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«Frauen nicht länger diskriminieren»

Diakon Carsten Wolfers setzt sich dafür ein, dass die Kirche Frauen zum Diakonat zulässt. «Es sprechen viele gute Argumente dafür», sagt er. Sowohl jene der Theologie als auch jene des Zeitgeistes.
Monika von der Linden
Carsten Wolfers gehört der Arbeitsgruppe der St. Galler Diakone an, die mit einem Positionspapier die Einführung des Frauendiakonats in der katholischen Kirche fordert. (Bild: Monika von der Linden)

Carsten Wolfers gehört der Arbeitsgruppe der St. Galler Diakone an, die mit einem Positionspapier die Einführung des Frauendiakonats in der katholischen Kirche fordert. (Bild: Monika von der Linden)

Die ständigen Diakone im Bistum St. Gallen fordern, dass auch Frauen zum Diakonat zugelassen werden. In einem Positionspapier, das der Diakonenkreis mit einer Gegenstimme verabschiedet hat, legen die männlichen Diakone theologische und gesellschaftliche Argumente dar. Carsten Wolfers ist katholischer Diakon in Balgach und gehört der dreiköpfigen Arbeitsgruppe an. Er will sich nicht länger vor jenen Menschen in der Kirche recht­fertigen müssen, die meinen, sie müssten Frauen benachteiligen.

Sie sind Diakon, Ihre Frau ist Pastoralassistentin. Ist sie der Grund Ihres Engagements?

Carsten Wolfers: Die Kirche benachteiligt Frauen. Ich war schon der Überzeugung, dass Frauen zum Diakonat zugelassen werden sollten, bevor ich meine Frau kannte.

Sie haben die Weihe vor acht Jahren empfangen und sagen, dass die Kirche Frauen diskriminiert. Wie können Sie ein Amt bekleiden, das ihrer Frau nicht offen steht? Sie kennt mich gut. Sie sah, dass ich als Diakon am rechten Ort wäre. Ich habe die Neigung, den Menschen zu helfen, die irgendwo am Rand stehen. Jüngst habe ich die Gefängnisseelsorge in Altstätten übernommen. Diese Art des Dienstes am Menschen entspricht mir.

Warum melden sich die Diakone St. Gallens ausgerechnet jetzt mit einem Positionspapier zu Wort?

Diakon Franz Kreissl, Leiter des Pastoralamts im Bistum St. Gallen, brachte das Thema schon mehrmals in den Kreis ein. Meist legte man es wieder beiseite, weil man sich keinen Erfolg versprach. Seit einiger Zeit wird die Forderung nach Diakoninnen von mehreren Seiten aufs Tapet gebracht. Vor zwei Jahren sagte der Papst, dass man das Diakoninnenamt prüfen müsste.

Ist das geschehen?

Vor dreissig Jahren wurde bereits eine Kommission gegründet. Seit zehn Jahren liegen ihre Ergebnisse auf dem Tisch. Sie müssen nicht erst erhoben werden, sondern endlich einmal zur Kenntnis genommen werden.

Welche Erkenntnisse sind es?

Man hat gut erforscht, welche Rolle das Frauendiakonat in der 2000 Jahre alten Kirche hatte. Gegner der Zulassung von Frauen blicken nur wenige Hundert Jahre zurück. Das ist nicht lange genug. In den ersten 900 Jahren der Kirche gab es Diakoninnen. Tradition in der katholischen Kirche meint immer die ganzen 200 Jahre ihrer Glaubenstradition.

Warum wurde das wieder geändert?

Es entsprach wohl dem jeweiligen gesellschaftlichen Bild von Frauen. Die Kirche hat immer wieder versucht, Frauen aus der Kirche herauszuhalten oder sie einzubinden. Historische Quellen lassen nicht den eindeutigen Schluss zu, dass Frauen per se das Diakoninnenamt verwehrt wurde.

Woraus schliessen Sie, dass Frauen geweiht werden dürfen?

Alle Gründe dieser Zeit sprechen dafür. Das Argument ist aber nur zweitrangig. Ich finde, die katholische Theologie spricht eine klare Sprache. Die Frage muss lauten: Ist es Gottes Wille, Frauen auszuschliessen? Das kann ich mir nicht vorstellen. Nirgendwo steht geschrieben, dass Gott keine Frauen im Weiheamt haben will.

Kritiker sagen, dass die Kirche sich nicht dem Zeitgeist beugen dürfe?

Das ist auch eine Frage der jeweiligen Zeit. Im Zweiten Weltkrieg musste sich die Kirche gegen den Zeitgeist der Nationalsozialisten widersetzen. Als nach dem Krieg die Gesellschaft wieder aufgebaut wurde, war sie gut beraten, mit der Zeit zu gehen. Das bedeutet nicht, dass die Kirche ihr Fähnchen in den Wind hängt.

Männer beziehen Position für Frauen. Das wirkt etwas gönnerhaft?

Wir haben auch Frauen zu ihrer Meinung gefragt. Die meisten sprechen sich für eine Zulassung zum Diakonat aus. Eva-Maria Faber hat an der Theologischen Hochschule in Chur den Lehrstuhl für Dogmatik und Fundamentaltheologie inne. Sie stand der Arbeitsgruppe der Diakone beratend zur Seite.

Befürchten Sie, dass immer weniger Frauen einen Beruf in der katholischen Kirche ergreifen, die sie diskriminiert?

Eine Kirche, die so mit Frauen umgeht, muss sich das ernsthaft fragen.

Wollen Sie mit dem Positionspapier das Image der Kirche aufpolieren?

Dafür wäre mehr nötig. Der Diakonenkreis im Bistum St. Gallen will sich positionieren. Es ist höchste Zeit für eine Reform. Die Kirche hat uns dreissig Jahre lang hingehalten und mit alten Ar­gumenten abgespeist. Es spielt auch eine Rolle für die Zukunft der Kirche, ob der Wandel weiter so langsam vollzogen wird wie bisher.

Versprechen Sie sich tatsächlich eine Änderung?

Die Forderung nach einer Änderung steht im Raum. Mancher Bischof hat die Forderung aus­gesprochen, leider aber oft erst nach seiner Pensionierung. Es ist wichtig, dass sich in der Frage diejenigen Menschen positionieren, die Verantwortung für die Kirche tragen. Gehen die Meinungen dazu auseinander, ist eben eine Diskussion um diese Punkte nötig.

Wäre es der nächste Schritt, Frauen zu Priesterinnen zu weihen?

Wir sollten es erst einmal mit dem Diakonat von Frauen ausprobieren. Es muss ja nicht gleich auf der ganzen Welt sein. Man könnte damit in einigen Bistümern anfangen. So ging man beim Diakonat der Männer Ende der Sechzigerjahre auch vor. Es dauerte aber, bis es hier eingeführt wurde. Im Bistum St. Gallen weiht der Bischof seit 1998 ständige Diakone. Es braucht Zeit, und dennoch machen uns andere vor, dass solche Entwicklungen schneller gehen können. So haben mittlerweile manche orthodoxen Kirchen das Frauendiakonat bereits eingeführt.

Haben Sie schon Gegenwind gespürt?

Bisher nicht. Sollte sich jemand äussern, kann er mich gern mit Argumenten überzeugen. Heute sprechen viele gute Argumente für die Einführung des Frauendiakonates.

Wie halten Sie es als Dienender in der hierarchisch geführten katholischen Kirche aus?

Ich leide natürlich daran, dass gelegentlich die hierarchische Struktur der Kirche wichtiger genommen wird als der Dienst in der Nachfolge Jesu. Ich erinnere mich immer wieder daran, dass ich dienen will – den Menschen und Gott.

Der Begriff Diakon entstammt dem Altgriechischen und heisst Diener oder Helfer. Demzufolge steht ein Diakon im Dienst armer und randständiger Menschen. Es gibt sie in der katholischen und evangelischen Kirche.

Wie beim Priestertum weiht der katholische Bischof nur Männer ins Amt und nimmt diese in den Kreis der Kleriker (Angehörige des geistlichen Standes) auf. Diakon und Bischof gehen mit der Weihe ein Rechtsverhältnis ein, binden sich aneinander. Der Diakon darf Sakramente (Taufe und Trauung) spenden. Das darf ein Pastoralassistent nicht. Ein Priester darf darüber hinaus die Messe (Eucharistie) feiern, die Beichte hören und die Krankensalbung spenden.

Die katholische Kirche unterscheidet zwei Formen des Diakonats: Bevor ein Priester geweiht wird, empfängt er die Diakonweihe. Er darf nicht heiraten. Männer, die in der Seelsorge bewährt sind – auch Verheiratete – werden ständige Diakone und werden nicht Priester. Im Bistum St. Gallen sind sie hauptamtlich angestellt. (vdl)

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