Flitterwochen mit der Zukunft

Ostern – die Botschaft von der Auferstehung – das sind «Flitterwochen mit der Zukunft», hörte ich im Radio. Flitterwochen, Kribbeln im Bauch, Schmetterlinge in Kopf und Leib – und das im Hinblick auf die Zukunft!

Silke Dohrmann Pfarrerin In Widnau und Kriessern
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Ostern – die Botschaft von der Auferstehung – das sind «Flitterwochen mit der Zukunft», hörte ich im Radio. Flitterwochen, Kribbeln im Bauch, Schmetterlinge in Kopf und Leib – und das im Hinblick auf die Zukunft!

Wenn ich mich auf eine Unternehmung mit Freunden oder einen seltenen Besuch freue, dann empfinde ich diese Vorfreude, und ich stelle mir vor, was noch nötig ist, damit das Treffen möglichst unterhaltsam, schmackhaft, fröhlich und gesellig wird. Und tue alles dafür – eben weil ich mich so freue.

Und die Vorbereitungen auf die Flitterwochen sind natürlich entsprechend.

Ich lese gern Zeitung. Ich finde es wichtig, als glaubender und hoffender Mensch zu wissen, was in der nahen und fernen Welt entschieden wird und geschieht. Was unsere Zukunft anbelangt, sehe ich in den Medien wenig Vorfreude und Hoffnung, eher Sorge und Ohnmacht. Zeitung lesen und beten, das ist mir wichtig. Auch, wenn ich dadurch sehr wenig ändere am Lauf der Welt. Aber es ist auch meine Welt. Und mit ihr wird umgesprungen, als hätten wir mehrere auf Lager. Doch es ist die eine Welt Gottes!

Von einem syrischen Flüchtling hörte ich, dass vor zwei Wochen sein zehnjähriger Neffe eine Hand verloren hat bei einem Raketenangriff. Noch vor zwei Jahren konnte er als Agronom in seiner Heimat grosse fruchtbare Flächen bewirtschaften und die schönsten Gemüsesorten und Früchte ernten. Er ist jetzt in der Schweiz in Sicherheit, aber seine Grossfamilie ist der Kriegsgewalt ausgesetzt. Und er kann nichts tun, um ihnen zu helfen. Er konnte nur seine Frau und Kinder retten.

Was hindert uns, noch mehr Flüchtlinge aufzunehmen aus Syrien? Wir könnten so viel Böses abwenden und Gutes tun – erinnern wir uns doch an die ungarischen Flüchtlinge.

Flitterwochen mit der Zukunft? Ich glaube, dass Jesus von den Toten auferstanden ist und uns zur Hoffnung beruft, zur tatkräftigen und widerständigen Hoffnung. «Hoffnung ist nicht Optimismus. Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.» (Vaclav Havel)

Ich denke an die vielen Menschen, die sich im Kleinen und Grossen für eine friedliche Welt einsetzen, für die Erhaltung der Artenvielfalt oder für Flüchtlinge in ihrer Nachbarschaft. Aber auch an die Menschen, die Nachteile oder sogar Gefahr für ihr Leben auf sich nehmen, um in ihren Ländern friedlichere und gerechtere Strukturen aufzubauen. Dort werden die Samen für die Zukunft gepflanzt.

Schätzen wir die Samen nicht gering, die wir selbst pflanzen und wahrnehmen! Und achten wir unseren Widerstand nicht gering gegen alles, was die Pflänzchen zerstört!

Es geht nur gemeinsam mit Christen und Moslems, mit Hindus, Buddhisten und Bahais, mit Atheisten, Humanisten und Tierfreunden, dass wir uns nicht mehr ängstigen vor der Zukunft, sondern hoffen, den Sinn suchen und zupacken. Nicht aufgeben, denn es geht um das Leben unserer Enkel, um die vielen wunderschönen Tiere und Pflanzen, um das kostbare Wasser – es geht um unser Leben, unsere Lebensfreude unseren Sinn.

Gott – wie wir ihn oder sie auch nennen – hat eine Vision von unserer Erde und Zukunft.

Und er oder sie hätte Freude, wenn wir wieder Schmetterlinge im Bauch haben, sobald wir an die Zukunft denken.