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Fleischskandal im Tal angekommen

RHEINTAL. Der seit längerer Zeit aktuelle Pferdefleisch-Skandal hat auch Auswirkungen auf das Geschäft von Rheintaler Pferdemetzgereien, allerdings positive. Basil Waibel und Guido Baumgartner freuen sich zurzeit über mehr Kundinnen und Kunden.
Kurt Latzer
Kein Grund zur Sorge: Seit dem Pferdefleisch-Skandal hat Basil Waibel mehr Kundinnen und Kunden in seinem Laden in Heerbrugg. (Bild: Kurt Latzer)

Kein Grund zur Sorge: Seit dem Pferdefleisch-Skandal hat Basil Waibel mehr Kundinnen und Kunden in seinem Laden in Heerbrugg. (Bild: Kurt Latzer)

Duft von Geräuchertem steigt einem in die Nase, wenn man die Tür zu Basil Waibels Metzgereigeschäft in Heerbrugg öffnet. Mit einem Lächeln präsentiert er ein Mostbröckli und ein Stück Pferdefilet. Das Lachen vergeht ihm auch auf die Frage nicht, wie er den Pferdefleisch-Skandal erlebe und ob ihm deswegen die Kundschaft davonlaufe. «Im Gegenteil: Ich habe mehr Kundschaft. Es kamen sogar Leute in meinen Laden, die vorher noch nie Pferdefleisch probiert hatten», freut sich Waibel.

Leute sollten froh sein

Die Tatsache, dass in Fertigprodukten anstatt des deklarierten Rindfleisches Pferdefleisch drin war, ärgert ihn nicht gross. «Klar haben die beschissen und falsch deklariert», sagt Basil Waibel, «eigentlich aber sollten die Leute froh sein, dass Pferdefleisch verwendet wurde, das ist gesünder als Rind.» Pferdefleisch habe mehr Eisen, mehr Calcium und sei blutbildend. Es ging aber nicht allein um den Anteil von Pferdefleisch, sondern auch um dessen Qualität und die entdeckten Rückstände von Medikamenten. Woher stammen die Pferde, die er in Diepoldsau schlachtet? «Die Tiere, die ich verarbeite, stammen aus dem Rheintal und aus dem Appenzellerland, gelegentlich auch aus dem Liechtensteinischen», sagt der Pferdemetzger in dritter Generation. Er wisse von wo und von wem sie stammen, «das ist für eine gute Qualität ausschlaggebend.» Das Umherkarren von Tieren, teils über Hunderte Kilometer, bezeichnet er als «Schweinerei». Klar sei, dass die Tiere am Schluss geschlachtet würden. Man dürfe sie aber nicht noch auf den langen Transporten unnötig quälen.

Einbruch in den 1990ern

Guido Baumgartner führt zusammen mit seiner Frau Beatrice in Rebstein seit vielen Jahren nicht nur eine Pferdemetzgerei, sondern auch ein Restaurant. Auch in diesem Betrieb wird Pferdefleisch aus der Region verarbeitet. «Der Skandal hat sich bisher nicht negativ auf unser Geschäft ausgewirkt», sagt Baumgartner. Erst vor wenigen Tagen seien fünf Leute zum Abendessen gekommen, «alle haben Pferdefleisch gegessen.» Auch das Marktgeschäft habe sich in den letzten paar Jahren sehr verbessert. Einen grossen Einbruch im Verkauf von Pferdefleisch hingegen habe es Mitte der 1990er-Jahre gegeben. «Den damaligen Wechsel auf den schulfreien Samstag haben wir stark gespürt», sagt der Rebsteiner Metzger und Wirt, «wir hatten viele Kunden aus dem Raum Zürich und Winterthur, die den Samstagmorgen genutzt haben, um ohne ihre Kinder bei uns einzukaufen.»

Prüfung wichtig

Und wie steht es mit der Kontrolle? Muss ein Pferdemetzger im Rheintal vor dem Schlachten das Tier anmelden? «Ja», sagt Kantonstierarzt Albert Fritsche», der Tierhalter muss dem Schlachtbetrieb das Tier zur Schlachtung anmelden. Der Schlachtbetrieb meldet die Schlachtungen/Schlachtzeiten dem für seinen Betrieb für die Schlachttier- und Fleischuntersuchung zuständigen Tierarzt.» Der Arzt kontrolliere das Tier vor der Schlachtung. Dabei überprüfe er die obligatorischen Begleitdokumente, in welchen der Tierhalter belegt, dass das Tier gesund war, nicht aus einem seuchenpolizeilich gesperrten Betrieb stammt und nicht mit Medikamenten behandelt worden ist, von denen die Absetzfristen nicht abgelaufen sind. Der Tierarzt überprüft die Identität des Tieres und vergleicht sie mit den Dokumenten. Den Schwerpunkt aber bilde der Gesundheitscheck, die Prüfung auf Verdacht von Tierseuchen, Anzeichen auf missbräuchlichen Arzneimitteleinsatz, Tierschutzverstösse beim Transport oder der Haltung. Das Tier dürfe keine zu starke Verunreinigung aufweisen, bevor es geschlachtet werde. Wie bei allem Schlachtvieh, erfolge nach der Schlachtung eine Fleischkontrolle durch einen Veterinär, in kleinen Schlachtbetrieben ist das in der Regel der gleiche, der das Pferd schon lebend beurteilt hat. Der Tierarzt entscheidet dann, ob das Fleisch geniessbar oder ungeniessbar ist.

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