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Fledermäuse haben Vorrang

EICHBERG. 2011 ist das Schweizer Jahr der Fledermäuse: Das Rheintal ist wegen seiner Artenvielfalt eine Besonderheit, weshalb man beim Sanieren von Gebäuden auf diese Tiere Rücksicht nimmt, so etwa bei der Kirche in Eichberg, in der gleich zwei verschiedene Arten zusammenleben.
Kurt Latzer
Bei der Kirche Eichberg, die derzeit saniert wird, muss das Schutznetz wegen der Fledermäuse noch vor März entfernt werden. (Bild: Max Tinner)

Bei der Kirche Eichberg, die derzeit saniert wird, muss das Schutznetz wegen der Fledermäuse noch vor März entfernt werden. (Bild: Max Tinner)

Nicht nur das ganze Rheintal sei einmalig, sondern auch einzelne Gemeinden. «Im Eichberger Kirchestrich leben zwei Fledermausarten, das Kleine und das Grosse Mausohr. Solche Orte, an dem diese Arten zusammen unter einem Dach leben, gibt es in der ganzen Schweiz nur etwa ein Dutzend», sagt René Güttinger, Kantonaler Fledermausschutz-Beauftragter St. Gallen und Appenzell. Deshalb sei die Population in Eichberg von grösster Bedeutung, sogar über die Landesgrenzen hinweg. Das kleine Mausohr gehöre zu den seltensten, das Grosse Mausohr zählt heute zu den gefährdeten Fledermausarten.

Viele Faktoren haben Einfluss

Das St. Galler Rheintal nehme bei den Fledermäusen eine besondere Stellung ein, da dort etwa 20 der gesamthaft 30 Arten beheimatet sind, die in der Schweiz vorkommen. Zum Artenreichtum im Rheintal: «Das Alpenrheintal ist aus naturgeographischer Sicht prädestiniert für Fledermäuse», so Güttinger. Hier wirkten verschiedene Faktoren zusammen, so etwa die Tatsache, dass ost-, mittel- und südeuropäische Fauna und Flora ebenso vorhanden seien wie die Nähe zu höheren Lagen, der Bergwelt. Mit eine Rolle spiele das im Vergleich zu anderen Regionen sehr milde Klima im Sommerhalbjahr.»

«Heilige» Allianz

René Güttinger ist des Lobes voll. «Dank der sehr guten Zusammenarbeit mit Hansueli Geisser, Präsident der Kirchenvorsteherschaft Eichberg, dem Architekten Reinhard Dietsche und dem Fledermausschutz ist es gelungen, eine Lösung zu finden, die Tiere nicht zu verscheuchen.» Hansueli Geisser: «Einerseits haben wir mit den Sanierungsarbeiten am Kirchturm erst Ende Oktober begonnen, als die Fledermäuse ihre Winterquartiere ausserhalb des Turms bezogen haben. Andererseits müssen wir darauf achten, dass die Arbeiten spätestens im März abgeschlossen sind.»

Eichberg eine Hochburg?

Je nach Wetter müsse man in Absprache mit René Güttinger bereits vorher das Netz am Gerüst einseitig entfernen, und zwar dort, wo die Tiere üblicher Weise in den Turm einfliegen. Weiter werde auch bei den bei der Sanierung verwendeten Materialen darauf geachtet, dass die Tiere nicht beeinträchtigt werden wie etwa den Geruch der Farben. Wie der Präsident der Kirchenvorsteherschaft betont, gebe es in der Gemeinde noch einige Gebäude mehr, in denen Fledermäuse den Frühling und Sommer über zu Hause seien, so etwa den alten Kindergarten. Kann Eichberg als Hochburg der Fledermäuse bezeichnet werden? René Güttinger: «Nein, als Hochburg möchte ich dies nicht bezeichnen, da dies die anderen Gebiete im Rheintal abwerten würde. So etwa im alten Kindergarten, wo im Gegensatz zum Kirchturm Breitflügelfledermäuse wohnen.»

Per Bundesgesetz geschützt

Wie der Eichberger Gemeinderatsschreiber Gregor Kaiser betont, seien die Populationen in der Kirche und im alten Kindergarten in die neue Schutzverordnung aufgenommen worden, die zurzeit zur Genehmigung beim Kanton liege.

Ob die Tiere aber dort wieder Einzug halten, zeige sich erst im Frühjahr. «Dort haben wir bei einer ebenfalls 2010 erfolgten Sanierung auch Lösungen mit dem neuen Besitzer finden können. Ob dies von Erfolg gekrönt ist, wird sich zeigen.» Ebenfalls ein besonderes Fledermausquartier liegt in Kobelwald.

«Im Jahr der Fledermaus wünsche ich mir die Zusammenarbeit mit Hausbesitzern und Handwerkern», so Güttinger. Dies gerade in der heutigen Zeit, in der energetisches Sanieren von Häusern subventioniert werde. «Fledermäuse und das Abdichten von Häusern stehen im Widerspruch: Ist ein Haus dicht, können die Tiere beim Verlassen der Winterquartiere nicht mehr zurück an die angestammten Plätze.» Hier gelte es, den Interessenkonflikt zu entschärfen und gemeinsam zweckmässige Lösungen zu entwickeln.

Wer ein Haus mit einem Fledermausversteck besitze und renovieren möchte, kann jederzeit mit ihm oder Jonas Barandun, Mitarbeiter des Naturmuseums St. Gallen, Kontakt aufnehmen. Weitere Informationen gibt es unter unter www.fledermausschutz.ch.

In der ganzen Schweiz kümmern sich ausgewiesene Fachleute im Auftrag der Kantone und des Bundes um den Schutz der Fledermäuse. Diese Fachleute bieten die biologisch und juristisch richtige Lösung für eine Fledermaus verträgliche Haussanierung an. Juristisch auch deshalb, weil es sich bei allen Fledermäusen um Tiere handelt, die samt ihren Quartieren per Bundesgesetz unter Schutz stehen.

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