Förderung ab dem Wickeltisch

ST.MARGRETHEN. Kinderkrippe, Krabbelgruppe, Mukiturnen, Elki-Spielgruppe: Die Programme zur Frühförderung nehmen im Rheintal zu. Immer mehr Primarschulen setzen das Thema auf die Prioritätenliste. In St.Margrethen tat man das schon vor Jahren.

Samuel Tanner
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Die St. Margrether Kinder werden schon vor der Einschulung gezielt gefördert. (Bild: pd)

Die St. Margrether Kinder werden schon vor der Einschulung gezielt gefördert. (Bild: pd)

Frühförderung ist als Bildungsthema en vogue. In Balgach fand jüngst ein Vortrag des renommierten Professors Andrea Lanfranchi zum Thema statt, in St.Margrethen arbeitet man seit vier Jahren am Projekt und kann schon einige Erfolge verzeichnen. Sogar im derzeit vieldiskutierten und verurteilten Werk von Thilo Sarrazin ist immer wieder davon die Rede. Der St. Margrether Schulrat gab der Frühförderung 2006 Priorität.

Die Chancengleichheit beim Schulstart wird immer wichtiger – niemand möchte eine Zweiklassengesellschaft in der Schule.

Die Erziehung hat nachgelassen

Eva Graf Poznicek ist die Leiterin für Schulentwicklung in St. Margrethen. Ihr Büro ist im Schulhaus Wiesenau – die in den Ecken platzierten Mitbringsel aus fremden Ländern würden wohl am liebsten erlebte Geschichten erzählen.

Graf Poznicek spricht jedoch über die Frühförderung, eines ihrer Lieblingsthemen, wie sie sagt: «Da bin ich stolz auf unsere Schule.» St.Margrethen wird oft gescholten, hier übernahm man vor vier Jahren eine Vorreiterrolle, zumindest was das Rheintal betrifft. Auslöser dafür waren die ohnehin schon grossen Herausforderungen in St.Margrethen: Der Ausländeranteil ist verhältnismässig hoch – Eltern aus anderen Kulturen sprechen oft wenig Deutsch und haben andere Wertvorstellungen, wie eine Umfrage der Schulgemeinde zum Start des Projekts zeigte. «Frühförderung ist aber nicht nur vom Ausländeranteil abhängig. Andere Gemeinden mit weniger Ausländern haben dieselben Probleme», sagt Graf Poznicek. Vielmehr hat die Erziehung nachgelassen, werden die Defizite früher und differenzierter wahrgenommen.

Ansetzen wollten die Verantwortlichen vor allem bei den bestehenden Angeboten für Kinder wie beispielsweise der Spielgruppe. Weiter war auch die Elternbetreuung und die Elternbildung (Sprachkurse) ein wichtiger Pfeiler im Konzept.

Ergebnisse lassen sich sehen

Heute kann die Schule St. Margrethen Ergebnisse präsentieren, die sich sehen lassen. Bunte Flyer mit allen vorschulischen Angeboten sind im Dorf omnipräsent.

Zusätzlich werden an Elternabenden Checklisten verteilt und vorgestellt, welche die konkreten Erwartungen der Schule enthalten. Darauf stehen Anforderungen wie: «Ein Kind, das in die 1. Klasse eintritt, kann ... bei einem Lied den Takt mitklatschen.» Eva Graf Poznicek war es wichtig, die Ziele so konkret wie möglich zu formulieren.

Balgachs Schulleiter Christof Bicker sagte am 1. September in einem Interview mit dem «Rheintaler»: «Es ist sehr schwierig, vor der Einschulung an die Eltern heranzukommen.» Den St. Margrether Schulverantwortlichen ist genau das gelungen. «Wir haben einen Elternabend vor der Spielgruppe eingeführt, wenn die Kinder etwa drei Jahre alt sind», sagt Graf Poznicek. Bei diesem Anlass werden die Erwartungen der Schule kommuniziert. «Das schätzen die Eltern», sagt die engagierte Leiterin der Schulentwicklung.

Verbesserungen sind auch im Bereich der Frühförderungsangebote erzielt worden. Die Spielgruppe ist gut besucht und arbeitet eng mit der Schule zusammen, bei der Elternberatung wurde das Angebot erweitert, im August dieses Jahres startete eine Elki-Spielgruppe (Eltern begleiten Kinder) für die ganz Kleinen. «Zwischen den Leiterinnen der verschiedenen Angebote besteht eine gute Zusammenarbeit», sagt Eva Graf Poznicek. Das St.Margrether Projekt läuft weiter.