Fluglärm gibt Rätsel auf

Mehrmals sind im Toggenburg und im Linthgebiet Menschen mitten in der Nacht von Fluglärm aus dem Schlaf gerissen worden.

Patrick Baumann
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Bereits dreimal ist die in Ebnat-Kappel wohnhafte Ruth Küchler nachts zwischen 1.15 und 2.15 Uhr von Fluglärm geweckt worden. Zuletzt in der Nacht auf vergangenen Freitag. «Ich bin mir sicher, dass es sich um Motorengeräusche eines grossen, tieffliegenden Flugzeugs gehandelt hat», sagt Küchler. «Ich habe jeweils ein tiefes Brummen gehört, dass sich sehr langsam von Osten näherte und Richtung Westen davonzog.» Ein Licht habe sie nicht erkennen können.

Luftwaffe kann sich den Lärm nicht erklären

Ruth Küchler ist nicht die einzige Anwohnerin, die von solchen Ereignissen berichtet. Leserbriefschreiber äusserten sich in der «Toggenburger Zeitung» ebenfalls über lauten nächtlichen Fluglärm und sind der Überzeugung, dass dieser von grossen, tieffliegenden Propellermaschinen stamme. Für einen Vorfall gibt es eine Erklärung. Am 12. November um 1.29 Uhr überflog eine Antonov AN-12 der ukrainischen Cargogesellschaft Cavok Air die Linthebene. Die Antonov flog auf der für solche Maschinen angebrachten Höhe von rund 7500 Metern und war angemeldet. Dies berichtete die «Toggenburger Zeitung». Für die anderen Vorfälle hat auch die Schweizer Luftwaffe keine Erklärung. «Wir haben mit unserem Radar keine aussergewöhnlichen Flugbewegungen festgestellt», sagt Armeesprecher Daniel Reist. Jürg Nussbaum, Chef Kommunikation der Luftwaffe, weiss von zwei Ereignissen Mitte Oktober, die aber keinesfalls aussergewöhnlich seien: «Wir haben festgestellt, dass am 18. Oktober um 3.25 Uhr eine Boeing 767 und am 20. Oktober um 4 Uhr eine Boeing 737 das fragliche Gebiet überflogen hat», sagte er in einem Beitrag von «TVO». «Ansonsten haben weder die militärischen noch die zivilen Radaranlagen etwas festgestellt.» Gegenüber «FM1 Today» gibt er jedoch zu bedenken, dass man normalerweise nicht wach werde, wenn ein Flugzeug in dieser Höhe die Schweiz überfliege. Die aussergewöhnliche Lautstärke kann sich die Luftwaffe nicht erklären.

Jetzt handelt die Politik

Die «Toggenburger Zeitung» spekulierte, dass am 18. und 20. Oktober unangemeldete Flüge über die Schweiz stattfanden und dass es sich beim Flugzeug um dieselbe Antonov wie am 12. November handelte. Nur hätten die Flüge unter dem Radar stattgefunden. Für Jürg Nussbaum ergibt diese Theorie keinen Sinn: «Eine so niedrige Flughöhe wäre viel zu gefährlich für den Piloten.» Mittlerweile sind auch Politiker aus der Region auf das Phänomen aufmerksam geworden. «Anfangs habe ich es als Schauermärchen abgetan, weil ich in der betroffenen Region wohne und weder ich noch meine Frau etwas gehört haben», sagt CVP-Nationalrat Jakob Büchler. «Nun scheint es aber so, als ob doch etwas dran sein könnte.» Auf jeden Fall wolle er nächste Woche von Skyguide und besonders von der Luftwaffe wissen, was genau los war und was effektiv festgestellt wurde. «Falls solche Überflüge tatsächlich stattgefunden haben, sind diese illegal und dürfen nicht einfach so toleriert werden.» Büchler hält es jedoch für sehr unwahrscheinlich, dass Flugzeuge derart tief über dieses Gebiet fliegen. Dass eine Boeing in normaler Flughöhe einen solchen Lärm verursacht, hält der Nationalrat aber ebenfalls für unrealistisch.