Fliege gefährdet Traubenernte

RHEINTAL. Ein asiatischer Pflanzenschädling bereitet zurzeit in den Rebbergen Sorgen. Sehr viel Mehrarbeit und grössere Ernteausfälle könnten die Folge der speziellen Fliege sein.

Kurt Latzer
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Manfred Zoller, Rebbauer im Auer Monstein, mit einer seiner Fallen mit dem Lockstoff. (Bild: René Schneider)

Manfred Zoller, Rebbauer im Auer Monstein, mit einer seiner Fallen mit dem Lockstoff. (Bild: René Schneider)

Drosphila suzukii ist der lateinische Name der Kirschessigfliege. Sie trat 2009 erstmals in Europa in Erscheinung und bereitet nun Sorgen. Wem, das weiss Nina Thomas, Mitarbeiterin der Fachstelle Pflanzenschutz beim Landwirtschaftlichen Zentrum in Salez. «Nachdem die Kirschessigfliege in Beerenkulturen Schäden angerichtet hat, bereitet sie nun in den Rebbergen erhebliche Probleme.»

Rheintal später dran

Die Kirschessigfliege ist wenig anspruchsvoll und vermehrt sich rasant. Und sie macht mehr Probleme als die heimischen Essigfliege.

«Die heimische Art kann nur Beeren befallen, die bereits angestochen sind, von Wespen etwa. Die Kirschessigfliege kann die Haut gesunder Früchte selbst aufritzen und ihr Ei hineinlegen», sagt die Agrar-Ingenieurin. Das Resultat ist eine Essigbeere, die nicht gekeltert werden darf. Und dabei ist das Rheintal später dran als andere Regionen. Im Baselbiet habe man es schon zwei drei Wochen früher mit dem asiatischen Schädling zu tun bekommen.

Viele Fallen nötig

Die Schädlinge mit Insektiziden zu bekämpfen, sei das letzte Mittel. Zunächst versuchten Beeren- und Traubenproduzenten die Fliegen mit Fallen – in PET-Flaschen gefüllten Lockstoffen – zu fangen oder die Trauben mit Kalk zu bestäuben. «Die wichtigste Massnahme ist das sofortige Abernten reifer Früchte. Denn nur wenn Trauben weich sind, kann die Fliege die Schale aufritzen», sagt Nina Thomas. Hilfreich sei auch das entfernen von Laub und des Bodenbewuchses, da sich die Schädlinge hinter Blättern verstecken. Diese Massnahme gelte nicht nur für Beeren- und Traubenproduzenten, sondern auch für Privatgärten. Ebenso wie Wälder bleiben auch sie von der Kirschessigfliege nicht verschont.

Grössere Ernteausfälle möglich

Viel Arbeit erwartet die Weinbauern dieses Jahr nicht nur bei der Vorlese, sondern auch beim Wimmet. Jede befallene Beere müssen sie aus den Trauben entfernen, sonst gibt es Essig: «Ein immenser Aufwand», sagt Nina Thomas. Und zu den neuen Schädlingen gesellen sich die heimische Essigfliege und Wespen. Die Lage sei ernst, grössere Ernteausfälle könne man zurzeit nicht ausschliessen. Die Agrar-Ingenieurin vermutet, dass der milde Winter zur Explosion der Kirschessigfliegen-Population beigetragen hat. Erste Fliegen seien bereits im Juli gefangen worden.

Probleme auch bei Nachbarn

Grossen Schaden richten die Schädlinge aber erst Anfang Oktober an. «Im Auftrag des Kantons sind wir zurzeit dabei, im ganzen Kanton Fallen aufzustellen», sagt Nina Thomas. Davon versprechen sich die Fachleute genauere Informationen über die Population der «neuen» Fliege.

Beerenproduzenten und die Weinbauern werden auch in Zukunft lernen müssen, mit der Kirschessigfliege zu leben. Nicht nur in der Schweiz, sondern auch im benachbarten Vorarlberg haben die Kirschessigfliegen teils grossen Schaden angerichtet.

Abhilfe schaffen könnten sehr feinmaschige Netze, was allerdings mit sehr hohen Kosten verbunden wäre. Den Besitzern von Beerensträuchern in Privatgärten rät Nina Thomas zu dieser Massnahme. Dort seien Netze relativ einfach anzubringen.

Von der Kirschessigfliege verursachte Essigbeere.

Von der Kirschessigfliege verursachte Essigbeere.