Firmen werben um Lehrlinge

ST. MARGRETHEN. Am Berufsevent des Vereins Chance Industrie Rheintal wetteifern Firmen an ihren Ständen in Sachen Kreativität. Ziel ist, möglichst viele Oberstufenschüler auf die verschiedenen Industrie-Lehrberufe aufmerksam zu machen.

Seraina Hess
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Wer nichts bietet, wird nicht besucht. Das wissen auch die 18 Firmen, die sich derzeit am Event präsentieren. (Bilder: Seraina Hess)

Wer nichts bietet, wird nicht besucht. Das wissen auch die 18 Firmen, die sich derzeit am Event präsentieren. (Bilder: Seraina Hess)

Eintönig ist anders: Tischfussball bei den Polymechanikern, Glücksrad bei der BWB-Altenrhein AG, ein Parcours für den ferngesteuerten Hubstapler bei den Logistikern. Wer Lehrlinge finden und Oberstufenschüler auf sich aufmerksam machen will, muss heute etwas bieten. Und es funktioniert: Mehr Action ist gleich mehr Jugendliche am Stand, zeigte sich gestern Vormittag am Berufsevent des Vereins Chance Industrie Rheintal, der bis Samstag in der Rheinauhalle in St. Margrethen stattfindet. Die Schülerinnen und Schüler werden motiviert, mindestens drei Berufsstände und die Stände der dazugehörigen Firmen zu besuchen – erst dann dürfen sie ein Solarmobil zusammenbauen, dessen Gestaltung sie bereits im Werkunterricht vorbereitet haben.

Heinz Wiget, Leiter der libs Heerbrugg und Mitglied des Event-OK, sagt: «Es ist ganz klar, dass die Firmen und Berufsverbände an ihren Ständen etwas bieten möchten, das auffällt: Es gibt mehr Lehrstellen als Schüler, da möchte jedes Unternehmen die besten finden.»

Mehr Schnupperlehren vergeben

Es stellt sich die Frage, ob diese Rechnung wirklich aufgeht. Kann man Interesse durch spielerische Aufgaben wecken, die sehr wohl Spass machen, mit den Aufgaben des eigentlichen Berufs aber nicht mehr allzu viel zu tun haben? Jansen-Mitarbeiter Manuel Frei, getroffen am Stand der Kunststoffverarbeiter, sagt: «Es gibt immer zwei Gruppen von Schülern. Solche, die den Parcours einfach absolvieren, weil sie ihr Solarmobil zusammenbauen und am Wettbewerb teilnehmen möchten, und solche, die den spielerischen Aufbau des Parcours auch wirklich dazu nutzen, Fragen zu stellen.» Dass der Berufsevent bei seinem Arbeitgeber seine Spuren hinterlässt, sei aber deutlich spürbar: «Wir merken: Es gibt wieder mehr Jugendliche, die bei uns eine Schnupperlehre absolvieren möchten.»

Eltern kommen am Samstag

Dieser Meinung schliessen sich Iris Hollenstein und Leandro Knecht von der Coltène/Whaledent AG aus Altstätten an. Sie betreuten gestern Morgen den Berufsstand der Laboranten, Fachrichtung Chemie – natürlich kombiniert mit einer spannenden Aufgabe: Mit Hilfe einer chemischen Reaktion sollte ein Element nachgewiesen und damit ein Chemie-Puzzle gelöst werden. Knecht sagt: «Einige Jugendliche sind heute hier, weil sie von der Schule aus am Event teilnehmen müssen, sich aber nicht für industrielle Berufe interessieren.» Hollenstein ergänzt: «Am Samstag läuft vieles anders. Es wird gezielter gefragt, weil die Eltern dabei sind und die Schüler auf ihrem Rundgang begleiten.»

Bewerbungs-Coaching

Viel mitnehmen auf ihrem Weg zur Lehrstelle konnten aber auch Schüler, die sich für keinen der vorgestellten Berufe interessierten. Das Obergeschoss der Rheinauhalle wurde in viele kleine Kammern unterteilt, in denen Mitarbeiter von Unternehmen der Region warteten, um mit den Schülern ein Bewerbungsgespräch zu simulieren. Ob Augenkontakt, Pünktlichkeit oder Händedruck: Diese Tips sind für niemanden umsonst, wissen Jürg Sommerhalder und Hildegard Ludwig von der Sefar AG.

Die beiden Coaches waren überrascht: «Die Jugendlichen hier sind super. Bis jetzt habe ich nur Schüler erlebt, die ihr Bewerbungsgespräch sehr souverän, freundlich und aufgestellt hinter sich gebracht haben», berichtete Ludwig.

Wie viel ein ferngesteuerter Hubstapler wohl mit dem Logistiker-Beruf zu tun hat? Für Timon Bürgi aus Oberriet spielt das keine Rolle. Ihm gefiel der Stand nicht zuletzt wegen der kniffligen Aufgabe am besten.

Wie viel ein ferngesteuerter Hubstapler wohl mit dem Logistiker-Beruf zu tun hat? Für Timon Bürgi aus Oberriet spielt das keine Rolle. Ihm gefiel der Stand nicht zuletzt wegen der kniffligen Aufgabe am besten.

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