Freie Fahrt durch den Pfändertunnel

BREGENZ. Mittwochnacht wird der ausgebaute Pfändertunnel für den Verkehr freigegeben. Der Pfänder ist damit sicherer. Die Verkehrsprobleme in den Grenzgemeinden bleiben.

Ulrich Stock
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Beide Röhren sind neuwertig. Der Pfänder-Tunnel wird sicherer sein. (Bild: Ulrich Stock)

Beide Röhren sind neuwertig. Der Pfänder-Tunnel wird sicherer sein. (Bild: Ulrich Stock)

Nach fast sechs Jahren Bauzeit werden in der Nacht auf Donnerstag beide Röhren durch den Pfänder für den Verkehr freigegeben. Die österreichische Autobahn-Gesellschaft Asfinag bezeichnet den Ausbau des 6,7 Kilometer langen Pfändertunnels als «Meilenstein für mehr Verkehrssicherheit». Die Unfallhäufigkeit werde deutlich zurückgehen, sind sich die Fachleute einig. In den Bau der zweiten und die Sanierung der alten Röhre hat die Asfinag insgesamt 205 Millionen Euro investiert.

Aus für Korridorvignette

Derzeit passieren täglich rund 30 000 Fahrzeuge den Pfändertunnel, davon etwa 5000 Lastwagen. Bis zum Jahr 2020 könnte die Zahl auf 40 000 wachsen. Ob es so viele werden, muss laut Christian Rankl abgewartet werden, denn der Verkehrsexperte des Landes Vorarlberg sieht die Verkehrsentwicklung «eher stagnierend». Unstrittig sei, «dass die zweite Röhre für die Staus im Grossraum Bregenz/Lindau sicher eine Entlastung bringen wird». Allerdings werde es mit dem Auslaufen der Korridor-Vignette – sie ist nur noch bis einschliesslich Mittwoch (3. Juli) gültig – wieder zu einer «Rückverlagerung» des Verkehrs auf die Nebenstrecken kommen.

Das sieht auch der Bregenzer Bürgermeister Markus Linhart so: «Die vierspurige Durchfahrt bedeutet zwar weniger Unfälle und Stau. Wermutstropfen ist jedoch, dass durch den Wegfall der Korridorvignette erneut viele Autofahrer mitten durch unsere Stadt vor der Maut fliehen werden.» Daher fordert Bregenz die Beibehaltung des «kleinen Pickerls».

Schneller nach Deutschland

In jedem Fall werden Schweizer mit ihrem Auto schneller als bisher ihr beliebtes Ausflugsziel München erreichen – sofern sie eine Vignette besitzen. Auch Luigi R. Rossi, Präsident der TCS-Sektion St. Gallen-Appenzell Innerrhoden sieht durch die neue Tunnelröhre vor allem Vorteile im Verkehr mit Deutschland sowie eine Entlastung von Bregenz. Allerdings fordert der Autofahrer-Club «seit Jahren eine effiziente Verbindung der beiden Autobahnen, um die verschiedenen Gemeinden in Österreich und der Schweiz vom Verkehr zu entlasten». Rossi: «Es wurde verpasst, die notwendigen Infrastrukturen zu bauen, die es benötigt, um den Verkehr aufzunehmen.»

«Gewisse Verkehrszunahme»

Reto Friedauer, der Gemeindepräsident von St. Margrethen, rechnet sogar «mit einer gewissen Verkehrszunahme, weil eine ausgebaute Autobahn-Infrastruktur auch ein höheres Verkehrsaufkommen auf den Zubringer-Achsen nach sich ziehen wird». Umso wichtiger sei es jetzt, «so schnell wie möglich zwei leistungsfähige Verbindungen zwischen den beiden Rheintalautobahnen zu realisieren». Sein Kollege Roland Wälter in Diepoldsau stösst ins gleiche Horn. Mehr denn je müssten nun Verbindungsstrassen in St. Margrethen – Höchst und im Mittelrheintal (Diepoldsau – Kriessern –Hohenems – Altach – Mäder) gebaut werden. «Froh» ist Wälter darüber, dass die Korridorvignette entfällt, weil diese den Verkehr in Diepoldsau zusätzlich belastet habe.

Besserung in zehn Jahren?

Verkehrsexperte Rankl kann den Bürgern diesseits und jenseits des Rheins nur wenig Hoffnung für eine baldige Entlastung machen. Eine Verbindungsstrasse zwischen den beiden Autobahnen (bisherige Bezeichnung Schnellstrasse S 18) sei zwar geplant, doch mit einem Baubeginn könne «frühestens 2019» gerechnet werden. Und bis zur Fertigstellung würden wohl auch noch «mehrere Jahre» vergehen, so dass es allenfalls erst in zehn Jahren zu einer Entlastung der Rheintalgemeinden kommen werde, so Rankl. Nach Prüfung von 25 Vorschlägen habe man in Sachen S 18 mittlerweile zwei Varianten auf dem Tisch liegen: Eine Verbindung von Dornbirn-Süd nach St. Margrethen (am Ostrand von Lustenau vorbei) sowie eine Strecke, die von Dornbirn-Nord über einen gut zwei Kilometer langen Tunnel unter dem Lauteracher Riet hindurch ebenfalls nach St. Margrethen führt. Mitte 2014 soll klar sein, welche Variante zum Zug kommt.