Fokussiert auf Rio de Janeiro

RINGEN. Der 24-jährige Ringer Steven Graf möchte an den Olympischen Spielen 2016 starten. Ohne seine Familie und auch seinen Arbeitgeber wäre der Sanitärinstallateur wohl nicht so weit gekommen.

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Steven Graf (l.) profitiert sehr davon, dass ihn sein Chef und Arbeitgeber Hans Deiss unterstützt. (Bild: pd)

Steven Graf (l.) profitiert sehr davon, dass ihn sein Chef und Arbeitgeber Hans Deiss unterstützt. (Bild: pd)

Eine der ältesten Sportarten der Welt hat auch im Zeitalter der Globalisierung und virtuellen Welten nichts von seiner Faszination verloren: Athlet gegen Athlet, von Angesicht zu Angesicht. Steven Graf hat schon in viele Gesichter geblickt – viele Gegner auf die Schultern gelegt, denn seit 17 Jahren profiliert sich der nun 24-jährige Spitzenathlet im Ringsport.

Mit Ringer-Gen geboren

Das Ringer-Gen wurde ihm in die Wiege gelegt. Sein Vater Ernst Graf war in den 80er-Jahren ein sehr erfolgreicher Ringer und hatte, ähnlich wie heute sein Sohn, grosse Beiträge zu den Schweizer Meistertiteln der RS Kriessern geliefert. Und auch Grossvater Fredi Koller vom Restaurant Grüntal in Altstätten war ein grosser Ringerfan und hat Steven stets gefördert. Als sein Sohn siebenjährig war, nahm ihn Ernst Graf in ein Jugendtraining der Kriessner Ringer mit.

Und wie es sich für einen sportbegeisterten Altstätter gehört, trainierte Steven Graf auch beim FC Altstätten. Konflikte bei Turnierteilnahmen mit den Fussballern und viele Erfolgserlebnisse bei den Ringern beeinflussten Steven Graf schliesslich dahingehend, auf die Karte Ringen zu setzen. Schon damals galt, was der Kriessner Cheftrainer Hugo Dietsche über ihn sagt: «Steven ist ganz auf seinen Sport fokussiert. Er ist ausdauernd und hat immer ein klares Ziel vor Augen. Beruflich arbeitete Steven Graf nach seiner Schulzeit bei der Firma Deiss & Walser in Marbach, der sich für Sanitärinstallationen und Heizungen einen Namen gemacht hat. Nach der Lehre als Sanitärinstallateur arbeitet er als Fachmann in der 1985 gegründeten Firma. Hans und Angela Deiss haben den Sportler in diesen Jahren tatkräftig unterstützt. Das Engagement ist mit dem sportlichen Erfolg «gewachsen». Dank dieser sehr grosszügigen und konstanten Unterstützung kann der Athlet viel Zeit in den Sport investieren. Und wenn es die Zeit zulässt, besucht Steven Grafs Chef Hans Deiss auch die Heimkämpfe der Ringerstaffel Kriessern.

Ein harter Arbeiter

Unzählige harte Trainingseinheiten, Verletzungen und weitere Rückschläge hat Steven Graf in Kauf genommen, ohne seine Ziele aus den Augen zu verlieren. Eine Zielstrebigkeit, die auch Nationaltrainer Ludwig Küng schätzt: «Steven Graf ist ein harter Arbeiter und überlässt nichts dem Zufall, um sein Ziel <Olympische Spiele 2016 in Rio de Janeiro> zu erreichen.» Mit 25 Schweizer Meistertiteln und internationalen Medaillen ist der Altstätter ein Aushängeschild des Schweizer Kaders. Beim Fachsimpeln mit Vater und Sohn Graf stellt sich heraus, dass sich der Spitzensport in wenigen Jahren – einer Generation sozusagen – sehr stark gewandelt hat. Kampf ist noch immer Kampf – das Drumherum hat aber zugenommen und, vor allem sind die Anforderungen an die Sportler stark gestiegen. Dies bestätigt auch Mutter Vroni Graf, die seit zehn Jahren im Ostschweizer Ringerverband für die Lizenzen zuständig ist. Anfänglich waren der Fahrdienst und die Begleitung an Wettkämpfe ihre Aufgaben, heute hilft sie auch bei der Sponsorensuche tatkräftig mit. Denn nebst dem Lohnausfall kommen grosse Kosten auf die Spitzenringer zu, die der Verband und die RS Kriessern nicht allein tragen können.

2015 ist entscheidendes Jahr

2015 wird das Vorbereitungsjahr auf die Qlympia-Quali. Die Weltmeisterschaft vom September in Las Vegas ist das erste Qualifikationsturnier. Bis dahin gibt es noch einiges zu tun – die Ausgangslage und Steven Grafs momentanes Leistungspotenzial sind gut. «Steven Graf ist ein Kraftpaket im Leichtgewicht. Mit einem enormen Willen kämpft er sich an die Weltspitze heran», sagt sein Krafttrainer Christoph Feyer. Denn er hat ausser einem Kampf sämtliche Nationalliga-A-Kämpfe in der Swiss Premium League gewonnen. Er war damit Kriesserns verlässlichster Punktesammler auf dem Weg zum Vizemeistertitel. Eine verheissungsvolle Ausgangslage für das kommende Jahr, das bisher wichtigste in der Laufbahn des Sportlers. (mal, ys)

In folgenden Artikeln werden die zwei weiteren Olympia-Kandidaten der Ringerstaffel Kriessern – Damian Dietsche und Philipp Hutter – vorgestellt.