühnis, Sohn des Sägereieigentümers. Viel Geduld habe das Anpassen der Transmission gebraucht. Denn das Ganze sei nach dem Richten des Hauses alles andere als rund gelaufen. Die älteste schriftliche Erwähnung der Freienbacher Säge, die die Familie Kühnis bisher gefunden hat, stammt aus dem Jahr 1839.

Zwei Bäche speisen das Wasserrad

Insgesamt sei der Sägereibetrieb zweimal komplett abgebrannt, letztmals 1924. Beim Wiederaufbau habe man damals das Holz- gegen ein Metall-Schaufelrad getauscht. Ein paar Meter vom Rad entfernt wird der Freienbacher Bach gestaut. Bevor das Sägeblatt genug Schwung hat, um sich der Länge nach durch den Holzstamm zu fressen, dauert es ein paar Minuten. Felix Kühnis muss zuvor am kleinen Wehr zwei Schieber öffnen. Mittels Metallklappe im Zulauf des Wasserrades kann er die Durchflussmenge regulieren. Ein paar Handgriffe später beginnt sich das Sägegatter zu bewegen. Immer schneller und schneller, bis die nötige Geschwindigkeit zum Sägen erreicht ist.

Zwischen den Vorführungen an den Tagen der offenen Tür musste die Säge immer wieder pausieren, des Wasserstandes wegen. «Es hat zurzeit einfach zu wenig Wasser», sagte Felix Kühnis den Besucherinnen und Besuchern. Im eigens für die Gäste eingerichteten Filmstübli erfuhren die Interessierten mehr über die Sägerei und den Freienbacher Bach. «Es ist ein künstlich angelegter Mühlbach, mit dem einst bis nach Oberriet hinunter über zehn Wasserräder betrieben wurden», sagte Daniel Kühnis. Es seien mehrheitlich Mühlen gewesen, für Korn und Mais. Er habe gehört, einst sei durch das Freienbacher Wasser sogar eine Ölmühle betrieben worden. In Kühnis’ Sägerei wird nicht nur die Gattersäge mit einem Blatt betrieben, sondern weitere Maschinen für die Holzverarbeitung. Im hinteren Teil des Holzschopfs ist eine Hobel- und Kehlmaschine zu sehen, die bereits über 80 Jahre auf dem Buckel hat. Rechts der Gattersäge ist eine lange Ablage zu sehen mit Sägeblatt. Auch diese Fräse wird über die Transmission vom Wasserrad angetrieben.

Hin und wieder kommt heute noch ein Holzstamm unter die Säge. Gewerblich genutzt wird die Einrichtung allerdings nicht mehr. Das Sägerei-Museum kann man in Gruppen auf Voranmeldung besuchen.